Dennis Schröder: „Ich bin Profi geworden“
Braunschweig Der junge Phantoms-Spielmacher spricht im Interview über seinen Reifeprozess, seine Pläne, den neuen Trainer Kostas Flevarakis und das Nationalteam
Mitte September ist er 19 Jahre alt geworden. Und trotz seiner Jugend will Braunschweigs Dennis Schröder diese Saison in der Basketball-Bundesliga schon richtig durchstarten, ein Leistungsträger sein. Reifer sei er auch geworden, betont der ob gewisser Flausen und Undiszipliniertheiten in der Vorsaison von den Phantoms-Verantwortlichen noch häufig kritisierte Spielmacher im Gespräch mit Redakteurin Ute Berndt.
Herr Schröder, war es ein aufregender Sommer für Sie mit der U20-Europameisterschaft und der Nominierung fürs A-Nationalteam?
Es ist vor allem total anstrengend, wenn du nach der Saison direkt zur Nationalmannschaft gehst und danach wieder direkt in die Saisonvorbereitung. Das ist schwer zu spielen. Aber es war Nationalmannschaft, und da wollte ich natürlich dabei sein. Die EM war gut, wir haben mit Platz fünf sehr gut abgeschnitten.
Hatten Sie denn gar keinen Urlaub?
Ich war vor der Nationalmannschaft vier Tage mit meiner Freundin in Hamburg. Und danach hatte ich zwei Tage frei, ehe ich hier wieder in der Halle stand. Das war alles. Aber ich bin relativ fit. Und ich fühle mich gut, weil ich weiß, dass ich diese Saison viel spielen kann und meine Chance bekomme, weil unser neuer Trainer Kostas Flevarakis auf mich baut. Das gibt mir Kraft.
Wenn Sie Ihre Leistung einschätzen, vergleichen Sie sich dann mit den besten BBL-Profis oder den besten Spielern der U-20-EM?
Ich habe ja in der BBL keine Probleme gegen ältere Gegner. Ich will mich mit jedem messen. Nur so kommt man voran. So habe ich immer gedacht und so werde ich weitermachen. Wenn ich bei der U20 bin, vergleiche ich mich natürlich mit den gleichaltrigen. Bei der EM konnte ich mit jedem Guard mithalten. Ich hatte nicht das Gefühl, dass ich irgendwo Nachteile habe. Und das zweite Erstligajahr wird mir helfen, bei der nächsten U20-EM einer der besten Pointguards zu sein.
Haben Sie auch Trainingseinheiten im A-Nationalteam mitgemacht? Bundestrainer Svetislav Pesic hatte Sie ja überraschend nominiert.
Nach der EM hätte ich hinfahren können. Aber ich wusste, wenn ich das mache, habe ich gar keinen Tag Pause. Ich habe das mit meinem Agenten Ademola Okulaja abgestimmt, und wir haben beschlossen, dass ich nächsten Sommer voll angreifen soll und versuchen, meinen Platz im Kader zu kriegen.
Meinen Sie, im EM-Jahr bekommen sie als so junger Spieler nochmal die Chance?
Ich denke ja. Der Bundestrainer hatte mir gesagt, dass ihm mein Spiel gefällt und er mich wiedersehen will. Ich werde mich nächstes Jahr durchschlagen, wie ich es immer geschafft habe. Ich werde dafür kämpfen.
In den Testspielen haben Sie viel und mit hohen Trefferquoten gepunktet. Haben Sie an Ihrem Wurf gefeilt?
Ja. Im Sommer habe ich jeden Tag mit Liviu (Calin) oder Frank Menz (U-20-Bundestrainer, Anm. d. Red.) in der Halle gestanden zum Werfen. Kostas hat mir in unserem ersten Gespräch gesagt, dass ich zwei Dinge verbessern muss, damit ich es weit bringe. Ich soll lernen, auch abseits des Balles viel zu helfen, und ich muss meinen Wurf verbessern. – Der Schuss ist jetzt schon da, und damit habe ich mehr Varianten in meinem Spiel.
