Ludolph nimmt Anlauf für die Olympia-Norm
Eine kleine Erkältung bremst ihn noch aus, doch Sören Ludolph ist voller Tatendrang ins Training für die neue Saison gestartet. Die Olympia-Saison. Seine Olympia-Saison. London 2012 heißt das große Ziel. Und seit seinem famosen Lauf in Königs-Wusterhausen im September, in dem er in 1:45,04 Minuten die schnellste 800-Meter-Zeit eines Deutschen seit sechs Jahren geschafft hatte, ist es für den Athleten der LG Braunschweig auch ein realistisches Ziel.
"Zu wissen, dass der Körper so entwickelt ist, dass ich so eine Zeit schaffen kann, gibt mir schon innerere Sicherheit und Ruhe", sagt Ludolph. "Ich könnte sogar eine halbe Sekunde langsamer sein", rechnet er vor. "So muss ich 2012 keine neue Bestzeit aufstellen, sondern nur die Olympia-Norm von 1:45,55 unterbieten – und warum sollte ich das nicht ein zweites Mal schaffen?"
Ganz nebenbei hätte der 22-Jährige damit auch die Norm für die Europameisterschaft in der Tasche, die erstmals kurz vor den Olympischen Spielen, im Juni, stattfindet. "Da könnte ich mir nochmal Härte für Olympia holen", plant Ludolph. Außerdem sei bei einer EM natürlich seine Endlaufchance größer.
In eineinhalb Wochen fliegt er ins erste Trainingslager nach Flagstaff/USA. Bis dahin will der deutsche Meister auch seinen neuen Vertrag mit der LG Braunschweig unterzeichnet haben. "Derzeit bin ich vertragsfrei, aber ich fühle mich ja wohl in Braunschweig", sagt er. "Warum sollte ich was ändern?"
Ludolph outet sich als Gewohnheitsmensch. Das siebte Mal in Folge in Flagstaff sein Quartier aufzuschlagen oder mit Trainer Jörg Voigt am Stützpunkt in Hannover ins achte Jahr zu starten – all das langweilt ihn nicht, sondern gibt ihm eine Sicherheit, die er zu schätzen weiß: "Beruflich läuft’s, sportlich läuft’s – ich habe ein gelungenes Gesamtpaket."
Seine tolle Bestzeit freue ihn besonders für seinen Trainer, betont er. "Er hat mich sieben Jahre lang gut aufgebaut, wir haben viel Arbeit reingesteckt und es hat so lange nicht geklappt." Mit Jörg Voigt verbindet ihn ein besonderes Vertrauensverhältnis, seit der Coach ihn als 16-Jährigen ins Sportinternat in Hannover geholt hatte. Derzeit studiert er an der Polizeiakademie Nienburg auf einer Sportlerstelle und will Ende nächsten Jahres Polizeikommissar sein.
Doch erstmal steht London im Fokus. Und natürlich soll alles in gewohnten Bahnen weitergehen: "Herr Voigt stellt den Trainingsplan auf, sagt, was ich machen soll, und ich setze es um." Weitere Trainingslager folgen, und Ludolph darf sich freuen: Weil er vom DLV für das "Top Team London" nominiert wurde, beteiligt sich der Verband an den Kosten. "Bisher hat mich der Verein unterstützt und der NLV, aber ich musste auch immer einen Teil selbst tragen."
So schnell wie möglich will er die Norm-Jagd hinter sich bringen, um sich dann mit der nötigen Ruhe auf die Großereignisse vorzubereiten. Früh schnell sein, heißt deshalb das Motto für das Frühjahr. Gelingt das, wird er zu schnelleren Rennen eingeladen, wo gute Tempomacher engagiert sind und sich die Norm besser knacken lässt. Als neuer Achter der europäischen Bestenliste dürfte es Ludolph allerdings ohnehin leichter haben, in die Starterfelder der Besten vorzudringen.
Klar ist aber auch: So entspannt wie zum Saisonausklang im September wird er zur Normhatz im Frühjahr nicht mehr antreten können.


