Der Mann, der Ali forderte: «Karl der Große» wird 75

Kaiserslautern  Karl Mildenberger war einer der größten deutschen Profi-Boxer. Er stand mit Ali im Ring, holte sich den Europameistertitel und war Weltranglistenerster. Der Kaiserslauterer Mildenberger feiert am Freitag seinen 75. Geburtstag.

Karl Mildenberger (l) in der Hamburger ColorLine-Arena neben Patrizia Reich und Axel Schulz.

Foto:  Kay Nietfeld

Karl Mildenberger (l) in der Hamburger ColorLine-Arena neben Patrizia Reich und Axel Schulz. Foto:  Kay Nietfeld

Wer über Karl Mildenberger spricht, schwärmt vom Kampf gegen Muhammad Ali. Zwar hat der deutsche Profiboxer am 10. September 1966 im Frankfurter Waldstadion gegen die Ring-Legende durch technischen K.o. verloren, doch sein Name wurde fortan weltweit zum Begriff.

«Der Mann war eine Granate. Der hatte mehr drauf als ich», bekennt der knapp fünfeinhalb Jahre jüngere Jürgen Blin, einst ebenso wie Mildenberger Europameister im Schwergewicht. «Vor ein paar Monaten waren wir gemeinsam nach Birmingham zu einer PR-Veranstaltung eingeladen worden. Da haben wir viel über die alten Zeiten geredet», berichtet der Hamburger Blin, der Mildenberger seinen Freund nennt. Hin und wieder treffen sich beide zum Klönschnack.

Gegeneinander haben Mildenberger und Blin nie gekämpft. «Aber einen Schaukampf haben wir mal 1966 in Travemünde gemacht. Da hat natürlich keiner gewonnen, war ja bloß Show», sagt Blin. «Bei einem richtigen Duell hätte ich mich aber warm anziehen müssen. Der war eine Klasse besser als ich.» Auch Blin hat gegen Ali gekämpft. Er verlor 1971 in der siebten Runde, Mildenberger schaffte es immerhin bis Runde zwölf.

Es sei sein «schwerster Kampf seit dem Titelgewinn gegen Sonny Listen» gewesen, gestand Ali und adelte damit Mildenberger. Dem Deutschen wurde daraufhin das Prädikat «Karl der Große» verliehen. «Ich bin stolz darauf, mit Muhammad Ali im Ring gestanden zu haben. Das war die Krönung meines Lebens», sagte Mildenberger später.

«Und ich war stolz, dass ich bei Karls Kampf die deutsche Fahne in den Ring tragen durfte», berichtet Blin. 35 000 Zuschauer waren von Mildenbergers Leistung begeistert, darunter die Ex-Weltmeister Joe Louis und Max Schmeling wie auch die Schauspieler Jean-Paul Belmondo und Ursula Andress.

62 Profi-Kämpfe hat der Rechtsausleger bestritten. 53 gewann er, drei endeten unentschieden, sechs gingen verloren. Der 1964 gewonnene Europameistertitel war seine Eintrittskarte in die Weltspitze. Sechsmal verteidigte er den Titel erfolgreich. Der Pfälzer erklomm 1967 sogar die Spitze der Weltrangliste. Das geschah allerdings in Abwesenheit Alis. Denn dem Wehrdienstverweigerer und Gegner des Vietnam-Krieges war der WM-Titel aberkannt worden. 1968 beendete Mildenberger seine zehnjährige Profikarriere. (dpa)

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