Lähmende Angst – Phantoms verpatzen erneut Heimauftritt
Braunschweig Nach dem 80:85 gegen Tübingen sind Braunschweigs Basketballer ein Fall für den Sportpsychologen. Verantwortliche kündigen eine Verstärkung an.
Spätestens seit Samstagabend müssen Braunschweigs Basketballer dem Abstiegsgespenst offen ins Gesicht blicken. Nach der Pleite gegen den Mitteldeutschen BC haben sie auch das nächste Duell gegen einen direkten Rivalen aus dem unteren Tabellenbereich in eigener Halle verloren. Die Tigers Tübingen triumphierten mit 85:80 (41:45) und profitierten dabei im Schlussviertel wie schon der MBC von katastrophalen Fehlern der Phantoms.
„Wir schlagen uns immer selbst“, klagte Sportdirektor Oliver Braun nach der vierten Niederlage in Folge. „Wir waren plötzlich ängstlich und haben das Spielen eingestellt“, analysierte Trainer Kostas Flevarakis konsterniert.
Ihre Profis traten im vierten Spielabschnitt auf, als hätten sie das Basketballspielen verlernt. Wie ein Schülerteam ließen sie sich in der Verteidigung aushebeln, luden die Gäste zu freiesten Würfen ein und hatten auch offensiv nur noch Konfusion zu bieten. Eine Art lähmende Angst machte sich breit und komplette Verunsicherung. Die Phantoms sind offensichtlich ein Fall für den Sportpsychologen.
Das Ziel, eine gewisse Heimstärke aufzubauen, ist damit nach einem Viertel der Saison schon verfehlt. Im Gegenteil, wird es eng, flattern den Braunschweigern in der VW-Halle die Nerven, zittern die Glieder. Die letzten Auswärtsauftritte in Oldenburg (59:60) und Frankfurt (59:61) waren deutlich besser, und das gegen stärkere Gegner.
Auch die lautstarke Hilfe des Paok-Thessaloniki-Fanklubs aus Hannover, der angereist war, um Flevarakis als Ex-Trainer ihres Teams und seine neue Mannschaft zu unterstützen, verpuffte.
Dabei standen die Weichen vor dem Schlussabschnitt auf Sieg. Die Verteidigungsprobleme, die sich wie ein roter Faden durch das Spiel zogen, hatten die Phantoms ab dem Ende des ersten Viertels zumindest deutlich eingeschränkt und mit guten Angriffen kompensiert.
Als das Duo Dennis Schröder/Immanuel McElroy nach einem 15:24-Rückstand das Feld betrat, kamen Spielfreude und mehr Tempo in die Aktionen. Nach einer 10:0-Punkte-Serie lief es für die Braunschweiger, auch wenn sie Mitte des zweiten Viertels nochmal in Rückstand gerieten. Kapitän Nils Mittmann brachte sein Team mit zwei Dreiern wieder nach vorn, McElroy besorgte per Dreier zum 43:35 (18.) den höchsten Vorsprung.
Mit einer 61:58-Führung ging die Mannschaft in die letzte Viertelpause, führte nach einem Schnellangriff-Dunking von Nils Mittmann auch noch 65:62 (34.).
Doch dann kam der Druck des Gewinnen-Müssens. Die Ballverluste häuften sich, die Ordnung ging vorne wie hinten verloren. Und Tübingen um den starken Johannes Lischka (24 Punkte, 12 Rebounds) nutzte das eiskalt aus.
Nicht, dass die Phantoms nicht gekämpft hätten. Aber ihnen gelang überhaupt nichts mehr. Selbst für erfolgreiche Verteidigungsaktionen belohnten sie sich nicht, Immanuel McElroy und Casey Mitchell verloren sogar bei Schnellangriffen den Ball. Die Verunsicherung stand dem Team ins Gesicht geschrieben. Beim 68:75 (37.) waren Pfiffe zu hören. Die Braunschweiger kamen zwar noch mehrmals auf drei Punkte heran, konnten das Ergebnis aber nicht mehr wenden.
„Wir brauchen eine bessere Gewinnermentalität und am Ende jemanden, der einen klaren Kopf behält“, resümierte Flevarakis und kündigte Verstärkungen an. „Mindestens ein neuer Spieler solle möglichst schon diese Woche verpflichtet werden. Braun bestätigte diesen Plan, wollte sich zur Position nicht äußern.
Doch es ist völlig klar, dass die Phantoms einen stärkeren Spielmacher brauchen. Jeremiah Davis konnte den in Frankfurt gezeigten kleinen Aufwärtstrend nicht bestätigen, war ein Ausfall. Und der 19-jährige Dennis Schröder kann das Team nicht allein tragen. Schon gar nicht, wenn in der Schlussphase der große Druck einsetzt.
Phantoms: Mitchell 17 (42%), Boateng 10 (83%, 7 Rebounds), Nana 10 (57%, 3 Ballverluste), McFadden 10 (57%, 2 Vorlagen), Schneiders 9 (60%, 4 Rebounds, 2 Ballgewinne), Schröder 8 (33%, 3 Vorlagen, 3 Ballgewinne), Mittmann 8 (2/2 Dreier), McElroy 5 (33%, 4 Vorlagen), Kulawick 2 (33%, 2 Vorlagen), Land 1, Davis.
