Schröder will Kumpel Schaffartzik die Fersen zeigen

Braunschweig  Beim Phantoms-Gastspiel in Berlin steht das Spielmacherduell des Braunschweiger Shooting-Stars gegen den Nationalmannschaftskollegen im Blickpunkt

Dennis Schröder lässt mit seinem Turbo-Antritt Kumpel Heiko Schaffartzik stehen. Wie hier 2012 im Pokal will er in Berlin erneut glänzen.

Foto: Imago

Dennis Schröder lässt mit seinem Turbo-Antritt Kumpel Heiko Schaffartzik stehen. Wie hier 2012 im Pokal will er in Berlin erneut glänzen. Foto: Imago

Es waren Zuneigung und Respekt auf den ersten Blick. Seit sie sich im Sommer 2009 in der Tunicahalle beobachtet hatten, haben Dennis Schröder und Heiko Schaffartzik ein besonderes Verhältnis. „Damals kam ich zum Training mit der Jugend, und Heiko hat alleine Wurftraining gemacht“, erzählt Braunschweigs Spielmacher über die erste Begegnung mit dem heutigen Nationalmannschafts-Kollegen und damaligen Phantoms-Star.

Schaffartzik blieb noch in der Halle, um das zehn Jahre jüngere Spielmachertalent zu beobachten. „Danach hat er mir Tipps gegeben, und ich habe sie ernst genommen“, berichtet Schröder, der sich zudem bei den Bundesliga-Spielen genau anschaute, was Schaffartzik auf dem Feld bot. „Seitdem unterstützt Heiko mich, wir telefonieren und mailen uns ab und zu.“

Vor ungefähr einem Jahr hatte der Youngster dann Gelegenheit, seinem mittlerweile wieder bei seinem Heimatklub Berlin gelandeten Kumpel im direkten Duell seine Fortschritte zu zeigen. In der Qualifikation zum Top-4-Pokalturnier in Berlin spielte Schröder als damals 18-Jähriger lange 26 Minuten, weil die Braunschweiger Stamm-Spielmacher verletzt waren. Die Phantoms schafften die Sensation, gewannen beim Favoriten 95:89 nach Verlängerung.

Und Schaffartzik, der einige Mühe gehabt hatte, sein Braunschweiger Gegenüber halbwegs unter Kontrolle zu bekommen, lässt seit diesem Tag kaum eine Gelegenheit aus, in Interviews zur Zukunft der Nationalmannschaft Schröder als künftigen Spielmacher anzupreisen.

Am Sonntag tritt der Braunschweiger beim Punktspiel-Duell der Phantoms beim Tabellenvierten zum Hinrundenschluss schon auf Augenhöhe mit seinem Vorbild an. „Diese Saison sieht Heiko, dass ich gemacht habe, was er gesagt hat, und wirklich hart gearbeitet habe“, meint Schröder voller Genugtuung. Oft bekomme er per Handy ein Lob des Berliners. Auch wenn es auf der Spielmacherposition vor allem auf Überblick, Regiekünste und spielerische Reife ankommt, Faktoren, bei denen Schaffartzik noch klar vorne liegt – in der Statistik hat Schröder schon bessere Werte. Vor allem seit er in die Startformation der Phantoms gerückt ist, hat der 19-Jährige den Turbo eingeschaltet.

Sein Kumpel hingegen schwächelt mit den Berlinern. Die Doppelbelastung mit der Europaliga und der Kreuzbandriss von Schlüsselspieler Vule Avdalovic haben die Hauptstädter zuletzt nicht verkraften können, verloren in der Bundesliga dreimal in Folge. Umso konzentrierter werden sie am Sonntag auflaufen, auch wenn ihnen die Europaligapartie von Freitagabend gegen Moskau noch in den Knochen stecken dürfte.

Verbale Vorgeplänkel haben sich Schaffartzik und Schröder gespart. „Vorher reden mag ich nicht, denn da kommt meist nichts Gutes dabei heraus“, sagt der Braunschweiger. Auf dem Feld werde man aber sicherlich ein bisschen „Trash Talk“ austauschen. „Heiko provoziert gerne“, weiß Schröder und fügt cool an. „Ich kann damit umgehen.“

Dabei nimmt er sich im Aufeinandertreffen mit den anderen Nationalspielern immer besonders viel vor. So viel, dass er manchmal überdreht, sich im Privatkrieg verrennt oder ein Offensivfoul einhandelt. „Ich will mich in diesen Duellen dem Bundestrainer zeigen“, begründet Schröder selbstbewusst. So wird es auch gegen Schaffartzik sein. „Heiko ist mit der beste Pointguard in Deutschland – da will ich gut gegen ihn spielen und viel dazu beitragen, dass wir gewinnen“, bekräftigt er.

Zwei Wochen später laufen die beiden dann erstmals gemeinsam im deutschen Allstar-Team auf.

Die Spielmacher im Statistik-Vergleich:

Heiko Schaffartzik

Alter: 29 Jahre

Größe: 1,83 Meter

Saisonstatistik: 27 Minuten im Schnitt, 8,5 Punkte, 3,3 Vorlagen, 1,5 Ballverluste, 2,3 Rebounds, 34 % Gesamt-Trefferquote, 29% Dreier.

Statistik der jüngsten sieben Spiele: 26 Minuten, 6,7 Punkte, 3,4 Vorlagen, 1,4 Ballverluste, 2,4 Rebounds, 24 % Gesamt-Trefferquote, 25% Dreier.

Dennis Schröder

Alter: 19 Jahre

Größe: 1,86 Meter

Saisonstatistik: 25 Minuten im Schnitt, 12,1 Punkte, 3,1 Vorlagen, 2,7 Ballverluste, 2,4 Rebounds, 42,5% Gesamt-Trefferquote, 47% Dreier.

Statistik der jüngsten sieben Spiele (Schröder in der Startformation): 31 Minuten, 15,4 Punkte, 3,6 Vorlagen, 3,7 Ballverluste, 2,8 Rebounds, 43% Gesamt-Trefferquote, 44% Dreier.

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