Ihr U-20-Kollege Daniel Theis hat die Phantoms verlassen, Sie sind geblieben. Waren das die richtigen Entscheidungen?
Für mich auf jeden Fall. Und für Daniel wäre es auch eine richtig gute Sache gewesen, wenn er hier geblieben wäre. Der Coach hat auch sehr viel auf ihn gesetzt. Aber Daniel hat mir erzählt, dass er sich von den Leuten nicht gut behandelt gefühlt hat, und so verstehe ich, dass er gehen wollte. Aber von der Spielzeit her, wäre es hier gut geworden. Er hätte viel und gut gespielt, und wir hätten die Liga richtig aufmischen können. Wir wollen nicht mehr die kleinen Kids sein in der ersten Liga, sondern richtig mitspielen.
Sie haben den gleichen Agenten wie Daniel Theis. Muss man fürchten, dass Sie bald auch weg sind?
Ich weiß nicht. Erstmal habe ich hier ja noch zwei Jahre Vertrag. Es kann schon sein, dass ich nach einem Jahr gehe. Irgendwann will ich auch nochmal mit Daniel zusammenspielen. Zumindest für ein Jahr.
Träumen Sie von einem Wechsel ins Ausland?
Natürlich. Das ist der Traum jedes Basketballers, mal Europaliga oder NBA zu spielen. Und ich will bald nach Europa gehen, das plant man schon. Aber erstmal will ich hier Erfahrungen sammeln, gut spielen und das nächste Level erreichen.
Setzen Sie voll auf Basketball oder machen Sie noch eine Ausbildung?
Ich habe letzte Saison eine Ausbildung zum Bürokaufmann angefangen. Und ich habe fest vor, sie abzuschließen und meine Prüfung zu machen. Es ist wichtig, eine Absicherung zu haben.
Wie stellen Sie sich ihre Rolle bei den Phantoms vor in dieser Saison?
Mein Ziel ist es, zum Team zu gehören, wichtig zu sein für die Mannschaft und 15 bis 20 Minuten im Schnitt zu spielen. Bisher läuft es. Ich habe gut gespielt in den bisherigen Tests. Wenn man vom Coach hört, dass er vor allem auf die jungen Leute setzt und es dann auch so ist, dann gibt dir das viel Motivation. Kostas vertraut mir den Ball an, auch am Ende des Spiels ist er in meinen Händen – das bringt mir Selbstvertrauen.
Sie wirken auf dem Feld auch kommunikativer, stehen oft beim Trainer, holen sich Ratschläge...
Letztes Jahr hat der Trainer nicht mit einem geredet. Dieses Jahr redet er mit jedem, auch mit den Doppellizenzspielern. Ich finde, das ist ein Vorteil. Dadurch kriegt jeder Selbstvertrauen. Und mich spornt es viel mehr an und macht es mir leichter.
Ihr Verhältnis zu Sebastian Machowski war also gestört.
Kostas lobt und kritisiert alle gleich. Egal ob Amerikaner oder junge Spieler, er sagt es beiden. Das war letztes Jahr nicht der Fall. Deshalb war es für mich und Daniel sehr schwer, auf den Trainer zu hören. Jetzt ist es ganz anders. Und deshalb nehme ich auch die Kritik von Kostas an. Er hilft mir, mich zu verbessern. Ich habe mich auch sehr geändert, das sagen auch alle aus dem Office.
Wie meinen Sie das?
Abseits des Feldes. Da rede ich anders mit den Leuten, bringe ihnen mehr Respekt entgegen, versuche, zuverlässiger zu sein. Ich bin Profi geworden.
Und, fühlt sich das besser an?
Auf jeden Fall. So wird gut von mir geredet. Und das hilft ja dann auch bei den Topklubs. Wer will einen verpflichten, von dem Schlechtes geredet wird?



