Die deutschen Phantoms sind spitze
Braunschweig Platz eins vor Ulm in der Wertung, die es nicht gibt... – Konzept macht Suche nach Verstärkung noch schwerer.
Wenn es nur nach den Deutschen ginge, wären Braunschweigs Basketballer eine Macht in der Bundesliga. Betrachtet man den Anteil der Punkte deutscher Profis an der Gesamtausbeute ihrer Mannschaften, liegen die Phantoms nach der Hinrunde mit 37,5 Prozent auf Platz eins. 73,6 Punkte machte das Team im Angriff im Durchschnitt, davon stammen 27,6 von den Spielern mit hiesigem Reisepass. Zweiter ist Ulm um die Nationalspieler Per Günther und Philipp Schwethelm, Sebastian Betz und den Ex-Braunschweiger Daniel Theis.
Die vordere Platzierung der Braunschweiger ist kein Zufall, sie ist Konzept. Mehr Spielanteile und wichtigere Rollen für die deutschen Profis, lautet die Maxime von Trainer Kostas Flevarakis und Sportdirektor Oliver Braun. Nicht nur, weil es die neue 6+6-Quote der Basketball-Bundesliga vorgibt, wie der Coach betont: „Sondern weil wir an die Jungs glauben.“
Die Umsetzung ist lange Zeit gelungen. Hauptsächlich natürlich, weil Youngster Dennis Schröder eingeschlagen hat wie ein Blitz und mittlerweile eine tragende Rolle in der Startformation spielt. Aber auch Nils Mittmann, Robert Kulawick, Nick Schneiders und Erik Land haben gute Spielzeit bekommen und eine Menge Zählbares beigesteuert.
Mittmann und Co. könnten also ein Aushängeschild der Liga sein, die sich ja so sehr deutsche Gesichter wünscht. Wenn da nicht die Kehrseite der Medaille wäre: Der ausbleibende Erfolg. Die Phantoms stecken als Drittletzter tief im Abstiegsschlamassel.
Um die Gefahr einzudämmen, kämpft Sportchef Braun diese Woche an zwei Fronten. Am Donnerstag will er sich bei der Ligatagung in Köln dafür einsetzen, dass nicht noch zwei weitere Teams absteigen müssen, wenn das finanzschwache und bereits um zwei Profis dezimierte Schlusslicht Gießen vor Saisonende die Segel streicht. So hat es die BBL-Führung in Interpretation von Spielordnung und Ausschreibung festgelegt. „Aber das ist Auslegungssache, wir werden dagegen angehen“, betont Braun und weiß andere Standorte an seiner Seite.
Außerdem sucht der Sportdirektor mit den Trainern nach Verstärkung. Denn angesichts des gekürzten Teametats und im Blick auf die tragenderen Rollen der deutschen Profis, haben die Verantwortlichen zu Saisonbeginn offensichtlich zu schwache Ausländer verpflichtet. Statt dominanter Verdränger in der Mannschaftshierarchie setzte Flevarakis auf Teamspieler, nette Kollegen, die kein Problem damit haben, die Einheimischen mit Zuspielen füttern, statt selbst zu werfen.
Das zahlte sich nicht aus. Jeremiah Davis und Thad McFadden sind im Vergleich mit den Import-Guards der Konkurrenz zu schwach. Doch die Deutschen, nicht gewohnt unter Druck Führungspositionen auszufüllen, können das nicht auffangen. Kulawick und Mittmann zeigten trotz starker Trainingsleistungen bei den jüngsten Niederlagen Nerven. Auch bei Immanuel McElroy wurde offensichtlich, dass aus einem Verteidigungsspezialisten durch Zuspruch des Trainers noch kein Topscorer wird. Zumindest nicht auf die Schnelle.
Doch Zeit haben die Braunschweiger nicht mehr. Sie brauchen nun andere Typen: Solche mit Gewinnermentalität, die dominant und zuverlässig den Ball in den Korb werfen. „Ein bisschen mehr Ego“, wünscht sich Flevarakis explizit. Dies mit dem Phantoms-Konzept zu vereinbaren, wird aber schwer. Denn Amerikaner, die sich bei einem Abstiegskandidaten friedlich hinter einem 19-Jährigen Deutschen einreihen, zu seiner Förderung beitragen, trotzdem Führungskraft sind und die Spiele gewinnen, dürften rar sein.
