„Die Center entscheiden die Spiele nicht“

Braunschweig  Phantoms-Sportdirektor Oliver Braun verteidigt seine Personalpolitik. Eric Boateng trainiere stark und könne sich noch steigern

Center Eric Boateng ist momentan das Sorgenkind der Phantoms.

Foto: Frank Rieseberg

Center Eric Boateng ist momentan das Sorgenkind der Phantoms. Foto: Frank Rieseberg

Eine gute Mannschaft ist besser als die Summe ihrer Einzelteile, heißt es. Und nach dieser Definition sind Braunschweigs Basketballer durchaus ein sehr starkes Team. Trotzdem stehen sie unten, und es drängt sich die Frage auf: Sind die Einzelteile diese Saison gut genug?

„Unsere jungen Spieler Dennis Schröder und Erik Land haben 25 beziehungsweise 22 Minuten auf dem Feld gestanden“, unterstrich Phantoms-Trainer Kostas Flevarakis zuletzt in Oldenburg die Entwicklung seiner Youngster und der Mannschaft.

Indirekt machte er damit aber auch das Problem deutlich: Dass nämlich die ausländischen Starter auf den Schlüsselpositionen Aufbau und Center, Miah Davis und Eric Boateng, bislang nicht so stark spielen, wie man sich das bei einem ambitionierten Erstligisten vorstellt.

Während Davis durch Youngster Schröder mehr als nur ersetzt wird, klafft unter dem Korb eine riesige Lücke. Dort, wo zuletzt Kyle Visser zuverlässig dafür sorgte, dass selbst die gegnerischen Top-Center gegen Braunschweig unter ihrer normalen Punkt-Ausbeute blieben, bauen die Phantoms diese Saison die Konkurrenz mangels Gegenwehr geradezu auf.

Ob Triers Andreas Seifert, Hagens Bernd Kruel, Bayreuths Gary McGhee und erst recht die Ligastars John Bryant aus Ulm und Adam Chubb aus Oldenburg übertrafen gegen Braunschweig ihren Punkteschnitt. Und auf der anderen Seite bringt es das Trio Eric Boateng, Nick Schneiders und Erik Land zusammen auf nur knapp 12 Punkte und 7,8 Rebounds pro Spiel.

Phantoms-Sportdirektor Oliver Braun leugnet diese Schwäche unter dem Korb nicht. „Klar muss von unseren Langen mehr kommen“, betont er. Der Kritik, die Phantoms hätten auf der großen Position zu schlecht beziehungsweise zu preiswert eingekauft, begegnet er jedoch mit der Feststellung: „Die Center entscheiden die Spiele nicht.“

Mannschaften mit starken Innenspielern stünden in der guard-lastigen BBL nicht automatisch oben, verdeutlicht Braun. Angesichts begrenzter finanzieller Mittel habe man sich eben für eine starke Außenspieler-Garde entschieden. „Wir lassen lieber einen Chubb 20 Punkte machen, als dass ein Kleiner von der Dreierlinie heiß läuft und uns 30 einschenkt.“

In der Tat kompensierten die Phantoms das Centerproblem dank ihrer mannschaftlichen Stärke bislang so gut, dass sie gegen Spitzenreiter Ulm und den Tabellenzweiten Oldenburg nur mit Pech mit einem Punkt verloren. Der Vierte Trier und Siebte Bayreuth wurden bezwungen, und bei den Niederlagen gegen Hagen und Bonn standen nahezu alle Spieler neben sich.

Doch Braun weiß selbst, dass eine Lücke unter dem Korb auf Dauer nicht zu kompensieren ist. Vorerst gibt er sich dennoch gelassen und sieht den 16. Tabellenplatz nur als Momentaufnahme an. Denn er ist vom Steigerungspotenzial bei Boateng überzeugt: „Im Training spielt Eric schon viel besser, er findet nur noch nicht richtig ins Spiel“, nährt der Phantoms-Sportchef die Hoffnung, dass der Brite demnächst mehr bewegen kann unter den Körben.

Und gelingen in den nächsten drei Spielen gegen die Konkurrenten aus der unteren Tabellenregion – Mitteldeutscher BC (Letzter), Frankfurt (15.) und Tübingen (11.) – Siege, sähe es ja auch schon wieder gut aus für die Braunschweiger.

•Phantoms Braunschweig – MBC, Samstag, 19.30 Uhr, VW-Halle

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder
Captcha
Leserkommentare (8)
    Weitere Artikel aus diesem Ressort