„Es darf nicht alles auf Dennis’ Schultern lasten“
Braunschweig Youngster Schröder trägt den Aufbau der Phantoms-Korbjäger fast allein. Verantwortliche kritisieren Spielmacher Davis und erwägen einen Wechsel.
Eigentlich ist es ja eine tolle Sache, dass das gerade mal 19 Jahre alt gewordene Eigengewächs Dennis Schröder im Aufbauspiel der Braunschweiger Basketballer die Akzente setzt. Das Problem: Er ist der einzige. Und deshalb denken die Phantoms derzeit über Veränderungen nach.
Die Sätze von Kostas Flevarakis nach dem Heim-Debakel gegen Weißenfels brachten das Dilemma auf den Punkt: „Wir sind viel zu stark davon abhängig, wie gut Dennis spielt“, hatte der Trainer analysiert. „Wenn Dennis gut ist, ist er der Beste der Mannschaft, und dann ist die Mannschaft auch gut“, fügte Flevarakis an, und: „Wie der Pointguard spielt, ist für uns entscheidender als für andere Mannschaften.“
Das Lob für den Jungnationalspieler beinhaltet zunächst die Einschränkung, dass Schröder eben noch nicht konstant gut spielt – was auch niemand von ihm verlangen darf. „Dennis kann diese große Rolle übernehmen, das traue ich ihm zu“, betont Flevarakis, der dem Jüngsten schon in mehr als 21 Spielminuten im Schnitt die Verantwortung anvertraut. „ Aber es darf nicht alles auf seinen Schultern lasten.“
So ist das Lob für Schröder auch Kritik an den erfahrenen Teamkollegen. Vor allem natürlich an Jeremiah Davis, der als Spielmacher-Routinier die Hauptverantwortung für Kreativität, Spielfluss und Tempokontrolle tragen sollte. Doch diesen Anforderungen wurde der 31-Jährige bislang nicht gerecht.
Er wirkt unentschlossen auf dem Feld, agiert als bloße Passstation, setzt keine Zeichen und verlor zuletzt gegen den MBC auch noch zu oft den Ball. „Wir haben vergangene Woche lange mit Miah gesprochen und die Woche davor auch schon“, berichtet Sportdirektor Oliver Braun auf Nachfrage. Man denke über personelle Veränderungen auf der Schlüsselposition nach, gab er zu, und habe dies Davis auch gesagt.
Der US-Profi spielt morgen im Kellerduell in Frankfurt also auf Bewährung. „Er ist ein wirklich netter Mensch, aber er muss mehr Verantwortung übernehmen“, fordert Braun. „Wir hoffen noch, dass er besser spielen kann – das wäre ideal für alle. Aber es geht nicht, dass wir allein von Dennis abhängig sind.“
Mit in der Kritik stehen aber auch die anderen Leistungsträger. Immanuel McElroy, durchaus als Spielgestalter erprobt, und Casey Mitchell tauchten ebenfalls ab beziehungsweise zeigten hilflosen Aktionismus, als die Partie gegen den MBC kippte. „Unsere Schlüsselspieler werden gefordert sein, noch mehr zu investieren und einen Gang höher zu schalten“, sagt Flevarakis im Blick auf die Aufgabe in Frankfurt.
Der punktgleiche Rivale spielte nach schwachem Start zuletzt immer stärker auf, hat Quakenbrück und Bonn geschlagen, und will mit einem Heimsieg an den Phantoms vorbeiziehen. Gegen die Braunschweiger spricht auch das Gesetz der Serie: Alle neun Spiele beim Angstgegner seit 2002 haben sie verloren. Selbst Schröder hat schon schlechte Erinnerungen: Im Vorjahr hätte er per Freiwurf den Sieg für sein Team sichern können. Doch er vergab, und die Phantoms verloren nach Verlängerung.
•Skyliners Frankfurt – Phantoms Braunschweig, Sonntag, 15 Uhr.
