Flevarakis: „Ich werde junge Spieler einbauen“
Braunschweig Der neue Phantoms-Trainer spricht im Interview über seine Spiel-Philosophie, die Nachwuchsarbeit und die Kunst, ein neues Team zusammenzustellen.
Kaum ist er in Braunschweig angekommen, steht er schon in der Basketball-Halle, trainiert mit Nils Mittmann, Robert Kulawick und Nachwuchsspielern. Der neue Phantoms-Trainer Kostas Flevarakis hat die Arbeit vor Ort aufgenommen. Im Gespräch mit Redakteurin Ute Berndt erläutert der 43 Jahre alte Grieche sein Konzept und warum sich die Fans wohl noch gedulden müssen, ehe es Neuzugänge zu vermelden gibt.
Herr Flevarakis, ist es in der momentanen Finanzlage in Ihrer Heimat Griechenland schwerer geworden, als Basketballtrainer zu arbeiten? War das auch ein Grund, nach Braunschweig zu kommen?
Ich bin nicht nur deshalb weg. Ich habe auch schon früher im Ausland gearbeitet, in Schweden und Polen, als die ökonomische Krise noch nicht absehbar war. Aber mir war schon wichtig, dass ich diesmal außerhalb Griechenlands unterschreibe, und zwar an einem Ort, zu dem mich erstmals auch meine Familie begleiten kann. Diesmal wollte ich meine Frau und unsere Töchter nicht in Griechenland lassen.
Sie haben sich Videos aller Phantoms-Spiele der vergangenen Saison angesehen und noch einige mehr aus der Bundesliga. Was sind Ihre Erkenntnisse? Wie sehen Sie die Braunschweiger Spieler, mit denen sie weiterarbeiten werden?
Die Bundesliga ist eine starke Liga, die jede Saison noch stärker wird. Sie ist sehr athletisch, das ist der Hauptunterschied zur griechischen Liga, in der mehr taktisch gespielt wird. Und die Spieler, die hier in Braunschweig bleiben, finde ich natürlich sehr gut – sonst würden sie ja nicht bleiben ... (lacht)
... und Rich Melzer? Warum haben Sie ihn weggeschickt?
Er ist auch ein guter Spieler, und er hätte sicherlich auch eine gute Saison bei uns spielen können. Aber ich suche jemanden, der noch besser zu dem Stil passt, den ich spielen will. Es ist alles eine Frage der Kombination, wenn man eine neue Mannschaft aufbaut.
Wie sieht ihr Spiel- und ihr Führungsstil aus? Ihr Vorgänger Sebastian Machowski hat den Profis auf dem Feld viele Entscheidungsfreiräume gelassen. Tun Sie das auch?
Unser Stil wird auf jeden Fall von der Verteidigung geprägt sein. Es gibt klare Regeln, und jeder Spieler muss wissen, wann, warum und wie wir sie anwenden. Innerhalb dieses Gerüsts gebe ich ihnen Optionen und Lösungen, auf dem Feld zu entscheiden, wie es am besten für sie ist. Schließlich sind die Spieler die Hauptdarsteller. An erster Stelle stehen Disziplin, Regelbefolgung und Zusammenspiel – aber da ist noch genug Raum für individuelle Dinge.
Wollen Sie einen griechischen Stil, also ein noch mehr taktisch betontes Spiel einführen?
Naja, wir wollen kein griechisches Team werden. Sondern eine schlagkräftige europäische Mannschaft, die so schlau wie möglich spielt und viel und hart arbeitet auf dem Feld.
Sebastian Machowski hat als Grund für seinen Abschied genannt, dass er bei den Phantoms eine klare Vision und die Teilnahme am europäischen Wettbewerb vermisst. Gibt es für Sie in Braunschweig genug Visionen?
Ehrlich gesagt, solche Gedanken habe ich mir noch nicht gemacht. Ich bin jemand, der Dinge Schritt für Schritt angehen und entwickeln will. Klar ist: Auch ich würde gerne europäisch spielen. Aber vielleicht kommen wir da ja noch hin. Schritt eins ist erstmal, ein Team aufzubauen, das die Fans sehen wollen.
