Angriffswirbel bringt Phantoms auf Platz sieben zurück
Braunschweig Braunschweigs Basketballer haben gegen ihren Lieblingsgegner Oldenburg souverän die Nerven behalten und ihren Play-off-Platz verteidigt.
Vielleicht gaben ja die eigens für dieses wichtige Schlüsselspiel engagierten Trommler den entscheidenden Rhythmus-Kick. Im Takt der Gruppe „Samba Sympathica“, die die Anfeuerungen des Fanblocks um reichlich Dezibel aufstockte, legten Braunschweigs Basketballer am Sonntag gegen Oldenburg furios los. Beim souverän herausgespielten 99:85 (62:49)-Triumph gegen den Verfolger gab es als kleine Schönheitsfehler nur die Bänder-Verletzung Robert Kulawicks, die enttäuschende Zuschauerzahl (3200) und das Verpassen eines „Hunderters“ zu beklagen.
Für Trainer Sebastian Machowski mag noch die Tatsache dazu kommen, dass seine Mannschaft die ausgerufene Parole von der starken Verteidigung einmal mehr nicht umsetzten konnte. Doch wer solch schönen, spektakulären Angriffsbasketball spielt wie die Phantoms gegen die Baskets, dem seien auch die 85 Punkte des Gegners mal verziehen.
Zumal das Defensivsystem eigentlich funktionierte, was die zahlreichen Ballgewinne beweisen. Es waren mehr Konzentrationsschwächen, die sich meist in Fouls äußerten und Oldenburg angesichts der kleinlichen Linie der Schiedsrichter 39 Freiwürfe bescherten.
Doch ansonsten begeisterten die Phantoms ihre Fans in der ersten Hälfte mit fulminantem Tempobasketball und so klugem Passspiel, dass dabei eine hochklassige Trefferquote von 74 Prozent herauskam. „Das war mehr wie Miami Heat gegen Orlando Magic“, zog Phantoms-Sportdirektor Oliver Braun zur Halbzeit lachend einen NBA-Vergleich.
Kyle Visser mit 11 Punkten im ersten Viertel und Branko Jorovic mit 14 im zweiten hatten der Spielhälfte ihren Stempel aufgedrückt. Beim 48:31 nach einer Viertelstunde hatten die Braunschweiger schon klar gemacht, dass sie sich in eigner Halle diese Partie nicht mehr entreißen lassen wollten. Bis zum Ende waren sie offensiv einfach nicht entscheidend zu stoppen, so dass der Nord-Rivale nie mehr für eine Wende in Frage kam.
Trotzdem ließen sich die Oldenburger nicht hängen, versuchten nun, etwas kämpferischer dagegenzuhalten. Doch eine Fehlentscheidung der Schiedsrichter gab ihnen den Rest: Ihrem Star Bobby Brown gelang ein spektakulärer Korberfolg zum 72:58. Er ballte die Fäuste, stieß gestenreich einen Jubelschrei aus. Das wurde von einem Referee als Meckern aufgefasst, er pfiff ein technisches Foul, und weil Brown nun wirklich lamentierte, noch ein disqualifizierendes hinterher.
Der Baskets-Spielmacher musste die Halle verlassen, und Phantoms-Routinier Immanuel McElroy versenkte sagenhafte acht Freiwürfe in Folge zum 80:58 (26.) Die Partie war gelaufen und viel Zeit für die Bankspieler.
Machowski schaffte es, keinen Akteur länger als 25 Minuten auf dem Feld zu lassen. Schonung für Mittwoch, wenn Bonn kommt. Zum „wichtigsten Spiel der gesamten Saison“, wie es Kyle Visser formulierte.
Nach der Schlusssirene ein kurioses Bild: Statt zu jubeln krochen die Phantoms-Profis auf dem Boden herum. Michael Umeh hatte im letzten Angriff, beim Versuch, die hundert Punkte vollzumachen, eine Kontaktlinse verloren. Sie wurde anschließend gemeinsam gesucht und dann statt des symbolträchtigen Korberfolgs eben das Auffinden der Sehhilfe beklatscht. Zum Jubeln, befand Kulawick, gebe es ohnehin noch keinen Grund. „Wir müssen unbedingt Bonn schlagen – sonst nützt der Sieg heute gar nichts.“



