Besser fördern, aber auch mehr fordern
Wie die Phantoms-Basketballer ihre Jugend-Nationalspieler Daniel Theis und Dennis Schröder integrieren wollen
Braunschweigs Basketball-Erstligist und sein Nachwuchskonzept – in den vergangenen Jahren gab es Anlass, daran zu zweifeln. Denn kein einziges Talent schaffte den Sprung ins BBL-Team. Diese Saison könnte es sogar zwei Spielern, zudem echten Eigengewächsen, gelingen.
Daniel Theis und Dennis Schröder gehören zu den größten Talenten des deutschen Basketballs seit Jahren. Beide haben bei den Europameisterschaften im Sommer Schlüsselrollen in den DBB-Auswahlteams gespielt, die zudem so gut abschnitten wie lange nicht mehr. Center Theis war zudem der viertbeste Rebounder des gesamten U-20-EM-Turniers, Schröder bekam auf der Internetseite des europäischen Verbandes sogar eine eigene Story als Aufbauspieler der Zukunft.
Klar, dass da der Druck steigt auf die Braunschweiger. Die gesamte Branche würde den Kopf schütteln, wenn es ihnen nicht gelänge, die beiden Hochtalentierten mittelfristig einzubinden, die zudem in Ex-Nationalspieler Ademola Okulaja einen sehr fordernden Agenten haben.
Jener Text über Schröder trug allerdings auch ein Fragezeichen in der Überschrift. Bundestrainer Kay Blümel schneidet darin das Thema an, das auch die Phantoms-Verantwortlichen umtreibt: Disziplin, Allüren, Umgangsformen. Sportdirektor Oliver Braun und die Trainer machen kein Hehl daraus, dass sie diesbezüglich vergangene Saison nicht zufrieden waren mit ihren Doppellizenzlern.
Absolute Bedingung für Spielzeit im Erstligateam sei die richtige Arbeitseinstellung, verdeutlicht Braun: "Sie müssen disziplinarisch an sich weiterarbeiten, das verlangen wir und das gehört zum Profitum dazu."
"Mit Talent allein kommt man nicht oben an", spricht Co-Trainer Philip Köchling aus Erfahrung, der einst in Köln die heutigen Nationalspieler Tibor Pleiß und Philipp Schwethelm zu Bundesligaakteuren geformt hatte. Vielmehr gehöre eiserne Disziplin, Trainingsfleiß und der Wille sich durchzubeißen dazu. "Und das gilt nicht nur in den Trainingseinheiten", betont Köchling. "Sondern es muss auch schon die Vorbereitung darauf und der Rest des Tagesablaufs stimmen. Wer es schaffen will, muss den Weg zum Profi richtig und ganz einschlagen."
Bringen die Braunschweiger Jungnationalspieler ihren Beitrag, soll ihnen der Weg in die feste Rotation offen stehen. "Wir fordern mehr von ihnen, aber wir wollen sie auch besser fördern", verspricht Braun und verweist auf das intensivierte Einzeltraining.
Den Anfang haben die Phantoms bereits mit ihrer Personalpolitik gemacht. Nachdem sie es in drei Jahren nicht ins Erstligateam geschafft hatten, wurden andere Eigengewächse, Philip Noch und Jusuf El Domiaty, weggeschickt. So ist Platz für Theis und Schröder.
Bei der Verpflichtung der anderen Profis habe man zudem darauf geachtet, dass die beiden Youngster bei entsprechenden Fortschritten ihren Platz im Team finden könnten, sagt Machowski und lobt Theis für seine Entwicklung. "Daniel kann gegen schwächere Gegner schon Spielzeit bekommen", sagt Braun. "Unser Ziel ist es, dass er nächstes Jahr mit verbesserter Physis in der Vierer-Rotation der Center steht."
Für den ein Jahr jüngeren Schröder ist der Weg weiter. "Ein Spielmacher muss eine Mannschaft führen und und ein Spiel lesen, sagt Machowski. Das können die wenigsten im zarten Alter von 18." Dennoch kann er sich Schröder mit den "schnellsten Beinen der Welt" schon für ein paar Minuten als aggressiver Verteidiger auf dem Erstligaparkett vorstellen.
Und sollten bald tatsächlich in Nils Mittmann, Theis und Schröder drei aus der SG Braunschweig stammende Eigengewächse Erstligaminuten bekommen, wären die Phantoms in Sachen Nachwuchs-Entwicklung wieder ganz weit vorne.

