Kleider, die gutes Tanzen sichtbar machen
Fußball-Fans tragen sie in treuer Verbundenheit, Handball-, Eishockey- und Football-Anhänger genauso – die Trikots ihrer Lieblinge und Idole. Doch Tanzkleider sind nichts für den Fanshop, keine Massenprodukte, sondern in Handarbeit geschaffene Unikate zum entsprechenden Preis.
Und trotzdem "leben" sie kaum länger als die Fußballer-Trikots. Zumeist nach einer, spätestens nach zwei Saisons gibt es ein komplett neues Outfit für die Standard-Formationen.
Schafft eine Mannschaft einen grandiosen Sieg, so bleiben vielleicht die Namen der Kür, vielleicht auch Fetzen der Musik in Erinnerung, aber ganz gewiss die Farben und das Aussehen der Kleider. 14 Mal deutscher Meister, 10 Mal Europameister, 7 Mal Weltmeister – der Braunschweiger TSC, der am 26. November Gastgeber der WM ist und zu den Top-Favoriten zählt, hat viele Kleider des Erfolgs zu bieten.
Und seit einem Jahrzehnt hat sie alle die Hamburgerin Astrid Lewerenz entworfen. "Tanzkleider sind sehr speziell, erfordern viel Kreativität", erklärt die 39-Jährige. Die ehemalige Latein- und Standard-Tänzerin hat sehr früh angefangen, ihre eigenen Kleider zu nähen, aus Kostengründen.
Schnell kamen Anfragen von Konkurrenten. Und so beschloss Astrid Lewerenz, eine Schneider-Lehre zu absolvieren und sich auf Tanz- und Showkleider zu spezialisieren. Heute zählen viele Tanzpaare zu ihren Kunden, genauso wie mehrere Musical-Veranstalter. Der Kontakt zu den Braunschweigern kam über Cheftrainer Rüdiger Knaack zustande, ein geborener Hamburger, bei dem die Schneiderin einst trainiert hat.
Wird eine neue Formations-Kür entwickelt wie gerade beim BTSC, steht erst die Musik, dann die Choreographie, und erst zum Schluss geht es auf die Suche nach geeigneten Kleider-Entwürfen, die zum Konzept passen müssen. "Der Zeitdruck ist immer sehr groß. Da kommt viel Nachtarbeit hinzu. Und man ist immer sehr froh, die Arbeit pünktlich geschafft zu haben", erzählt Astrid Lewerenz.
Und sie betont: "Bei Kleidern fürs Formationstanzen muss ich extrem auf die Wünsche der Kunden eingehen können." So gab es auch für die neuen Kleider der Braunschweiger eine Fülle von Ideen, Vorschlägen und Vorgaben, die von der Schneiderin umgesetzt werden mussten. Schwarz-Weiß sind sie geworden, passend zum Thema "Immortality", Unsterblichkeit.
Rund 50 Stunden Arbeit stecken in den acht Kleidern, die jeweils 1600 Euro kosten. "Das teuerste sind nicht die Stoffe, sondern die Applikationen", sagt die Schneiderin und erklärt: "Damit die Wirkung im Scheinwerferlicht gut rüberkommt, wird jedes Kleid mit mehr als 3000 Strass-Steinen beklebt." Das machen die Tänzerinnen selbst, stundenlang, nach dem Training. Wieder Nachtarbeit. Der verarbeitete Strass ist geschliffenes Glas der wertvollsten Sorte. "Ich finde die neuen Braunschweiger Kleider sehr elegant und auch extravagant, eher von der Art her wie Abendkleider." Astrid Lewerenz mag diesen Stil, den Stil des BTSC.
Lange, schwere, robenartige Kleider wird man nicht finden in der BTSC-Historie. Nicht so lange Rüdiger Knaack Cheftrainer ist, seit 1988. Denn die Braunschweiger besitzen ihre größte Stärke im hochwertigen Tanzen. Eine Eigenschaft, die von den Kleidern nicht verdeckt werden darf. So ist im Saum von jedem der neuen Kleider 23 Meter Krinoline-Band verarbeitet. "Dadurch schwingt der Rock sehr schön." In der Theorie dürfen die Kleider nicht in die Wettkampfbewertung einfließen. Doch wenn es eng wird zwischen zwei Teams und alle Bewertungskriterien ausgeschöpft sind, entscheidet doch das Gefühl der Wertungsrichter. Dann hilft es, wenn man gut aussieht.

