„Die Mannschaft braucht noch Zeit“

Braunschweig  Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Bundesliga-Auftakt der Braunschweiger Basketballer. Sie starten am Mittwoch gegen Ulm.

Eindringliche Ansprache: Trainer Kostas Flevarakis hat einen guten Draht zu seinen Spielern um Kapitän Nils Mittmann gefunden.

Foto: Peter Sierigk

Eindringliche Ansprache: Trainer Kostas Flevarakis hat einen guten Draht zu seinen Spielern um Kapitän Nils Mittmann gefunden. Foto: Peter Sierigk

Montagabend haben sich die Braunschweiger Basketballer mit einem gemeinsamen Essen auf die Saison eingestimmt. Alles neu lautet die Devise bei den Phantoms. Teilweise gewollt, in den meisten Fällen aber gezwungenermaßen, hat der Erstligist den Großteil seines Personals ausgetauscht. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zur neuen Spielzeit.

Wie schwer wiegt der Umbruch?

In Michael Umeh, Rich Melzer, Kyle Visser, Branko Jorovic, LaMarr Greer und Stephen Dennis sind die sechs besten Punktesammler der Vorsaison nicht mehr da. Die neuen Spieler sind zumeist jünger und ohne BBL-Erfahrung. Von den Neuen bringen nur Harding Nana und Miah Davis Routine mit. Das wird sich bemerkbar machen.

Kann das neue Team so gut werden wie das der Vorsaison?

Das wäre eine große Überraschung. Offensichtlich wurde der Mannschaftsetat doch erheblich abgespeckt, denn es sind vor allem Körperlänge und internationale Erfahrung, die im Basketball Geld kosten. Und da haben die Phantoms Rückschritte gemacht.

„Alles ist neu, es wäre unfair zu vergleichen“, betont Trainer Kostas Flevarakis. Die jüngeren Spieler und der neue Mannschaftsverbund bräuchten Zeit, um sich zu entwickeln. „Mac (McElroy) ist doch der einzige Spieler mit tragender Rolle, der aus dem Vorjahr übrig geblieben ist.“ Vergleichen lassen wolle er sich erst nach zwei Jahren Aufbauarbeit, sagt der Coach.

Das neue Team sei definitiv unerfahrener, räumt Sportdirektor Oliver Braun ein. „Aber es passt zum Coach und spielt schneller“, erläutert er. „Es wäre keine Mannschaft für Sebastian Machowski gewesen, der erfahrene Leute wollte. Aber Kostas greift stärker ein, gibt so jüngeren Spielern die Führung, die sie brauchen, um sich zu entwickeln.“

Wie lief die Saison-Vorbereitung?

Unbefriedigend. Durch den Abgang von Daniel Theis, die Verletzung von Nick Schneiders und zähe Centersuche hatte das Team in Nana lange Zeit nur einen gestandenen großen Spieler im Training. Kaum war Visser-Ersatz Eric Boateng verpflichtet, fiel er erkrankt aus. Zudem konnten die Phantoms gestern zum ersten Mal seit mehr als einem Monat wieder in der VW-Halle trainieren. „Das ist ein großes Problem“, sagt Flevarakis. Die Umstellung von einer kleinen Trainingshalle falle Spielern erfahrungsgemäß schwer.

Was hat der neue Trainer bislang bewirkt?

Spielerisch und in Sachen Unterhaltungswert und Identifikation ist das noch nicht zu beurteilen. Jedenfalls hat Flevarakis alle Beteiligten von sich begeistert. Es gibt kaum einen Spieler oder Verantwortlichen, der nicht von dem Griechen schwärmt. „Er könnte den Unterschied zu unseren Gunsten machen“, hofft Geschäftsführer Norbert Rüscher. Die Mannschaft wirkt sehr geschlossen, so wie es Flevarakis ihr auf die Fahne geschrieben hat. Die deutschen Spieler haben deutlich größere Rollen bekommen.

Was könnten die Stärken der neuen Phantoms sein?

Herz, jugendlicher Elan, Kampfgeist und eine gute Teamverteidigung, die sie in den Testspielen schon ganz gut umgesetzt haben. Vielleicht auch eine überlegene Fitness nach der harten Vorbereitung.

Mit welchen Schwächen müssen sie leben?

Mit der Unerfahrenheit und der zu dünnen Besetzung auf der Centerposition. Sind Boateng oder Nana verletzt oder sitzen foulbedingt draußen, müssen es derzeit schon die „Lehrlinge“ Jörn Wessels oder Erik Land richten. Schneiders wurde weit zurückgeworfen.

Warum wurde nicht ein starker großer Spieler mehr geholt?

Daniel Theis sollte diese Rolle ausfüllen, die Verpflichtung eines anderen gestandenen Deutschen war nicht realisierbar. Ein US-Profi kam wegen der neuen 6+6-Quote der BBL nicht in Frage, eine Ausländerposition musste gestrichen werden. Dass nicht lieber auf einen kleinen Importakteur verzichtet wurde, begründet Oliver Braun damit, dass die Bundesliga eine „Guard-Liga“ geworden sei. „Bei uns entscheiden die kleinen Spieler die Spiele, alles ist schneller und athletischer geworden, und auch die Langen punkten durch die Vorarbeit der Kleinen, nicht mehr durch Einzelaktionen.“

Hat das Team genug Selbstvertrauen, um erfolgreich zu sein?

„Das kommt mit Erfolgen, aber auch mit der körperlichen Fitness“, sagt Flevarakis. Momentan seien die Spieler noch geschlaucht von der harten Vorbereitung fast ohne Pausen. „Aber bei der Konditionsarbeit schaue ich auf die ganze Saison und nicht auf die ersten Spiele. Wichtig ist, dass die Jungs nicht zu enttäuscht sind, wenn wir erstmal verlieren.“

Ist den Phantoms der vierte Play-off-Einzug in Folge zuzutrauen?

Das wird schwer. „Ich blicke nur von Spiel zu Spiel“, sagt Flevarakis. „Wo wir am Ende landen, wird davon abhängen, ob unsere jungen Leute wie Dennis Schröder schon konstant gut spielen und die Mannschaft mit tragen können.“

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