„Das ist jetzt eine Charakterfrage“
Braunschweig Die Phantoms-Basketballer müssen am Sonntag ihr drittes Viertelfinale in Ulm gewinnen-. Sonst ist ihre Saison beendet
Geht noch was in dieser Viertelfinalserie, die 0:2 steht? Können Braunschweigs Basketballer die bittere, hauchdünne Heimniederlage vom Donnerstag mental verdauen und spielerisch endlich ein Mittel gegen Ulms Angriffskünste finden?
Eine Antwort auf diese Fragen trauten sich die Phantoms-Trainer am Freitag noch nicht zu. Nach der Partie waren ihre niedergeschlagenen Profis schnell verschwunden, Freitagabend traf man sich zur Aufarbeitung des 94:96 und zum Training wieder. Nun heißt es, in Ulm siegen oder in den Sommerurlaub fliegen.
„Wie die Mannschaft reagiert, werden wir aber erst am Sonntag auf dem Feld sehen, da kommt so viel zusammen“, sagt Co-Trainer Philipp Köchling aus Erfahrung.
Der Frust bei den Spielern sitzt natürlich tief nach diesem heiß umkämpften Heimspiel, einem Offensiv-Spektakel von gleich zwei Kontrahenten wie es in der Bundesliga nur selten vorkommt, einem Schlagabtausch mit offenem Visier, achtmaligem Gleichstand und 13-maligem Führungswechsel, diesem Ritt auf der Rasierklinge bis zur letzten Sekunde ohne Happy-End.
Köchling macht aber auch klar, was er in Ulm erwartet: „Das ist jetzt eine Charakterfrage! Für mich ist wichtig, dass wir jetzt Willensstärke zeigen und kämpfen bis zum Umfallen.“ Das erwartet auch Trainer Sebastian Machowski. Dabei geht es ihm nicht darum, bloß den sogenannten „Sweep“ zu vermeiden, die Höchststrafe in einer Play-off-Serie, eine glatte 0:3-Pleite, die die Phantoms zudem als einziges Viertelfinal-Team kassieren würden. „Wichtig ist doch, dass wir immer noch eine Halbfinal-Chance haben und ein zweites Heimspiel nach Braunschweig holen wollen“, betont der 40-Jährige.
In den 42 Play-off-Serien der vergangenen sechs Jahre haben es laut einer Statistik des Ulmer Basketball-Magazins „Orange Zone“ allerdings nur zwei Teams geschafft, einen 0:2-Rückstand noch auszugleichen, Berlin 2009 und Oldenburg 2011. Das fünfte Spiel und somit die Serie ging dann aber jeweils verloren.
„Wir haben jetzt nichts mehr zu verlieren, nur noch zu gewinnen“, spricht Machowski seinen Akteuren Mut zu. Ein paar Ballverluste und Konzentrationsschwächen weniger, und man könne um den Sieg mitspielen, ist er überzeugt. „Wir haben ja gesehen, dass wir mit Ulm auf einem Niveau spielen können.“
Defensiv reichte das Gezeigte aber nicht für einen Erfolg, auch wenn die Phantoms am Donnerstag schon besser verteidigten als in der ersten Partie in Ulm (79:101). Wo der Hebel angesetzt werden muss, ist also klar. „Wir können schließlich nicht darauf bauen, dass wir dort 110 Punkte machen“, verdeutlicht Köchling.
•3. Viertelfinale: Ulm – Braunschweig, Sonntag, 15.05 Uhr, Arena.



