Die Basketball-Liga hilft den Phantoms nicht
Braunschweig Daniel Theis wird Teilnahmeberechtigung für den Bundesligarivalen Ulm bekommen. Den Braunschweigern bleibt wohl nur das Arbeitsgericht
Die Phantoms Braunschweig haben zwar den Ombudsmann angerufen, können aber wohl hinsichtlich des Wechsels von Nationalspieler Daniel Theis nach Ulm von der Basketball-Bundesliga keine Hilfe erwarten. Ihm sei momentan nichts bekannt, was ihn davon abhielte, Theis die zum Auflaufen nötige Teilnahmeberechtigung für den Bundesligarivalen der Braunschweiger zu erteilen, sagte Liga-Geschäftsführer Jan Pommer.
Denn Grundlage dafür ist die Freigabe, die Theis bereits automatisch vom Deutschen Basketball-Bund erhalten hatte. Und geprüft wird der Fall zuvor weder vom Verband noch von der Liga. Beide sehen sich nicht dafür verantwortlich, wie ein Spieler oder dessen Agent seine Vertragsangelegenheiten regelt.
Zunächst war der DBB für Theis zuständig, weil der 20 Jahre alte Doppellizenz-Spieler für den Phantoms-Kooperationspartner SG Braunschweig teilnahmeberechtigt war, wie Verbands-Geschäftsführer Wolfgang Brenscheidt erläutert.
Damit unterlag Theis der DBB-Spielordnung, die für Amateure gemacht wurde und eine automatische Freigabe nach drei Wochen vorsieht. „Früher gab es oft Theater, wenn ein Spieler sein Trikot nicht abgegeben hatte oder mit der Beitragszahlung im Rückstand war und deshalb von seinem alten Verein monatelang auf Eis gelegt werden konnte“, erläutert Brenscheidt. Darum habe der Verband auf Wunsch der Klubs seine Regeln vor Jahren zugunsten einer zügigen Freigabe geändert.
Dass Theis nicht nur ProB spielte, sondern auch Bundesliga und einen Profivertrag bei den Phantoms besaß – beziehungsweise immer noch besitzt, wie die Braunschweiger behaupten – sei für den DBB nicht relevant, sagt Brenscheidt. Die Sache sei standardmäßig abgearbeitet worden. „Wir sind nicht dazu da, juristische Details zu regeln.“
Nun hoffte Phantoms-Sportdirektor Oliver Braun, dass die Bundesliga das Teilnahmerecht für Theis verweigert beziehungsweise zurückhält, bis dessen Vertragsverhältnis zu den Braunschweigern beziehungsweise Ulm eindeutig geklärt ist. So sei es vor drei Jahren gewesen, als Andrew Drevo lieber nach Spanien wechseln wollte, als seinen Vertrag in Braunschweig zu erfüllen. Der internationale Verband Fiba hatte ihm erst eine Freigabe erteilt, als er sich bei den Phantoms „freigekauft“ hatte.
Doch die BBL will sich nicht einmischen, wie Pommer betont. Der Fall Theis sei ein Novum, und eine Regelung durch die BBL nicht in den Statuten vorgesehen. Ein Arbeitgeber könne einen Arbeitnehmer arbeitsrechtlich ohnehin nicht zwingen, für ihn zu arbeiten. Zum anderen sei es sehr heikel, wenn sich eine Liga in ein Arbeitsverhältnis einmische.
Dennoch hat der Fall des Nationalspielers Verband und Liga wohl aufgeschreckt. Brenscheidt kündigt an, der DBB werde sein Freigabe-Verfahren im Blick auf die Doppellizenzler überprüfen. Pommer räumt ein, Transferkäufe von Spielern könnten zu einem wiederkehrenden Problem werden, da der Kampf der Standorte um die wenigen deutschen Top-Talente härter werde. Deshalb werde die Liga bis Ende September ihren Klubs Vorschläge unterbreiten, wie solche Konfliktfälle künftig unter Beteiligung der Liga vermieden werden können.
Zu spät für die Phantoms. Wenn sie wenigstens noch eine Ablöse bekommen wollen, bleibt ihnen wohl nur der Weg, arbeitsrechtlich gegen Eigengewächs Theis vorzugehen.
