Greer dankt dem lieben Gott
LaMarr Greer rannte laut jubelnd durch die Halle, als habe er soeben mit den Phantoms die deutsche Meisterschaft gewonnen. Dabei hatte der 35 Jahre alte US-Amerikaner im Anschluss ans Training lediglich ein Wurfspielchen gegen Stephen Dennis für sich entschieden. Die beiden Profi-Basketballer hatten am Donnerstag um 20 Liegestütze gewettet, wer als Erster zehn Drei-Punkte-Würfe in Folge versenken würde. Und Greer machte dort weiter, wo er vergangenen Freitag beim Spiel gegen Würzburg aufgehört hatte: und zwar mit lauter Treffern.
26 Punkte standen nach dem 78:63-Sieg gegen den starken Aufsteiger für Greer auf dem Scouting-Report–so viele wie in keinem seiner 44 Bundesliga-Spiele zuvor. Insbesondere im letzten Viertel, als die Partie auf des Messers Schneide stand, schien es, als sei der Routinier ähnlich wie Asterix in einen Bottich mit Zaubertrank gefallen.
"Es ist wie ein Geschenk von Gott, dass ich immer punkten kann", kommentierte Greer lachend seine 13 Zähler aus dem Schlussabschnitt, in dem er gemerkt habe, dass er Verantwortung übernehmen musste. "Ich war es leid, zu Hause immer nur zu verlieren." In Italien, erzählt er, habe er sogar einmal 21 Punkte in einem Viertel erzielt. "Dort wird in jedem Spiel von einem erwartet, dass man punktet. Hier in Deutschland steht hingegen das Team im Vordergrund."
Dass Greer gegen Würzburg zu großer Form auflief, hatte möglicherweise auch etwas damit zu tun, dass er als Ersatz des verletzten Immanuel McElroy erstmalig in dieser Saison in der Startaufstellung stand. "Das ist schon ein anderes Gefühl, wenn man zu Beginn nur auf der Bank sitzt", räumt der 35-Jährige ein. "Dann fällt es mir deutlich schwerer, meinen Rhythmus zu finden." Doch Trainer Sebastian Machowski habe nunmal entschieden, dass er der Mannschaft als Einwechselspieler besser helfen könne. Weil er ganz genau weiß, dass der Routinier im Gegensatz zu vielen anderen Akteuren keine lange Anlaufzeit benötigt, wenn er das Feld betritt.
Beim Auswärtsspiel in Tübingen am Samstag (20 Uhr) wird Greer jedoch aller Voraussicht nach erneut in die Startformation rücken. Schließlich ist Immanuel McElroy nach seinem Muskelfaserriss immer noch nicht einsatzbereit. Nicht zuletzt deshalb hat sich der 35-Jährige vorgenommen, erneut so aggressiv zu sein wie letzte Woche.
