Flevarakis: „Wir sind stabiler als andere Teams“
Braunschweig Der Phantoms-Trainer spricht im Interview über das Steigerungspotenzial seiner Basketballer, den Abstiegskampf und die Notwendigkeit einer Verstärkung
Mit dem Spiel bei den zwei Punkte besser dastehenden Baskets Bonn starten Braunschweigs Basketballer am Samstag in die Rückrunde. Sie brauchen im Kampf gegen den Abstieg einen Sieg. Uber die Schwierigkeiten in der Hinrunde und die Perspektive seines Teams sprach Trainer Kostas Flevarakis mit Redakteurin Ute Berndt .
Ihr Team steht auf dem drittletzten Platz. Haben Sie die Liga unterschätzt?
Nein, absolut nicht. Ich wusste von Anfang an, dass es kein schwaches Team gibt diese Saison. Es ist alles eng, und das wird auch bis zum letzten Spieltag so bleiben.
Wir konnten im Sommer leider wichtige Spieler nicht halten. Andere haben wir aus finanziellen Gründen nicht bekommen. Deshalb ist es ein kompletter Neustart geworden mit neuen Trainern, neuer Philosophie und neuen Spielern in einer für sie neuen Liga. Zudem müssen die deutschen Spieler wichtigere Rollen ausfüllen als sie es gewohnt waren. Nicht nur, weil es die Quote erfordert, sondern auch, weil wir an sie glauben. Das alles braucht eben Zeit.
Mit Dennis Schröder in der Startformation und Eric Boateng in Bestform schien ihr Team Ende November im Aufwärtstrend. Es gelangen vier Siege aus fünf Spielen. Warum stockt dieser Entwicklungsprozess?
Er dauert eben. Denn wir sind eine Gruppe, die alles mannschaftlich lösen muss, weil wir keine herausragenden Einzelspieler haben. Und weil außer Mac (Immanuel McElroy) keiner der Ausländer Bundesligaerfahrung hat. Dazu kommt, dass wir zuletzt in Quakenbrück ohne Eric Boateng auskommen mussten und dann gegen Berlin und Bamberg gespielt haben. Diese Spiele sind der falsche Maßstab, nicht nur die eigene Leistung entscheidet über die Ergebnisse. Gegen diese Spitzenteams haben die Phantoms vergangenen Saison auch nicht gewonnen. Aber ich will hier nicht die Erwartungen drücken, denn ich erwarte selbst mehr.
Sie konnten sich zuletzt nur auf zwei, drei Spieler verlassen. Der Rest schwankt in seinen Leistungen sehr. Kann man Konstanz trainieren?
Wir versuchen es mit einem Paket aus harter Arbeit jeden Tag, Videositzungen, vielen Gesprächen mit den einzelnen Spielern und der ganzen Gruppe, Besinnen auf die Stärken der Vergangenheit und so weiter.
Ihre Mannschaft ist mit 73,6 Punkten im Schnitt das viertschlechteste Offensivteam der Liga. Was tun Sie dagegen?
Viele andere Teams machen auch nur zwischen 73 und 75 Punkte, wir liegen dicht zusammen. Natürlich wünsche ich mir manchmal einen Spieler, der uns als Scorer anführt.
Aber insgesamt sehe ich kein Angriffs-Problem, denn unser Team kreiert ja freie Würfe. Sogar in Berlin haben wir mehr kreiert als Alba. Daran messe ich als Coach die Offensivstärke. Für mich zählt das Gesamtpaket mit der Verteidigung. Und da sind wir stabiler als andere Mannschaften der unteren Tabellenhälfte, das kann in der Rückrunde noch ein Plus für uns sein. Andere haben viel größere Schwankungen in ihren Leistungen – sie stehen nur in der jetzigen Momentaufnahme besser da, weil sie ein oder zwei Spiele mehr gewonnen haben.
Aber Sie müssen in der Rückrunde bei diesen Teams mehrheitlich auswärts antreten – und das noch unter steigendem Druck, mit dem Ihre Schützlinge in der Hinrunde schon nicht gut umgehen konnten.
Das kann eine Gefahr für dieses Team sein, weil die Leistungsträger nicht viel Bundesligaerfahrung haben. Aber die anderen haben auch Druck, selbst der Achte und Neunte dürfen sich nicht sicher fühlen.
Braucht ihr Team nicht mindestens eine Verstärkung? Die Konkurrenz rüstet in diesen Tagen auch noch mächtig auf.
Ja, ich denke, wir brauchen Verstärkung. Das will man als Trainer immer. Wir denken zur Zeit darüber nach, müssen aber erstmal sehen, was möglich ist. Mehr kann ich zu diesem Thema nicht sagen.
Sie haben bereits Jermaine Anderson für Casey Mitchell geholt. Doch das zahlt sich bislang nicht aus. Was kann man von ihm noch erwarten?
Jermaine wird sich steigern, da bin ich sicher. Er hat zuletzt in Kroatien kaum gespielt und trainiert und deshalb seinen Rhythmus noch nicht gefunden. Klar ist, dass wir mehr Impulse und Punkte von unseren Guards brauchen. Sogar Dennis (Schröder) kann sich noch steigern.
In Bonn stehen Sie stark unter Druck. Danach kommt München, dann geht es nach Bamberg, da kann man wieder nicht mit Siegen rechnen. Wie kommt das Team in die Erfolgsspur?
Ein Erfolgserlebnis in Bonn wäre viel wert. Der Spielplan ist derzeit wirklich hart. Ab Februar wird es leichter, dann sollten wir gegen die Mittellevel-Teams wieder mehr Siegchancen bekommen.
Ich erhoffe mir auch viel von der kleinen Pause, die wir nächste Woche haben. Die Spieler können vier Tage nach Hause fliegen, ihre Familien sehen und mal die Köpfe frei bekommen. Das setzt neue Kräfte frei.
Wie groß ist Ihre Abstiegsangst? Wenn die Gießener wegen Insolvenz vorzeitig zurückziehen, gelten sie nicht als erster Absteiger, sondern es gibt zwei weitere, also den 16. und 17. der Tabelle. Zudem verlieren die Phantoms die zwei Punkte, die sie gegen Gießen gewonnen haben.
Das ist eine völlig unfaire Regel für alle anderen! Weil Gießen finanziell schlecht gearbeitet hat, kann doch nicht noch ein anderer Klub bestraft werden! Aber wir können uns damit jetzt nicht belasten. Wir müssen geduldig sein, für unsere Chancen kämpfen und die Gesamtsituation richtig einschätzen. Wenn wir der Realität nicht ins Auge blicken, sind wir in großer Gefahr.
