Phantoms-Defensive spielt zu spät auf Play-off-Niveau

Ulm  Die Saison ist für Braunschweigs Korbjäger schneller als gedacht beendet. Mit 76:85 im 3. Viertelfinale in Ulm schieden sie aus den Play-offs aus.

Ulms Mason Griffin (Mitte) setzt sich gegen Immanuel McElroy (links) und Michael Umeh von den Phantoms durch.

Foto: Stefan Puchner/dpa

Ulms Mason Griffin (Mitte) setzt sich gegen Immanuel McElroy (links) und Michael Umeh von den Phantoms durch. Foto: Stefan Puchner/dpa

Dass die Saison für sie schon zu Ende sein soll, erschien den Phantoms-Basketballern nach dem 76:85 (31:46) am Sonntag in Ulm seltsam irreal. „Ich denke immer noch, ich müsste morgen zum Training gehen“, sagte LaMarr Greer. Zusammen mit Routiniers-Kollege Immanuel McElroy sei er sich in der Kabine darüber klar geworden, dass bislang noch keiner von ihnen in seiner stattlichen Karriere in den Play-offs „gesweept“ worden war, also eine Serie glatt mit 0:3 verloren hatte.

Aber vielleicht war das ja gerade das Problem der Braunschweiger, diese „Morgen-wieder-zum-Training-geh-Routine“. Denn es schien, als spulten sie auch in der Meisterrunde einfach ihr eingefahrenes Programm ab. Samt aller Fehler, samt aller Verteidigungsschwächen und Aussetzer, die über eine Saison gesehen geschehen, in den Play-offs aber nicht passieren dürfen.

Als ihnen dann endlich die Anpassung an die neue Herausforderung gelang, als sie nämlich am Sonntag in der zweiten Spielhälfte anfingen, so hellwach, hart und leidenschaftlich zu verteidigen, wie es in den Play-offs nötig ist, da war es zu spät. Denn da waren erst einmal 17 Punkte Rückstand aufzuholen (31:48, 21. Minute), verdaddelt in Hälfte eins.

Geradezu stümperhaft hatten die Phantoms zum Auftakt eine Handvoll Schnellangriffe vermasselt, für die sie den Ulmern zuvor den Ball abgerungen hatten. Und viel zu egoistisch hatten vor allem Rich Melzer und Branko Jorovic, den schnellen eigenen Abschluss vor Augen, schlechte Angriffsentscheidungen getroffen.

Die Stärke der Braunschweiger, mit Geduld gute Würfe herauszuspielen, kam somit nicht zum Tragen. Dafür ihre Schwäche, nach überhasteten Schüssen gegnerische Schnellangriffe zu stoppen und sich durch gestenreiches Lamentieren selbst um die Konzentration zu bringen. Ulm nahm die Einladung an, zog Mitte des ersten Viertels (Trefferquote 50:28%) mit einer Tempoverschärfung vorbei und davon.

„So konnten wir uns nicht aus der Saison verabschieden“, begründete Sportdirektor Oliver Braun, warum er in der Halbzeit eine Kabinenansprache hielt. „Ich habe gesagt, dass ich noch an unsere Siegchance glaube und dass ich erwarte, dass die Spieler es auch tun und noch mehr investieren auf dem Feld“, gab Trainer Sebastian Machowski seine Pausen-Standpauke wieder.

Sie fruchtete. Die Phantoms machten nach dem Seitentausch nichts neu, aber alles viel besser. Mit einer schnellfüßigen Zonenverteidigung, aber auch intensiverer Eins-gegen-Eins-Anstrengung gelang es ihnen erstmals in dieser Viertelfinal-Serie, richtig Sand in den Angriffswirbel der Ulmer zu streuen.

Die Rebounds nach schlechten Würfen des Gegners gehörten den Braunschweigern, die nun auch Schnellangriffe konsequent abschlossen. Dazu kam die lockere Wurfhand von Michael Umeh, der sein Team mit vier Dreiern in vier Minuten auf 49:55 (28.) heranwarf. Auch wenn Ulm mit drei Dreiern bis zum Viertelende (64:55) konterte, die Phantoms witterten ihre Chance.

Greer, McElroy, Jorovic und Umeh führten sie im Schlussabschnitt mit starken Aktionen weiter heran und brachten sie mit drei Punkten in Führung (35.). Doch diese lange Aufholjagd über eine gute Viertelstunde hatte zu viel Kraft gekostet. Im Tollhaus der 6000 Ulmer Fans wurden die Wurfarme schwer. Die Phantoms trafen nicht mehr, Ulm fand nach dem 72:73-Zwischenstand (37.) das Momentum wieder und machte den Sack zu.

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