Die Bundesliga lockt sogar NBA-Stars an
Braunschweig Sechs bis sieben Play-off-Plätze scheinen schon an finanzstarke Basketball-Teams vergeben zu sein. Die Phantoms Braunschweig halten am Ziel fest.
.Die Basketball-Bundesliga wächst bis 2020 zur stärkten Liga Europas – als Liga-Chef Jan Pommer vor zwei Jahren diese Vision verkündete, schien sie noch völlig unrealistisch. Doch zur neuen Saison scheint es, als hätten die 18 Klubs auf allen Ebenen wieder einen Riesensprung nach vorn gemacht.
Die Etats sind weiter gestiegen, liegen längst über 4 Millionen Euro im Schnitt, neue Arenen und Trainingshallen werden gebaut, Strukturen professionalisiert. Und das Interessanteste für die Fans: Dutzende internationale Stars zog es aus den starken südeuropäischen Ligen nach Deutschland, und plötzlich tummeln sich sogar gestandene NBA-Profis bei den BBL-Spitzenklubs.
So holte Meister Bamberg Routinier Bostjan Nachbar, der auf 317 NBA-Spiele zurückblickt und danach in Russland mehrere Millionen Euro pro Saison kassierte, Vizemeister Ulm leistete sich Allan Ray (Boston Celtics), und Krösus Bayern München angelte sich Lawrence Roberts (Memphis Grizzlies) mit 87 NBA-Einsätzen als nur einen von mehreren neuen Topstars.
Auch der Ex-Braunschweiger Demond Mallet in Quakenbrück und Israels Nationalmannschaftskapitän Yotam Halperin bei den Bayern gehören zu einem neuen Kaliber von BBL-Profis mit hochkarätiger Europapokal-Erfahrung, wie sie sich deutsche Klubs zuvor nicht leisten konnten.
Die spektakulären Transfers konzentrieren sich allerdings auf die finanzstärkeren Teams der Liga, von denen es immer mehr gibt. „Die Finanzkrise spielt ihnen in die Hände“, erläutert Phantoms-Sportdirektor Oliver Braun. Die südeuropäischen Teams hätten nicht mehr die Mittel, um viele Stars zu binden. Die teuersten gingen deshalb in die Türkei, nach Russland oder in die Ukraine, wo noch kräftig gezahlt wird. Andere kamen zu den Spitzenklubs der BBL.
So trat ein Problem auf, mit dem die Braunschweiger und ihre Kollegen aus dem Etat-Mittelfeld der Liga so nicht gerechnet hatten: „Der Mittelmarkt geht jetzt nach Süd-Europa“, verrät Braun. „Und da, wo wir uns früher bedient haben, gab es diesmal nichts mehr. Das war sehr extrem diese Saison.“
Mit ihrem Budget von rund 3,5 Millionen Euro rangierten die Phantoms vor zwei Jahren noch unter den Top-Sechs oder -Sieben. Mittlerweile sind sie angesichts der großen Anstrengungen in München, Ulm und Würzburg finanziell aus den Play-off-Plätzen gerutscht und werden dort von der etablierten Konkurrenz wie Bonn, Frankfurt, Bremerhaven plus Emporkömmlingen wie Bayreuth, Ludwigsburg oder Tübingen bedrängt.
„Es wird schwerer, das wissen wir alle“, sagt Braun, der trotzdem am Saisonziel Play-offs festhält. „Die Plätze werden ja nicht nur nach der Etatgröße vergeben.“ Trainer Kostas Flevarakis setzt auf Teamgeist, Kampfkraft, Geschlossenheit und wichtigere Rollen für die deutschen Spieler und will so das Ziel trotzdem erreichen. „Eintrachts Fußballer machen es uns vor“, verdeutlicht Braun. „Rein von den Namen her wären die nicht so weit oben.“
Realistisch betrachtet dürften allerdings höchstens ein, zwei Play-off-Plätze übrig bleiben, um die die Braunschweiger mit einer Handvoll Konkurrenten noch kämpfen können. Denn die mit doppeltem Etat arbeitenden Spitzenteams Bamberg, München und Berlin sowie die ebenfalls finanzstarken Europapokal-Starter Ulm, Quakenbrück und Oldenburg scheinen angesichts ihrer Top-Verpflichtungen für die Play-offs „gesetzt“.
Braun zählt als siebtes Team auch noch Vorjahres-Halbfinalist Würzburg dazu, der sich – wie Ulm mit Philipp Schwethelm und Oldenburg mit Konrad Wysocki – in Chris McNaughton auch einen deutschen Nationalspieler leisten konnte. „Das war für uns nicht machbar“, betont der Sportchef.
Die Aufgabe für die Braunschweiger ist also klar: Sie müssen sich zumindest gegen den Rest der Liga durchsetzen, was konstante Leistungen gleich ab Saisonbeginn und auch mal den einen oder anderen Coup gegen einen besser platzierten Gegner erfordern würde.
Wie schwer allein schon Ersteres werden dürfte, hat ihnen die 20-Punkte-Testspielpleite bei Aufsteiger Weißenfels vor Augen geführt. „Wenn wir die Play-offs auch dieses Jahr wieder erreichen“, sinniert Braun, „wäre das also nochmal ein echter Schritt voran.“

