„Es darf nicht sein, dass wir ohne jede Intensität spielen“
Hagen Nach zwei Siegen ist die Erfolgsserie der Braunschweiger Korbjäger mit der 75:96-Pleite in Hagen schon wieder gerissen.
Ein Auswärtsspiel mit 21 Punkten zu verlieren – das kann schon mal passieren. Vor allem wenn man sich am Ende einer Englischen Woche zum zweiten Mal in Folge in eine fremde Halle aufmachen muss und der Gegner noch frisch ist. Aber das Ergebnis trügt. Denn was Braunschweigs Basketballer gestern Nachmittag beim 75:96 (26:51) in Hagen ablieferten, war gefühlt eine 40-Punkte-Pleite. Eine Packung praktisch ohne Gegenwehr beim bis dahin erfolglosesten Bundesligateam der vergangenen Wochen.
Ein beschämender Auftritt für eine Mannschaft, die nächste Woche den Pokal gewinnen will, beim Kellerkind aber zwischenzeitlich deklassiert mit 56:92 hinten lag. „Wir waren in den ersten Minuten nicht bereit, sind schlecht gestartet und haben uns nie davon erholen können“, analysierte Trainer Sebastian Machowski.
Könnte die desolate Leistung etwas mit seinem am Freitag kommunizierten Abschied zum Saisonende zu tun gehabt haben? Hat die Nachricht die Köpfe der Profis blockiert? Dies wiesen die Spieler genauso von sich wie der Coach, der heute als künftiger Cheftrainer in Oldenburg vorgestellt werden soll. „Das hat absolut keine Auswirkungen auf uns gehabt“, betonte Rich Melzer. „Der Coach und wir arbeiten doch genauso hart weiter für unsere Ziele in dieser Saison“.
Davon war gestern allerdings wenig zu sehen. Mit einem überheblich wirkenden Start bauten die Phantoms nicht zum ersten Mal einen Gegner vom Tabellenende auf und bekamen dann die Geister, die sie gerufen hatten, nicht mehr in die Flasche. Im Angriff warf jeder mal uninspiriert daneben, statt den Ball zu Center Kyle Visser zu bewegen, wie es sonst die Braunschweiger Stärke ist. Und defensiv standen die Phantoms oft nur Spalier, wenn Hagens schnelle Leute energisch zum Korb zogen.
Diese leichten Korberfolge gaben den mit jeder Muskelfaser um den Klassenerhalt kämpfenden Gastgebern Selbstvertrauen. Und plötzlich trafen sie auch noch einen Dreier nach dem anderen, insgesamt 11 bei 19 Versuchen – hochklassig.
Wie wehrlos sich die Braunschweiger in ihren Abwärtsstrudel fügten, war erschreckend. Sicher, nach dem Fehlstart von 0:13 Punkten (5.) mussten sie noch nicht in Panik verfallen. Noch war es nachvollziehbar, dass die Trainer ruhig ihre üblichen Rotationen durchwechselten. Aber als es nach dem 10:17-Zwischenstand (8.) weiter rasant über 12:24 (10.) auf 14:37 (14.) abwärts ging, da wäre eine wie auch immer geartete taktische Notbremse nötig gewesen: Mal eine Pressverteidigung oder einfach härteres Zupacken, irgendetwas, das Hagens Spielrausch unterbrochen hätte.
Aber die Phantoms spielten ihren Stiefel weiter, von der Bank kamen überhaupt keine Impulse, und als Machowski beim 20:46 (18.) endlich eine Auszeit nahm, war die Partie schon in Hälfte eins verloren. „Es darf nicht sein, dass wir ohne jede Intensität spielen“, schimpfte Sportdirektor Oliver Braun. „Heute hat von A bis Z keiner seinen Job richtig gemacht.“
Die Niederlage könne dem Team in der Endabrechnung um die Play-off-Plätze richtig weh tun, unkte Braun. Dass nun eine Krisenwoche folgt, glaubt er aber nicht. „Ich denke eher, es war eine heilsame Niederlage“, meinte der Sportdirektor. „Aber es kann nicht angehen, dass wir immer erst bei einer schlechteren Mannschaft hoch verlieren müssen, um zu merken, worum wir eigentlich spielen.“



