BBL hofft im Streit um Theis außen vor bleiben zu können
Braunschweig Phantoms-Sportdirektor Oliver Braun vermisst im Ringen um den Nationalspieler bei der Gegenseite Anstand und Werte. Er nennt keine Vertragsdetails.
Zwei Basketball-Erstligisten behaupten, einen gültigen Vertrag mit einem Spieler zu haben: Braunschweig und Ulm im Fall Daniel Theis. Das hat auch die BBL aufgeschreckt. „Wir müssen uns Gedanken machen, wie wir künftig solche Fälle handhaben“, sagt Liga-Sprecher Dirk Kaiser. Die aktuellen Geschehnisse seien ein Novum für die Geschäftsstelle. „Wir haben aktuell keine Regelung dafür.“
So hofft man momentan in der Ligazentrale, dass sich die Ulmer, bei denen Theis für drei Jahre unterschrieben hat, und die Phantoms, bei denen er einen gültigen Vertrag haben soll, in den nächsten Wochen irgendwie einigen und den Streit arbeitsrechtlich klären. „Die müssen die Sache vom Tisch kriegen, denn sie ist ja wesentlich für die Kaderplanung“, verdeutlicht Kaiser und ergänzt, die BBL könne derzeit nicht über den Fall urteilen, schließlich kenne man die Verträge des Nationalspielers nicht.
Doch die Liga wird sich schlau machen müssen. Schließlich ist sie es, die national die Spielberechtigungen erteilt. Schließlich sind es ihre Musterverträge, die die BBL-Klubs mit ihren Spielern schließen, im Vertrauen darauf, dass diese dann auch gelten. Sollten die Ulmer demnächst eine Spielberechtigung für Theis beantragen, ohne sich mit den Phantoms geeinigt zu haben, werde man den Vertrag prüfen, sagt Kaiser. „Klar ist, dass Daniel nicht zwei Verträge haben kann.“
Wie es nun weitergeht, überlassen die Braunschweiger ihrem Anwalt Hans-Werner Schrader, der gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen war. Sportdirektor Oliver Braun betont nochmals, er gehe davon aus, mit Theis einen gültigen Vertrag zu haben. Nähere Erläuterungen dazu gibt er jedoch nicht. „Interna nennen wir nicht.“ Schließlich gehöre zu jedem Vertrag auch eine Verschwiegenheitsklausel. Und so wundert sich der Braunschweiger, dass sein Ulmer Kollege Thomas Stoll angebliche Vertragsinhalte zwischen dem Spieler und den Phantoms kennt und veröffentlicht hat. Zudem macht er sich in einem Internetforum über Braunschweig lustig. „Anstand, Sitte und Werte scheint es in dieser Geschichte nicht mehr zu geben“, klagt Braun.
Klar ist, dass Verträge immer irgendwie auflösbar sind. So haben es die Phantoms ja gerade erst mit Co-Trainer Philipp Köchling gehandhabt. Im Fall Theis müssten dazu aber wohl gewisse Bedingungen erfüllt sein, wie Braun durchblicken lässt. Vor zwei Jahren hatte sich der wechselwillige Ex-Kapitän Andrew Drevo praktisch aus dem Phantoms-Vertrag herauskaufen müssen, ehe er vom internationalen Verband Fiba die Spielberechtigung für einen spanischen Klub erhalten hatte.
Auch Ex-Trainer Sebastian Machowski nahm in einem Interview auf der Internetseite der BBL zu diesem Thema Stellung. Er habe unter anderem deshalb nicht versucht, einen Braunschweiger mit nach Oldenburg zu nehmen, weil alle deutschen Spieler der Phantoms weiterlaufende Verträge hätten, sagt er dort. „Insofern wundert es mich sehr, dass Daniel Theis in Ulm unterschrieben hat, und ich bin gespannt, wie das ausgeht.“



