Jason Cain stürzt die Ex-Kollegen ins Jammertal
Bremerhaven Bei der Partie gegen die Eisbären Bremerhaven verschenkten die Braunschweiger Phantoms ihren „sicheren“ Sieg noch an den Gegner.
Wer im Basketball Sekunden vor Schluss mit drei Punkten führt, gewinnt. Zumindest ist das die Regel. Denn diese Mannschaft wird den Gegner foulen, und der kann dann normalerweise nur noch mit zwei Freiwürfen seinen Rückstand verkürzen. Und genau so eine starke Ausgangsposition hatten sich die Braunschweiger Korbjäger am Sonntagnachmittag beim Play-off-Rivalen Bremerhaven erspielt.
Eine tolle Sache, ohne die drei verletzten Leistungsträger Rich Melzer, LaMarr Greer und Stephen Dennis, also als Bundesligist mit nur vier Ausländern und sechs Deutschen. Der Sieg, der in diesem Moment für sie auf dem Tablett lag, hätte die Brust der Phantoms wohl auf doppelte Breite anschwellen lassen. Und natürlich ihre Ausgangsposition im Kampf um die Play-offs nochmals enorm verbessert.
Doch dieses taktische Foul, das schafften sie aus unerfindlichen Gründen nicht.
24 Sekunden vor Schluss hatte Kyle Visser die Braunschweiger mit zwei Freiwurftreffern 75:77 in Führung gebracht. Für Bremerhaven, das in Torrell Martin und Terell Everett auch auf zwei Stammkräfte verzichten musste, traf Ex-Phantom Jason Cain nur einen Freiwurf zum 76:77. Und dann war es Michael Umeh, der bei 13,6 Sekunden Restspielzeit mit dem 76:79 ebenfalls von der Linie die magischen drei Punkte Vorsprung herausholte.
Nun hieß es foulen – aber auch nicht zu früh. Das mochten sich Umeh und Youngster Dennis Schröder gedacht haben, als sie Bremerhavens Ballträger zu lange gewähren ließen. So kam der Ball unverhofft zu Jason Cain, dem sein Bewacher Nils Mittmann auch nicht schnell genug in die Parade fuhr, stattdessen irgendwie wegrutschte und seinem ehemaligen Teamkollegen den freien Dreier überließ.
Cain traf 1,7 Sekunden vor dem Ende tatsächlich zum 79:79 und pushte damit seine Eisbären mental so hoch, dass sie in der Verlängerung vorentscheidend 87:81 in Führung gingen. Bei den Phantoms hingegen, die in den 1,7 Sekunden noch Robert Kulawick für einen Dreier freigespielt hatten, der aber wieder vom Ring rollte, saß der Schock tief.
Dennoch hätten sie noch gewinnen können. Mittmann brachte das Team mit vier Freiwürfen auf 87:85 heran, die Phantoms erkämpften sich zwei Ballgewinne, aber dann versagten ihnen die Nerven an der Freiwurflinie. Statt auszugleichen, verkürzte Immanuel McElroy 24 Sekunden vor Schluss nur auf 87:86. Und aufgrund dreier weiterer Fehlwürfe des 18-jährigen, ausgepumpten Schröder, der in 20 Minuten Spielzeit eine sensationelle Leistung gezeigt hatte, verspielten die Braunschweiger bei der 87:92-Niederlage auch noch ihren Vorteil im direkten Vergleich mit den Eisbären. – Die Höchststrafe für einen kleinen taktischen Fehler fünf Minuten zuvor.
Dabei hatten die Phantoms vor den Augen ihres noch nicht einsatzberechtigten neuen Spielmachers Igor Milosevic mit tollem Kampfgeist erneut vielen Widrigkeiten getrotzt. Branko Jorovic hatte einen schwachen Tag erwischt, auch Umeh, der erst mit seinen Dreiern zum 71:71 und 73:75 Impulse setzen konnte. Dazu kam manch schwer zu verdauende Schiedsrichter-Entscheidung und meist ein Rückstand von bis zu neun Punkten, dem die Mannschaft hinterherlaufen musste.
Dabei trotzdem auf Siegkurs zu kommen, war schon aller Ehren wert. Eine Betrachtung, die Trainer Sebastian Machowski angesichts der überflüssigen Niederlage aber natürlich nicht anstellen konnte. „Wir waren einfach nur selber schuld. Du musst gewinnen, wenn du dir eine solche Chance erspielst.“

