Grippevirus lässt Final-Traum der Phantoms platzen
Bonn Drei Phantoms-Leistungsträger hüten beim Pokalturnier in Bonn das Bett – der Rest hält nur eine Spielhälfte mit. So reicht es gegen Bonn nur zu einem 64:77 (37:41).
Das Finale um den deutschen Basketball-Pokal findet ohne den Vorjahresfinalisten Braunschweig statt. Nur eine Spielhälfte konnten die geschwächten Phantoms am Samstag im Halbfinale den Gastgebern aus Bonn Paroli bieten. Ein Magen-Darm-Infekt hatte die Mannschaft am Freitagabend dezimiert, die verbleibenden Leistungsträger waren aus anderen Gründen nur zum Teil auf der Höhe, und so mussten sie eine relativ deutliche 64:77 (37:41)-Niederlage quittieren. „Ich hatte gehofft, dass trotz der Krankheiten mehr drin ist, aber wir haben uns in der zweiten Hälfte unter Wert verkauft“, rügte Sportdirektor Oliver Braun das Team.
Nach Igor Milosevic und Robert Kulawick war am Freitagabend auch noch Kyle Visser ausgefallen. Mit schlimmem Brechdurchfall wurden die drei Spieler in Einzelzimmern vom Team abgeschottet, doch am Samstag ging es ihnen kaum besser. Sie mussten das Halbfinale vom Hotelbett aus im Fernsehen verfolgen.
Während die Ausfälle auf den Außenpositionen zumindest in der ersten Hälfte kompensiert wurden, konnten die Phantoms das Fehlen ihres Centers Kyle Visser nicht verkraften. „Das war schwer zu kompensieren, da hätte die ganze Mannschaft in die Bresche springen müssen“, meinte Kapitän Nils Mittmann. „Aber das ist uns nicht so gut gelungen.“
Ohne Visser klaffte hinten unter dem Korb ein Loch, durch das die Bonner immer wieder zu leichten Korblegern und Dunkings einflogen. Visser-Vertreter Nick Schneiders hielt als Gegenpart von Baskets-Routinier Chris Ensminger nicht lange durch. Das 38-jährige kantige Liga-Urgestein flickte ihm schnell Fouls an.
Weil auch vorne ohne den effektivsten Spieler des Teams nicht viel unter dem Brett ging, und die Trefferquote dort vor dem Seitenwechsel bei außergewöhnlich schwachen 32 Prozent lag, verlegten sich die Braunschweiger zunächst erfolgreich auf Distanzwürfe. Sieben Dreier bei 14 Versuchen hatten sie zur Halbzeit bereits erzielt. Der spektakulärste gelang Michael Umeh mit ablaufender Uhr von der Mittellinie, als die Bonner schon glaubten, mit einem Sieben-Punkte-Polster in die Halbzeit gehen zu können.
Das hätte den Phantoms Mut machen können. Aber sie kamen erschreckend lahm aus der Pause. In fünf Minuten gelangen nur zwei Punkte durch den besten Mann des Teams, Rich Melzer. Bonn zog auf 52:39 weg, wobei die Braunschweiger auch eine richtige Pechsträhne mit Ballverlusten, Fehlwürfen und sehr harten Schiedsrichterentscheidungen gegen sich erlitten.
Der Rest des Spiels verlief enttäuschend für die knapp 300 Braunschweiger unter den 6000 Fans im ausverkauften Baskets-Dome. Ihrem Team fiel nicht mehr viel ein, um noch eine Wende zu erzwingen. Mit einer Zonenverteidigung stoppten sie einige Bonner Angriffe, verkürzten auf 52:44 (28.). Aber zu mehr fehlte der Biss. Und so richtigen Kampfgeist strahlten nur noch der einzige konstant starke Braunschweiger Rich Melzer aus, Branko Jorovic, der im Schlussviertel elf Punkte erzielte und fünf Offensivrebounds holte sowie Mittmann von der Bank. Von den Routiniers Immanuel McElroy und LaMarr Greer kam überhaupt keine Korbgefahr, Michael Umeh hatte abgebaut, und die Nachwuchsspieler wirkten überfordert.
„In der zweiten Hälfte haben wir aufgrund der Personalnot nicht mehr so viele Mittel gefunden, Bonn zu stoppen“, sagte Sebastian Machowski. „Aber der Knackpunkt war, dass es offensiv nicht mehr rund lief.“ Mittmann gab der großen Enttäuschung im Team Ausdruck. „Alle sind sehr traurig“, berichtete er. „Wir hatten uns sehr viel vorgenommen, wollten als Pokalsieger nach Hause fahren.“ Stattdessen steht am Sonntag das ungeliebte Spiel um Platz drei an.
Phantoms: Melzer 21 Punkte, Jorovic 14 (12 Rebounds), Umeh 11, Greer 5, Mittmann 4, McElroy 3 (7 Rebounds), Schneiders 2, Theis 2, Schröder 2.
