Kyle Visser ist der Libero - und momentan unersetzlich
Was in seiner Statistik steht, ist wenig spektakulär. 9,7 Punkte und 3,8 Rebounds sammelt Kyle Visser pro Partie. Aber bei Braunschweigs Erstliga- Basketballern ist der Center momentan ein unersetzlicher Schlüsselspieler. Wohl auch heute im Niedersachsenduell gegen die Artland Dragons (Wegen eines TV-Berichts im N3-Sportclub auf 14.30 Uhr vorverlegt).
Beim Sieg der Phantoms in Ludwigsburg war es offensichtlich: Nur wenn der bewegliche 2,11-Meter-Mann auf dem Feld war, stand die Phantoms-Verteidigung sicher und wurden einfache Punkte am Korb erzielt. Das Problem: Der 26-Jährige konnte nicht so lange spielen wie gewünscht. Nicht zum ersten Mal kassierte er schnelle Fouls und musste früh auf die Bank – und nicht immer waren diese Pfiffe der Schiedsrichter zu kleinlich.
"Ich muss einen Weg finden, auf dem Feld zu bleiben", sagt Kyle Visser selbstkritisch und berichtet, momentan arbeite er intensiv an diesen Dingen. "Ich mache mentales Training, damit ich auf dem Parkett fokussiert bleibe und mich nicht zu sehr mit den Schiedsrichterentscheidungen auseinandersetze."
Dass die Mannschaft zu abhängig sei von den Leistungen des Centers, will Trainer Sebastian Machowski nicht unbedingt unterschreiben. Jeder Akteur habe seine Aufgaben und Stärken, die er ausspielen müsse, Visser eben die des physischen Brettcenters.
Andererseits laufe tatsächlich momentan wenig ohne den Blondschopf. "Was ja nicht nur für Kyle spricht, sondern auch dafür, dass die anderen noch zulegen müssen." Von Visser erwartet Machowski, dass dieser sich künftig nicht mehr durch Fouls quasi selbst auswechselt.
Dass der Amerikaner verhältnismäßig wenig Rebounds holt, läge auch an seiner Rolle in der Teamverteidigung der Phantoms. "Da muss er oft als eine Art Libero die Penetration der gegnerischen kleinen Spieler stoppen und steht dann nicht in der Reboundposition", entschuldigt der Trainer. "Aber auch da sollte Kyle sich natürlich noch verbessern."
Der Center freut sich jedenfalls auf die Neuauflage des Viertelfinal-Duells mit Quakenbrück, bei dem er sich ein knüppelhartes Gefecht mit Routinier Daran Fenn geliefert hatte. Der Sieg in Ludwigsburg habe dem Team aufgezeigt, wozu es fähig ist, sagt Visser. "Das waren 40 Minuten gutes Teamspiel, zu dem jeder etwas beigetragen hat."
Machowski hofft, dass seine Schützlinge vor allem verstanden haben, wie es defensiv geht. "In Ludwigsburg haben wir erstmalig das umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben." Auch wenn den Artland Dragons in Bryan Bailey und Nathan Peavy heute zwei Starter verletzt fehlen, dürfte die Herausforderung gegen sie noch größer sein. Ihr nur 1,67 Meter großer Spielmacher David Holston ist pfeilschnell und mit 19,5 Punkten und 6,8 Vorlagen pro Spiel zweitbester Profi der Liga in diesen Kategorien. – Hoffentlich muss Visser da nicht zu oft als Libero aushelfen.