Die Phantoms treffen den Korb nicht mehr
Bonn Offensivschwache Braunschweiger starten mit klarer 64:74-Niederlage in Bonn in die Rückrunde und verlieren den Anschluss ans Tabellenmittelfeld.
Die Abstiegsgefahr wird immer größer, und Braunschweigs Basketballer können offensichtlich nicht damit umgehen. Ihr enttäuschender Auftritt am Samstagabend bei den keineswegs übermächtigen Bonnern zementiert vorerst ihren 16. Tabellenplatz. Mit dem 64:74 (30:41) zum Rückrundenstart haben sie den direkten Anschluss ans Mittelfeld verloren. Und diese schlechte Ausgangsposition dürfte sich eher noch verschlimmern. Denn die nächsten Gegner nach einer zweiwöchigen Pause sind die Spitzenteams München und Bamberg.
Die Offensivprobleme der Phantoms zeigten sich Bonn deutlicher denn je. Und ließen sie sich nicht mit der Stärke des Gegners entschuldigen, wie zuletzt gegen Bamberg und in Berlin. Denn die Gastgeber schienen nicht unschlagbar. Doch erneut schafften es die Braunschweiger nicht, genügend Leistungsträger mit guter Tagesform zu finden. Einmal mehr gefiel das Trio Dennis Schröder, Eric Boateng und Immanuel McElroy mit konstant guten Aktionen. Dazu kamen - mit seiner besten Leistung im Phantoms-Dress und Topscorer - Jermaine Anderson, der allerdings zu spät im Spiel, nämlich erst im vierten Viertel offensiv richtig in Schwung kam, sowie Nick Schneiders als solider Boateng-Vertreter.
Die große Schwachstelle aber war die Position vier, wo Harding Nana und Nils Mittmann weder selbst etwas zustande brachten, noch Bonns Kyle Weems stoppen konnten, der 19 Punkte erzielte und auch noch sechs Vorlagen gab. Dazu kam wie zuletzt eine eklatante Wurfschwäche von außen.
Dreierspezialist Robert Kulawick (5 Versuche), Nana (2) und Mittmann (2) warfen all ihre schön herausgespielten freien Dreier zum Teil sogar weit vorbei.
Mit solch einer Angriffsleistung war in Bonn nichts zu gewinnen. Zumal die Phantoms mit einigen Defensiv-Aussetzern in der ersten Hälfte dem Gegner durch Konzentrationsschwächen mehrmals leichte Punkte per Schnellangriff ermöglicht hatten, so dass sie ab der 13. Minute einem Dauer-Rückstand hinterherlaufen mussten.
Insgesamt jedoch stimmten die Intensität, die taktische Marschroute und der Kampfgeist in der Defensive. Mit einer gut funktionierenden Zonenverteidigung, in der Nick Schneiders das Bollwerk unter dem Korb bildete und vier kleine Spieler vor ihm die Räume zustellten, arbeiteten sich die Braunschweiger in der zweiten Hälfte heran. Einen 17-Punkte-Rückstand (36:53, 26.) verkürzten sie zum Ende des dritten Viertels nach einigen Balleroberungen auf acht Zähler (47:55) und schöpften wieder Sieghoffnung.
Doch die Bonner fanden allmählich bessere Lösungen gegen die Zone. Und nach einem Offensivfoul gegen Schneiders, einem Airball von Kulawick und drei Dreiern des Gegners in Folge, war der Abstand wieder auf 14 Punkte angewachsen (35.) und das Spiel gelaufen.
„Wir haben wirklich große Probleme im Angriff, wir haben unsere Lockerheit und den Spielwitz verloren und spielen nur noch nach Schema F“, analysierte Sportdirektor Oliver Braun und kritisierte: „Es ist nicht zu verkraften, dass es pro Spiel mindestens drei Totalausfälle gibt.“ Auch wenn er das noch nicht explizit bestätigen wollte: Braun dürfte auf der Suche nach Verstärkung sein. Die fordert auch Trainer Kostas Flevarakis. Und nach diesem Spiel und angesichts des Aufrüstens der Konkurrenz räumt er auch ein, dass er dabei nicht nur eine Position im Auge hat. Die Phantoms brauchen einen Scorer auf den Außenpositionen und einen athletischen Akteur für die Position vier, wenn sie die Mission Klassenerhalt ab Februar optimistisch angehen wollen.
Zunächst bekommen die aktuellen Phantoms-Profis erstmals seit August vier Tage Verschnaufpause, um abzuschalten und wieder Energie zu tanken. Die Spieler seien müde, ihnen fehle die Frische, konstatieren Braun und Flevarakis. Dazu kommt der Frust über vier Niederlagen in Folge. „Unsere Leute sind momentan wirklich am Boden“, bedauert der Trainer.
Phantoms: Anderson 16 (56%, 2/4 Dreier, 5 Rebounds), Schröder 14 (45%, 3/3 Dreier, 6 Vorlagen, 4 Rebounds, 5 Fouls gezogen), McElroy 10 (33%, 2/5 Dreier, 2 Vorlagen), Schneiders 9 (60%), Boateng 9 (57%, 7 Rebounds, 3 Ballverluste), Nana 2 (20%, 4 Ballverluste), Mittmann 2 (25%), Davis 2 (3 Rebounds), Kulawick (0/5 Würfe, 3 Rebounds).


