Flevarakis: Wir hätten den Sieg verdient

Braunschweig  Die Braunschweiger Phantoms fühlten sich von den Schiedsrichtern um den Erfolg gegen Vizemeister Ulm gebracht.

Spannung, Intensität, endlich mal wieder eine stattliche Kulisse von mehr als 4000 Fans, am Ende sogar Dramatik, bot der Saisonstart der Braunschweiger Erstliga-Basketballer am Mittwoch in der VW-Halle. Und natürlich Emotionen wegen der Rückkehr des „Abtrünnigen“ Daniel Theis in des Gegners Trikot, der in knallgelben Signal-Schuhen den Pfiffen trotzte, die ihm bei jedem Ballkontakt entgegenschallten, und mit 18 Punkten und 10 Rebounds in 33 Minuten Spielzeit eine Klasseleistung bot.

Aber das Duell der Phantoms-Korbjäger mit Vizemeister Ulm hatte den falschen Sieger. Das fanden zumindest die Braunschweiger, die im 91:92 (80:80, 35:32)-Verlängerungs-Krimi die große Überraschung hauchdünn verpassten. „Wir hätten den Sieg verdient gehabt“, sagte Trainer Flevarakis enttäuscht.

Die Phantoms-Verantwortlichen waren nach dem Schlusspfiff stinksauer auf die Schiedsrichter, die zu allem Überfluss auch noch Trikots in orange – Teamfarbe der Ulmer – getragen hatten. Sie warfen ihnen einseitige Foulverteilung in der zweiten Hälfte vor, aber vor allem jenen möglicherweise spielentscheidenden Patzer in den Schlusssekunden der regulären Spielzeit: Ein Korbleger von Immanuel McElroy wurde im Abwärtsfallen Richtung Ulmer Korb weggeschlagen. Die Regel ist klar: „Goaltending“, der Wurf hätte zählen müssen, was eine 77:76-Führung der Braunschweiger elf Sekunden vor dem Ende bedeutet hätte.

Alle hatten es gesehen, nur die Referees nicht, die weiterspielen ließen. „Ich hätte den Korb für Braunschweig gegeben, sagte sogar Ulms Trainer Thorsten Leibenath als fairer Sportsmann.

Natürlich hätte sein Team den Spielstand in der verbleibenden Zeit noch umbiegen können. Aber so durfte es sogar um drei Punkte wegziehen, weil die Phantoms, um die Uhr zu stoppen, foulen mussten.

Wie die Braunschweiger da ihren Kopf nochmal aus der Schlinge zogen, war großer Sport. Nur 3,7 Sekunden hatten sie Zeit, um per Dreier die Verlängerung zu erzwingen. Und mit einem genialen Spielzug über Thad McFadden, Harding Nana und Casey Mitchell gelang dies tatsächlich. Die Halle stand kopf.

„Ich dachte, nach diesem Treffer würden wir in der Verlängerung noch aggressiver spielen können und Oberwasser bekommen“, sagte der Kunstschütze. „Aber die Ulmer haben gezeigt, dass sie ein sehr gutes Team sind.“ Fünf Sekunden vor dem Ende war es erneut Phantoms-Topscorer Mitchell, der zur 91:90-Führung traf. Doch diese Zeit reichte Ulm, um Freiwürfe zu erzwingen, die Nationalspieler Philipp Schwethelm zum Sieg verwandelte.

Flevarakis versuchte, trotz des frustrierenden Ergebnisses das Positive zu sehen: „Wir haben mehr Rebounds, Vorlagen und Ballgewinne gehabt als dieses Spitzenteam und weniger Ballverluste – da muss ich als Trainer einer so jungen Mannschaft stolz auf sie sein.“

Er hat ein Team zusammengeschweißt, das die Zuschauer mit leidenschaftlichem Kampf mitriss und die deutlichen Schwächen unter dem Korb, wo Erik Boateng noch keine Rolle spielte, mit guter Teamverteidigung und überdurchschnittlicher Wurfstärke von außen wettmachte, indem es 16 Dreier traf.

Allerdings müssen sich die Braunschweiger bei allem Lob auch heftig über ihre vertane Siegchance grämen. Denn den Ulmern fehlten in Watts und Nankivil zwei Leistungsträger, sie spielten nur zu siebt. „Und am Samstag in Trier wird es viel schwerer als heute“, blickte Flevarakis schon mal voraus.

Braunschweig – Ulm 91:92 n.V. (80:80, 35:32)

Viertel: 19:14, 16:18, 23:22, 22:26

Phantoms: Mitchell 21 (54%, 4/5 Dreier, 3 Ballgewinne), Davis 12 (57%, 4 Vorlagen), Nana (27%, 6 Rebounds, 4 Vorlagen), Mittmann 9 (9 Rebounds), Schröder 9 (38%, 5 Rebounds, 3 Vorlagen), McElroy 8 (33%), Land 7 (50%), Kulawick 6 (29%), McFadden 6 (2/3 Dreier), Schneiders 2 (2 Blocks), Boateng 1.

Ulm: Bryant 23 (10 Rebounds), Günther 18, Theis 18 (10 Rebounds), Schwethelm 14, Ray 11, Esterkamp 8, Jeter, Gausa.

Teamvergleich: 39:46 % Trefferquote, 16/31 : 8/22 Dreier, 17/21 : 24/30 Freiwürfe, 42:39 Rebounds, 18:13 Vorlagen, 11:12 Ballverluste, 6:3 Ballgewinne, 27:18 Fouls.

Schiedsrichter: Matip, Simonow, Arik

Zuschauer: 4129

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