Kapitän Mittmann: „Der große Kader darf kein Problem werden“
Braunschweig Bei Braunschweigs Basketballern ist seit einigen Wochen Sand im Getriebe. Die Verletzungen Anfang Februar haben das Rollengefüge durcheinandergebracht
Drei Ausfälle auf einmal, eine Neuverpflichtung, zwei Emporkömmlinge, die Rückkehr der Leistungsträger – bei den Phantoms sind die Rollen in jüngster Zeit mächtig durcheinander geraten. Die neuen Puzzleteile passen noch nicht richtig zusammen.
Das Beispiel der Braunschweiger Basketballer zeigt einmal mehr, dass es nicht nur schwer ist, den Ausfall von Leistungsträgern zu verkraften, sondern auch, sie später wieder ins Team einzubauen. „Man unterschätzt oft, wie fragil so ein Gruppengebilde häufig ist – fast unberechenbar“, sagt Phantoms-Kapitän Nils Mittmann.
Die Bilanz der turbulenten Wochen ungewollter Personalrotation ist bitter: Seit der Heimpartie gegen Bamberg, als neben Rich Melzer auch noch LaMarr Greer und Stephen Dennis verletzt ausgefallen waren, kassierten die Phantoms in sechs Partien fünf Niederlagen.
Dabei ist Neuling Igor Milosevic nun schon seit Wochen dabei, Daniel Theis und Dennis Schröder haben ihr Erstligaformat bewiesen und Greer und Melzer sind auch wieder fit. Trainer Sebastian Machowski hat zwölf Profis im Team, die alle eine Menge können – aber die Mannschaft schlägt kein Kapital daraus.
An Kleinigkeiten zeigte sich zuletzt in Ulm, dass bei aller Harmonie und gemeinsamer Zielsetzung nun verstärkt um Spielminuten gerungen wird. Da nimmt ein Spieler gleich den erstbesten Wurf, wenn er aufs Feld kommt, um seine Duftmarke zu setzen. Ein anderer will mit Gewalt vorne glänzen und vergisst auch mal den Rückwärtsgang, ein dritter verweigert ein taktisch notwendiges Foul, weil er nicht gleich wieder auf die Bank will.
Dort sitzen dafür die Mannschaftsdienlichen, die für den Gesamterfolg die Fouls auf sich nehmen und zugunsten der Spielsysteme keine wilden Würfe nehmen. All dies läuft größtenteils unterbewusst ab, ist relativ normal im Teamsport und kein Grund für Zwist. „Aber wir haben vielleicht in den letzten Spielen etwas zu viel davon gesehen“, räumt Nils Mittmann ein.
Die Mannschaft durchlaufe eine schwierige Phase. „Wenn plötzlich alle wieder da sind, ist es schwierig, die richtige Hierarchie reinzubekommen.“ Schließlich sei das größere Personalangebot für einige Akteure mit Ungewissheit verbunden.
„Diese Phase muss jetzt aber vorbei sein“, sagt der Kapitän im Blick auf das morgige Heimspiel gegen Gießen. „Und ich denke, sie ist auch wirklich abgeschlossen und das Mannschaftsgefüge wieder besser eingeschliffen.“ Der Kapitän schwärmt von der Tiefe des Kaders, die nicht viele Teams hätten „Aber wir dürfen den Luxus nicht zum Problem werden lassen.“
So üben die Phantoms diese Woche gezielt, wie sie künftig das Beste aus ihrer Personalstärke machen wollen. „Wir können extrem intensiv spielen, den Gegner mit Dauerdruck in die Knie zwingen – keiner muss sich auf dem Feld schonen“, erläutert Mittmann. „Aber so zu spielen, muss man auch erst lernen.“
•Phantoms Braunschweig – Gießen 46ers, Freitag, 19.30 Uhr, VW-Halle



