„Hier wird aus weniger viel mehr gemacht“
Braunschweig Phantoms Co-Trainer Peter Günschel vergleicht die Braunschweiger Basketballer mit seinem Ex-Klub, Samstag-Gegner Bonn
Bereitet ein Trainer seine neue Mannschaft eigentlich gerne taktisch auf seine alte vor? Oder hat man da eine gewisse Beißhemmung? „Man weiß viel über den Gegner und es fällt einem deshalb leicht“, sagt Peter Günschel. Der Co-Trainer trifft mit den Phantoms-Basketballern morgen auf seinen Ex-Klub Bonn. Bevor sich Braunschweigs Basketballer aber so richtig mit der Sonnabend-Aufgabe beschäftigen konnten, stand erstmal die Verarbeitung der Hagen-Pleite vom Mittwoch auf dem Plan. Auf dem Papier war es „nur“ eine Elf-Punkte-Niederlage (78:89), gefühlt aber doch eher eine 25-Punkte-Schlappe, die auch niemand schönreden wollte.
„Da sind viele Sachen schief gegangen, wir haben fast nichts von dem umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten“, sagt Günschel. Nach Analyse der Coaches war die Mannschaft im dritten Spiel in acht Tagen müde. Besonders die lange Tour nach Trier, der fehlende Schlaf durch die Rückkehr erst Sonntagfrüh um sechs Uhr, habe an den Reserven der Spieler genagt, meinte Trainer Kostas Flevarakis.
„Wir konnten nicht die entsprechende Konzentration und Energie aufs Feld bringen, um Hagen zu stoppen“, bedauert Günschel. Außerdem hätten sich die bundesliga-unerfahrenen Spieler vom Druck der Gastgeber beeindrucken lassen.
Um die geknickten Akteure schnell wieder aufzurichten, habe das Trainerteam versucht, der Mannschaft einen positiven Schub zu geben, verrät Günschel. „Wir haben den Mittwoch als einen schlechten Tag abgehakt.“
Da bleibt die Frage, wie die Phantoms am Sonnabend einen besseren hinbekommen. Um ihre Kräfte wird es im vierten Spiel in elf Tagen auch nicht besser bestellt sein. Aber vielleicht kann neben der Heimkulisse ja auch Günschels Taktik helfen. Drei Jahre hat er mit Chefcoach Michael Koch in Bonn zusammengearbeitet und kennt dessen Basketball-Philosophie aus dem Effeff.
„Das Problem ist, dass wir nur die eine Trainingseinheit am Freitag haben, um uns vorzubereiten“, sagt der 32-Jährige und zweifelt daran, dass die Spieler da viel von dem verinnerlichen können, was er ihnen alles erzählen könnte. „Ich würde am liebsten Samstag selbst auf dem Feld stehen, um das alles umzusetzen“, scherzt er und hat damit auch die Frage beantwortet, mit wie viel Freude er sich an die Vorbereitung der Bonn-Partie macht.
Sehr intensiv zu spielen sei wesentlich und die Kreise von Jared Jordan einzuengen. Bonns Spielmacher ist der beste Vorlagengeber der Liga und Dreh- und Angelpunkt der Baskets. Deren Kader sei tief besetzt und bekomme viel Energie von der Bank, referiert Günschel. „Da müssen wir schon eine sehr gute Leistung zeigen, um gewinnen zu können.“
Wenn der Neu-Braunschweiger, der auch schon zwei Jahre in Göttingen gearbeitet hat, vergleichen soll, schwärmt er von den „Traumbedingungen“ in der vereinseigenen, 6000 Zuschauer fassenden Bonner Arena. „Die Stehplatztribüne dort ist schon was Besonderes in der Liga, wenn da tausend Leute auf- und ab springen, ist das eine tolle Atmosphäre, in der man gerne coacht.“ Auch sei es ein Vorteil, dass die Bonner mit der Telekom einen Sponsor haben, der über Jahre den Spielbetrieb in hoher Qualität inklusive Europapokal gewährleistet.
Der Wechsel vom Rhein an die Oker ist dem gebürtigen Brandenburger aber nicht schwergefallen. „Hier in Braunschweig wird aus weniger Möglichkeiten viel mehr gemacht“, lobt er. „Hier gibt es einen Sportdirektor, der aus dem Basketball stammt und entsprechende Ahnung hat.“
Günschel lobt zudem die Arbeit von Athletiktrainerin Ellen von Borstel bei den Phantoms und die gute Anbindung des Kooperationspartners SG Braunschweig. „Ich finde es gut, dass die jungen Spieler frühzeitig im Bundesligakader mittrainieren.“ Vielleicht zahlt sich das ja morgen aus, wenn es gilt, gegen Bonn neue Energiereserven zu mobilisieren.
•Phantoms Braunschweig – Baskets Bonn, Samstag, 19.30 Uhr, VW-Halle
