Ein bisschen zu viel Wundertüte
Braunschweig Braunschweigs Basketballer in der Saison-Einzelkritik: Immanuel McElroy erreicht die beste Durchschnittsnote, gefolgt von Kyle Visser
Ausgeglichenheit und Variabilität sollten die Stärken der Phantoms-Basketballer sein, und so war es auch. Was den Braunschweigern diese Saison jedoch fehlte, waren ein, zwei Führungsspieler, die auf dem Feld konstant und erfolgreich Verantwortung übernahmen.
Die Trainer wurden ein bisschen zu viel nach dem Wundertüten-Prinzip überrascht, wobei auch Verletzungen, Krankheiten und die beiden Nachverpflichtungen das Team in seiner Entwicklung zurückwarfen.
Dass gleich neun Spieler in mindestens einer Partie Top-Punktesammler der Mannschaft waren und sogar zehn ein- oder mehrfach die meisten Rebounds erkämpft haben, zeigt die enorme Tiefe des Phantoms-Kaders, der nicht mal all seine Qualitäten ausgenutzt hat.
Laut unserer Spieltagsnoten haben sich Michael Umeh, Kyle Visser, Robert Kulawick, Nick Schneiders und Daniel Theis nach der Hinrunde noch gesteigert. Die Routiniers LaMarr Greer, Immanuel McElroy und Rich Melzer hingegen spielten schwächer.
Michael Umeh (Saison-Durchschnittsnote 2,72, Status: Vertrag endet): Der für Nick Williams nachverpflichtete US-Nigerianer war in der zweiten Saisonhälfte der konstanteste Profi, gefiel in Verteidigung wie Angriff und beendete die Saison als Topscorer. Kleine Schwäche: Er leistete sich die meisten Ballverluste.
Robert Kulawick (3,24, Vertrag läuft weiter): Der Berliner blieb offensiv recht eindimensional aufs Dreierwerfen fixiert, steigerte seine Quote in der Rückrunde aber deutlich. Sein Ziel, variabler zu werden, hat er noch nicht erreicht.
Nils Mittmann (3,09, Vertrag läuft weiter): Der Kapitän ging als kämpferisches Vorbild voran und sprang stark ein, wenn Teamkollegen ausfielen. Sonst meist nur Rollenspieler mit limitierter Einsatzzeit. Neben Milosevic hatte er die beste Dreierquote des Teams (43,1%).
Kyle Visser (2,67, Vertrag endet): Der Center brauchte sich vor den Stars der Liga nicht zu verstecken. Hielt fast alle unter ihrem Schnitt und spielte sie mit seinen variablen Angriffsbewegungen schwindelig. Steigerungspotenzial beim Rebound.
Branko Jorovic (3,15, Vertrag endet): Dass er mit seinem starken Wurf, der Kreativität und den Passqualitäten ein begnadeter Teambasketballer sein kann, hat er oft bewiesen. Aber genauso oft stand er sich überehrgeizig selbst im Weg.
Nick Schneiders (3,34, Vertrag läuft weiter): Der längste Spieler der Liga war nach schwachem Winter der Gewinner der letzten Wochen. Nutzte nun seine Größe, spielte körperlich, avancierte zum Fanliebling.
LaMarr Greer (3,13, Vertrag endet): Die Rückenverletzung im Januar hat den 35-jährigen Führungsspieler körperlich weit zurückgeworfen. Trotzdem bester Spielgestalter des Teams und am Ende auch wieder mit Dreiern zur Stelle.
Igor Milosevic (3,03, Vertrag endet): Der für den verletzten Stephen Dennis nachverpflichtete Spielmacher ließ sein Können aufblitzen, rief es aber nicht konstant ab. Starke Trefferquote von 56,6 Prozent.
Dennis Schröder (3,06, Vertrag läuft weiter): Der schnelle 18-Jährige bewies mutig sein Erstligapotenzial auf der Aufbauposition. Als die Gegner ihn richtig ernst zu nehmen begannen, zahlte er Lehrgeld.
Daniel Theis (3,05, Vertrag läuft weiter): Bot wie Schröder einige tolle Spiele, wurde später aber von den Schwergewichten der Liga unter dem Korb zurechtgestutzt.
Immanuel McElroy (2,62, Vertrag läuft weiter): Der Verteidigungsminister der Mannschaft überzeugte auch als Vorlagenkönig, Ersatzspielmacher und Rebounder. Offensiv manchmal zu zurückhaltend, insgesamt aber ein Top-Allrounder.
Rich Melzer (3,15, Vertrag läuft weiter): Je mehr es auf Verteidigungsqualität ankam, desto offensichtlicher wurde die Schwäche des variablen Angreifers. Verlor zuletzt etwas den Fokus. Kämpferisch stark, aber nicht immer teamdienlich.