Haben Sie denn eine Idee, wie man in Braunschweig die VW-Halle zu den Basketballspielen voll bekommt?
Ich kann nur sagen, dass ich bislang mit all meinen Mannschaften einen guten Draht zu den Fans hatte. Die Fans helfen den Spielern, tolle Leistungen zu bringen, und das ist in einer vollen Halle natürlich leichter als in einer halbleeren. Und ich kenne den Unterschied, ich habe schon beides erlebt. Unser Ziel muss es erstmal sein, diese gute Verbindung zum Publikum aufzubauen.
Und wie tun Sie dass?
Indem wir jeden Tag unser Bestes geben und den Leuten immer mehr von dem zeigen, was sie sehen wollen. Dazu brauchen wir Spieler mit viel Herz und der Motivation, sich zu verbessern. Ich habe mich diesem Beruf verschrieben, arbeite Tag für Tag dafür, weil ich ihn liebe – und das erwarte ich auch von den Profis.
Wie bauen Sie ihre neue Mannschaft, was ist das Wichtigste?
Mit unserem Budget bekommen wir nicht jeden, den wir gerne hätten. Und natürlich werden wir nicht die beste Mannschaft der Liga haben. Aber es muss das Ziel sein, eine Mannschaft zu formen, die besser spielt und abschneidet, als es unser Etat eigentlich hergeben würde. Damit das funktioniert, muss diese Mannschaft wie eine Familie sein. Schließlich verbringst du mehr Zeit mit den Teamkollegen als mit deiner echten Familie.
Außerdem ist es mein Ziel, so viel wie möglich mit den jungen Spielern zu arbeiten und sie ins Team einzubauen. Auch wenn das mal den aktuellen Erfolg gefährden könnte, es ist das Wichtigste für die Zukunft!
Die Phantoms haben Sie verpflichtet, weil Sie bei vielen Klubs erfolgreich mit jungen Eigengewächsen gearbeitet haben. Umfasst Ihr Vertrag auch die Arbeit mit der Pro-B-Mannschaft und den Jugend-Bundesligateams?
Dazu brauche ich keinen Vertrag. So etwas habe ich immer getan. Ich will eine Art Basketball-Schule aufbauen, bei der die Spieler immer in die nächste Klasse aufrücken. Dabei müssen wir alle zusammenarbeiten im Braunschweiger Basketball. Und natürlich werde ich die gesamte Saison hindurch Individualtraining mit den jungen Spielen machen – das ist doch ein Muss! Wir wollen möglichst viele in unser Programm holen, auch wenn sie im ersten Jahr wohl nicht spielen werden. Junge Spieler müssen viel investieren, aber wenn sie das tun, werden sie es später zurückbekommen.
Was ist mit den U20-Nationalspielern Daniel Theis und Dennis Schröder? Haben Sie die schon von ihrem Konzept überzeugt? Bekommen sie die Spielzeit, die sie gerne hätten?
Ich habe mit beiden geredet, und ich denke, sie sind offen, den Weg mitzugehen. Aber es sind die Taten, die entscheiden. Beide haben sehr großes Talent, doch ich habe schon viele große Talente gesehen, die nichts aus sich gemacht haben, und mittelgroße Talente, die mit harter Arbeit über sich hinausgewachsen sind. Sie haben es also selbst in der Hand.
Wie weit sind sie bei der Team-Zusammenstellung? Kommen Kyle Visser und Michel Umeh zurück?
Das hätten wir gerne, aber ihre Forderungen sind noch sehr weit weg von dem, was mit unserem Budget möglich ist. Insgesamt verlangen die Spieleragenten momentan viel zu viel. Aber wir lassen uns nicht unter Druck setzen, wir können auch noch einen Monat warten, bis wir Verträge machen. Und so wird es wohl auch kommen.
•Die Phantoms laden ihre Fans am Donnerstag zum Meinungsaustausch ein, 18 Uhr, Soccafive-Arena, Hamburger Straße.

