„Ich liebe es, mit Freunden beim Kaffeetrinken zu sitzen“
BRAUNSCHWEIG. Der Phantoms-Neuling Igor Milosevic hofft in Braunschweig auf mehr Lebensqualität.
.Mit Igor Milosevic auf dem Feld wäre die Partie am Sonntag in Bremerhaven nicht verloren gegangen. Zumindest klingt das so durch im Resümee des neuen serbischen Spielmachers der Braunschweiger Basketballer: „Es war schrecklich! Wenn du so weit gekommen bist und mit drei Punkten führst, machst du ein klares Foul, die anderen werfen zwei Freiwürfe und du hast gewonnen“, formulierte er, was seine künftigen Teamkollegen zwar auch wussten, aber nicht umsetzen konnten.
Einen sehr selbstbewussten jungen Mann haben sie offensichtlich eingekauft bei den Phantoms. Die bescheidenen Standardsätze aller neuen Profis hat er natürlich auch parat: Er wolle die Rolle ausfüllen, die der Trainer ihm zuweise und versuchen, dem Team immer das zu geben, was es gerade brauche.
Aber wenn er so erzählt aus seiner bisherigen Karriere, dann wird klar, dass da ein 25-Jähriger mit viel Ehrgeiz und hohen Ansprüchen antritt – an sich selbst und an die Kollegen.
Seit Beginn seiner Profikarriere bei Iraklis Thessaloniki als 17-Jähriger spielte Milosevic bei Teams aus fünf Ländern mit Stars des europäischen Basketballs zusammen. Er bringt Erfahrung aus 20 Europaliga- und vielen Europapokalspielen mit und hat schon Titel gewonnen.
Im Vergleich zu Uros Duvnjak, der im Vorjahr als bescheidener Rollenspieler nachverpflichtet wurde, ist die Milosevic-Verpflichtung nochmal eine klare Aufwertung der Mannschaft. Duvnjak war es übrigens, der den Phantoms den Weg dazu ebnete. „Uros ist ein enger Freund von mir, und er hat gesagt, in Braunschweig ist alles prima“, erzählt Milosevic.
Auch dass er bei den Phantoms Branko Jorovic wiedertrifft, mit dem er schon in seiner Geburtsstadt Belgrad zusammenspielte, sei positiv. „Es ist immer ein Vorteil, einen Landsmann zu haben, der weiß, wie das Leben in der Stadt funktioniert.“
An seiner letzten Station vermisste er diesbezüglich einiges. Bei der neuen Millionentruppe BC Astana in Kasachstan stimmten zwar Gehalt und sportliches Niveau, denn der Klub spielte in der VTB, in der die 18 führenden Basketballteams Osteuropas antreten. Aber Milosevic fühlte sich nicht wohl.
„Es war schwierig für mich“, erzählt er. Bei minus 25 Grad im Herbst sei es ihm einfach zu kalt gewesen. Außer in den geheizten Räumen in der Halle, in seinem Appartement und in den Malls habe man sich nicht bewegen können. Inzwischen sei es sogar minus 40 Grad kalt. „Außerdem war es so weit weg, dass mich keiner meiner Freunde und Verwandten besuchen konnte.“
Aber genau das braucht der Sohn einer Griechin und eines Serben. „Das ist meine Mentalität: Ich liebe es, in meiner Freizeit beim Kaffeetrinken zu sitzen und von Freunden umgeben zu sein“, schwärmt er. In Astana aber seien beide Seiten voneinander enttäuscht gewesen. „Und so haben wir den Vertrag aufgelöst.“
Nun freut sich Milosevic auf den Neustart in Braunschweig. Wäre sein griechischer EU-Pass nicht abgelaufen, hätte er schon in Bremerhaven auflaufen und die Niederlage möglicherweise verhindern können. So aber hing er in Belgrad fest. Sein Ziel kann er mit den Phantoms trotzdem noch erreichen: „Ich will diese Saison noch sehr erfolgreich abschließen.“


