Das ewige Tanz-Duell der Erzrivalen
Von Mitte der 1980er Jahre bis 1997 ging es in der Welt des Standard-Formations-Tanzsports nur darum, ob der Braunschweiger TSC oder der 1. TC Ludwigsburg weltweit das Maß der Dinge darstellt. Welt-, Europa- und deutsche Meisterschaft – die beiden Klubs teilten alle Siege unter sich auf.
Bis dahin versuchten vor allem osteuropäische Mannschaften immer wieder, die deutschen Ausnahmeteams zu kopieren. Kurios: Manchmal wurden Fehler der Deutschen von ihnen nicht erkannt und sogar in eine neue Kür eingebaut. Doch inzwischen haben wie schon ein Jahrzehnt lang die Moldawier, die sich aus dem Formationstanzen zurückgezogen haben, vor allem die Russen und Weißrussen einen eigenen Stil entwickelt.
Und der besitzt soviel Substanz, dass immer ein Sieg bei internationalen Meisterschaften möglich ist. Titelgewinne bei EM und WM sind für Ludwigsburg und Braunschweig keineswegs mehr selbstverständlich, auch nicht, wenn sie Heimrecht besitzen wie der BTSC am 26. November bei der WM in der VW-Halle.
Doch auch die neue Konstellation führte zu keinem Zeitpunkt dazu, dass die Schwaben und die Niedersachsen gemeinsame Sache machen im "Kampf" gegen die erstarkten Osteuropäer. Ganz selten gibt es eine Zweckgemeinschaft zwischen den Erzrivalen, etwa wenn sie sich im Ausland logistisch unterstützen.
Dabei haben beide Teams Cheftrainer, die seit Jahrzehnten ihr Amt ausüben – Rüdiger Knaack seit 1988 in Braunschweig, Dagmar und Norman Beck 1989 bis 1991 und seit 1995 in Ludwigsburg. Doch dicke Freunde werden diese drei wohl niemals werden. Neid gibt es nicht, aber derart unterschiedliche Ansichten und Philosophien, wie dieser Sport auf der Tanzfläche präsentiert werden muss, dass kaum an einem Strang gezogen werden kann.
Einzig die Sportler sehen das nicht ganz so eng. Immer wieder werden Paare von hüben und drüben nach einem Turnier beim gemeinsamen Feiern gesichtet. Und das war schon immer so, selbst in Zeiten, in denen die einen mit den anderen trainerseits Sprechverbot erteilt bekommen hatten.
Der BTSC, der siebenmal Weltmeister war, hat noch aufzuholen gegenüber den Ludwigsburgern, die bereits zehn WM-Titel gewonnen haben. Nächsten Samstag haben die Gastgeber die Chance, diese Bilanz zu verbessern.

