„Der neue Trainer muss bei uns das Rad nicht neu erfinden“
Braunschweig Phantoms-Sportdirektor Oliver Braun spricht im Interview über seine wichtigste Personalie, die Mannschaft für nächste Spielzeit und sein Saisonfazit
Zwei Tage nach dem Saisonende für Braunschweigs Erstliga-Basketballer steckt Sportdirektor Oliver Braun in der Planung der nächsten Spielzeit. Wie es weitergehen soll, erklärt er im Gespräch mit Redakteurin Ute Berndt.
Herr Braun, wer wird neuer Trainer bei den Phantoms?
Das ist ein bisschen früh. Es hat noch keiner unterschrieben. Wir haben drei Kandidaten zur Auswahl und werden in Ruhe abwägen.
Wie sieht Ihr Anforderungsprofil aus? Soll es ein Deutscher sein?
Das wäre schön, aber es muss nicht sein. Es ist ein Deutscher im Kandidatenkreis, aber letztlich geht es darum, den besten Trainer für uns zu finden. Unser Konzept steht ja im Großen und Ganzen. Der Neue soll seine Ideen sowie Philosophien reinbringen, aber er muss das Rad nicht neu erfinden. Mit den deutschen Spielern sowie Mac (Immanuel McElroy) und Rich (Melzer) ist der Großteil der Mannschaft weiter unter Vertrag, unser Jugendkonzept ist fix. Der Trainer soll sich auch mit dem Gegebenen identifizieren.
Unter diesen Voraussetzungen müsste Braunschweig eigentlich ein attraktiver Arbeitsplatz sein. Haben Sie viele Bewerbungen bekommen?
Zehn Minuten, nachdem der Weggang von Sebastian (Machowski) bekannt war, hat erstmals das Telefon geklingelt. Es gab eine größere Auswahl als ich angenommen hätte. Wir haben dann die Namen erst auf 15 Kandidaten eingedämmt, dann auf sieben, jetzt sind wir bei drei.
Verhandeln sie schon mit Spielern über eine Vertragsverlängerung?
Nein. Da warten wir, bis der Trainer feststeht. Ich habe mit den Spielern geredet und ihnen mein Feedback gegeben. Aber am Ende des Tages wollen die doch auch erst wissen, wer Trainer wird.
Kyle Visser soll schon gesagt haben, dass er gern bleiben würde.
Ja, wir haben darüber geredet. Und ich habe ihm auch gesagt, dass ich ihn halten möchte. Aber auch hier gilt wie in allen anderen Fällen, dass der neue Coach mitentscheidet und das auch eine Frage der finanziellen Ansprüche der Spieler ist.
Stehen schon Spieler fest, die auf keinen Fall wiederkommen?
Nein. Es ist alles völlig offen. Undwir haben auch keine Zeitnot. Das Wichtigste ist, dass die deutschen Spieler feststehen. Da bin ich wirklich froh, dass wir schon vor zwei Jahren begonnen haben, an dieser Konstellation zu arbeiten. Denn was jetzt wegen der neuen 6+6-Quote auf dem Markt los ist, ist verrückt. Da werden für manche Spieler utopische Summen aufgerufen.
Sie haben darauf gedrängt, dass ihre Jungnationalspieler Daniel Theis und Dennis Schröder viel spielen. Wie zufrieden sind Sie mit deren Saison?
Sportlich haben sie sich wirklich toll gemacht. Beide haben ihre Chancen bekommen und haben sie genutzt.
Und welche Rollen werden sie nächste Saison spielen?
Sie sollen in die feste Rotation eingebunden werden und mehr Minuten bekommen. So ist es zumindest geplant. Allerdings wird es für sie schwieriger nächste Saison. Dann ist der Underdog-Status weg, und sie werden wie vollwertige Profis wahrgenommen und bekämpft werden.
Wie fällt Ihr Saisonfazit aus? Bleibt doch eine kleine Enttäuschung wegen des 0:3 im Viertelfinale?
Wir haben im Januar drei Spieler auf einmal durch Verletzungen verloren. Dann kam die Geschichte mit dem Trainer-Weggang. Wir haben jede Talsohle durchschritten und wieder die Play-offs erreicht. Klar waren auch mal „mistige“ Spiele dabei. Aber was wir unter dem Strich aus unseren Möglichkeiten gemacht haben, das ist schon gut gewesen.
Natürlich habe ich mir mehr erhofft in den Play-offs, und meine Ansprüche sind da besonders hoch. Ich bin heute noch emotionaler an die Sache gebunden als zu Spielerzeiten, denn jetzt weiß ich, was für Arbeit drinsteckt. Mein Herz ist enttäuscht über das 0:3, aber mein Verstand sieht die harten Fakten: Wir standen zum dritten Mal in Folge in den Play-offs und über Mannschaften wie Oldenburg und Frankfurt, die ganz andere Möglichkeiten haben.
•Saisonabschlussparty für die Fans, Freitag, 17 – 19 Uhr, Foyer VW-Halle.


