DEG sorgt für Furore und kämpft ums Überleben

Düsseldorf  Die Düsseldorfer EG eilt in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) von Sieg zu Sieg. Was früher selbstverständlich war, ist inzwischen eine kleine Sensation. Der achtmalige deutsche Meister ist zwar das erfolgreichstes DEL-Team in diesem Jahr, aber abgeschlagen Tabellenletzter.

Selbst Campino (r) und die Toten Hosen halfen der DEG und Teamleiter Walter Köberle.

Foto: Henning Kaiser

Selbst Campino (r) und die Toten Hosen halfen der DEG und Teamleiter Walter Köberle. Foto: Henning Kaiser

Wenn die DEG am Freitag den aktuellen Titelträger Eisbären Berlin empfängt, wird die Halle nicht annähernd voll sein. Wieder einmal. Die DEG kämpft auch in dieser Saison um ihre Zukunft. «Die Situation ist schwierig, doch mein Optimismus ungebrochen», sagte der Sportliche Leiter Walter Köberle zum Kampf um die DEL-Lizenz für die kommende Saison.

Seit 42 Jahren steht der 64-Jährige fast ununterbrochen in DEG-Diensten. In diese Zeit fallen alleine sieben Meisterschaften. Früher kämpfte Köberle um Titel, inzwischen ums wirtschaftliche Überleben. Es fehlen die Geldgeber.

Dabei geht das sportlich riskante Konzept der DEG in dieser Saison - viele junge Spieler, kaum Stars - inzwischen anscheinend auf. Das im kompletten Dezember sieglose Team hat 2013 bislang jedes Spiel gewonnen. Dabei stehen Trainer Christian Brittig teilweise gerade einmal 17 Spieler zur Verfügung. «Die Truppe hat selbst nach Niederlagen mit viel Spaß und sehr hart gearbeitet. Jetzt gibt es dafür die Belohnung», lobte Brittig sein charakterstarkes Team.

Für die Playoffs wird es dennoch nicht reichen. Die in dieser Saison lange nicht konkurrenzfähige DEG ist mit 13 Punkten Rückstand auf einen Playoff-Qualifikationsrang Tabellenletzter. Einen sportlichen Abstieg gibt es in der DEL nicht, trotzdem ist nicht klar, ob die über Eishockey-Grenzen hinaus bekannte Marke DEG der Liga erhalten bleibt. Finanziell ist die Lage ernst.

Seit dem Ausstieg des Großinvestors Metro 2012 kämpft Geschäftsführer Elmar Schmellenkamp um Sponsoren und Investoren. Seine vage Hoffnung in der «Neuen Rhein Zeitung» angesichts des sportlichen Höhenflugs: «Vielleicht könnten wir ja eine Werbeplattform bieten.» Bis zum 15. Februar muss Schmellenkamp bei der DEL 100 000 Euro als Sicherheitsleistung für die Lizenz 2013/14 einzahlen. Die Bestandssponsoren, zusammen rund 1,2 Millionen Euro wertvoll, würden die DEG mehrheitlich weiter begleiten. Dennoch fehlen weitere 2,4 Millionen Euro.

Vor Jahresfrist glückte das Überleben. Selbst die Toten Hosen beteiligten sich, die Stadt half und auch Aufsichtsratsmitglied Peter Hoberg steuerte privat 700 000 Euro bei. Nun macht sich Befürchtung breit, dass es diesmal nicht reicht. Am Wirtschaftsstandort Düsseldorf hagelt es seit Monaten Absagen.

Eine Möglichkeit könnte China sein. Der Autohersteller Qoros aus Shanghai gilt als interessiert. Brittig ist dennoch skeptisch. «Wenn er lediglich Eigeninteressen verfolgt und uns Dinge vorschreiben will, dann hätten wir das gesamte Umfeld des Vereins ein Jahr lang belogen. Nein, er müsste schon den Weg unseres Konzeptes mitmachen», befand der Coach. Nur bleibt möglicherweise nichts anderes übrig. Denn die Alternative wäre wohl nur der Verkauf der Lizenz.

Spätestens dann wäre Kapitän Daniel Kreutzer - neben Torhüter Bobby Goepfert und Top-Scorer Carl Ridderwall der einzige Star im Team - endgültig weg. «Ich hoffe, dass sich in den nächsten Wochen etwas tut», sagte der 33-Jährige. Der derzeit gesperrte Ex-Nationalspieler hat noch ein Ziel: Endlich einmal Meister werden. «Das ist das einzige, was mir in Deutschland noch fehlt. Es ist die Frage, ob das mit der DEG möglich ist», sagte Kreutzer betrübt. (dpa)

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