Kompakte Phantoms trotzen allen Widrigkeiten
Braunschweig Braunschweigs Korbjäger sind auch auswärts wieder auf Erfolgskurs. Nach vier Niederlagen in Folge setzten sie sich beim Tabellen-15. deutlich durch.
So bitter wie Mittwochabend hatte diese Saison für Braunschweigs Basketballer noch kein Spiel begonnen: Noch beim Aufwärmen strich Spielmacher Igor Milosevic wegen einer Fieberattacke die Segel, und als die Partie in Bayreuth gerade begonnen hatte, schleppte sich Kapitän Nils Mittmann kreidebleich mit heftigen Magen-Darm-Problemen in die Kabine.
Zum Glück konnten ihm die Kollegen rund eineinhalb Stunden später die frohe Botschaft bringen: Nach vier Niederlagen in fremden Hallen hat es wieder geklappt mit einem Sieg. „Wenn man so kurzfristig vor dem Spiel solche Hiobsbotschaften bekommt, bringt das natürlich viel durcheinander“, stöhnte Trainer Sebastian Machowski. „Aber dafür haben wir wirklich eine tolle Mannschaftsleistung geboten.“
Und dabei mussten die Phantoms bei ihrem überzeugenden 72:64 (37:31)-Erfolg bei den heimstarken Franken noch weitere Widrigkeiten verkraften. Die Schiedsrichter meinten es nicht gut mit ihnen und flickten ihnen schon für vergleichsweise zarte Berührungen Fouls an. Am schlimmsten traf es – ungerechtfertigt – Center Kyle Visser, der deswegen nur 17 Minuten mitspielen konnte, was die Phantoms-Rotation weiter durcheinanderbrachte.
Als die Partie beim 59:55 (33. Minute) für die Braunschweiger noch auf der Kippe stand, hatten die Referees erst 9 Fouls gegen die Heimmannschaft verhängt, aber 22 gegen die Phantoms. „Auswärts muss man leider mit solchen Dingen rechnen“, meinte Michael Umeh, der die Partie mit zwei Dreiern in Folge zum 70:59-Vorsprung drei Minuten vor Schluss entschieden hatte. „Wir haben uns heute wirklich sehr gut durchgesetzt“, lobte er sein Team. „Das gilt für den Angriff, aber besonders für die Verteidigung.“
Das taktische Ziel, Bayreuths starke Distanzwerfer Danny Gibson und Osvaldo Jeanty an die Kette zu legen, wurde zumeist von Umeh und Immanuel McElroy beinahe perfekt umgesetzt. Die Franken kamen nur auf eine Trefferquote von 34 Prozent und leisteten sich zudem 16 Ballverluste. „Das war defensiv wirklich eine tolle Leistung, über die ich mich sehr freue“, lobte Machowski.
„Mister Offense“ war zumindest in der ersten Hälfte Rich Melzer, der wie McElroy trotz einer Prellung spielen konnte. Zur Halbzeit hatte er bereits 18 Punkte mit 70 Prozent Trefferquote erzielt. „Durch Kyles Foulbelastung konnte ich öfter näher am Korb spielen – da fühle ich mich wohl“, erklärte er seine Leistungssteigerung. „Ich war heute einfach in besseren Wurfpositionen als zuletzt.“
Anders als in den vergangenen Auswärtspartien ließen die Phantoms nach dem Seitentausch diesmal nicht nach, sondern setzten sich auf 14 Punkte Vorsprung ab (54:40, 28.). Als Bayreuth nach einem Unsportlichen Foul Branko Jorovics auf vier Zähler herangekommen und die Halle zum Hexenkessel geworden war, behielten die Braunschweiger die Nerven. McElroy, Jorovic, Robert Kulawick und schließlich Umeh mit seinen Dreiern setzten die entscheidenden Aktionen vorne beziehungsweise hinten.
„Das war der Schlüssel, dass wir ruhig geblieben sind, geduldig, aber trotzdem hochintensiv gespielt haben“, sagte Melzer. „Vorher, bei Bayreuths Aufholjagd hatten wir noch ein paar überhastete Aktionen zu viel.“ So aber landete das Team einen Schlüsselsieg im Blick auf die Play-offs und das Pokal-Top-4. „Darauf können wir neues Selbstvertrauen aufbauen“, sagte Umeh.

