Phantoms beklagen Spielmacher-Malheur

Braunschweig  Seit den Verletzungen des Aufbau-Duos LaMarr Greer und Stephen Dennis Ende Januar sind Braunschweigs Basketballer offensiv aus dem Takt geraten

Da war die Phantoms-Welt noch in Ordnung: LaMarr Greer (links) und Stephen Dennis nach dem Heimsieg gegen Trier, ihrem bislang letzten gemeinsamen Auftritt.

Foto: Frank Rieseberg

Da war die Phantoms-Welt noch in Ordnung: LaMarr Greer (links) und Stephen Dennis nach dem Heimsieg gegen Trier, ihrem bislang letzten gemeinsamen Auftritt. Foto: Frank Rieseberg

Fast alle Spitzenteams der Basketball-Bundesliga haben einen herausragenden Spielmacher, der das Geschehen lenkt und, wenn es eng wird, erfolgreich Verantwortung übernimmt. Die Phantoms hatten auf eine andere Variante gesetzt.

Und in der ersten Saisonhälfte waren sie mit ihrem Modell der Unausrechenbarkeit und Variabilität, das die Aufgabe auf mehrere Schultern verteilte, auch gut gefahren. Rang fünf zur Punktrunden-Halbzeit, mit zehn Siegen und sieben Niederlagen, zeugt davon.

Seit vielen Wochen allerdings erweist sich der Aufbau als Problemposition. Beim Top-4-Turnier am Wochenende in Bonn wurden dem Team dort schonungslos die Schwächen aufgezeigt. „Uns fehlt momentan die ordnende Hand, und wir haben unseren Offensivrhythmus verloren“, konstatierte Trainer Sebastian Machowski. Zudem waren die Phantoms auf den Außenpositionen zu langsam.

Die Ursache war das Verletzungspech, das gleichzeitig beide Stamm- Spielmacher ereilte. Auch wenn Ausnahmeathlet Stephen Dennis in Sachen Spielregie Schwächen hatte – im Zusammenspiel mit dem erfahrenen LaMarr Greer, der für Ruhe und Übersicht sorgte, hatte das Phantoms-Spiel funktioniert. Greer war mit 11,7 Punkten zweitbester Scorer des Teams, Dennis steuerte 8,8 Zähler bei. Und als Versicherung konnte immer noch Immanuel McElroy einspringen. Die Aufbauposition schien bestens auch gegen Verletzungen abgesichert.

Dann fielen zum Bamberg-Spiel Ende Januar Greer und Dennis aus. Die Bilanz der Phantoms seither inklusive Pokal: vier Siege, acht Niederlagen.

Dennis ist bis heute am Knie verletzt, Greer kehrte nach drei Partien Pause für seinen lädierten Rücken zwar zurück, ist seither aber nur ein Schatten seiner selbst. In den vergangenen neun Spielen hat die verlängerte Hand Machowskis nur 9 von 62 Würfen getroffen, das macht eine Quote von indiskutablen 14,5 Prozent. Vor seiner Verletzung hatte der 35-Jährige 45,6 Prozent seiner Feldwürfe getroffen.

Für Dennis wurde Igor Milosevic verpflichtet. Doch der Europaliga erfahrene Serbe ist noch keine feste Größe im Team. Ihm fehlte die Spielpraxis, zudem war er mehrfach mit Krankheiten und kleineren Verletzungen außer Gefecht. Aufbau-Minuten bekommt auch Dennis Schröder, doch dem 18-Jährigen fehlen noch Physis und Erfahrung auf diesem Niveau. Und seit die Gegner ihn in ihre Videovorbereitung einbeziehen, kann er sich eins gegen eins kaum noch durchsetzen.

So ist seit vielen Wochen Immanuel McElroy der Spielmacher Nummer eins bei den Phantoms. Das Problem: Im Aufbau ist er gut, aber nicht so effektiv wie auf dem Flügel, wo er nun fehlt. Außerdem steckt auch er, wie Greer, derzeit körperlich in einem Loch. „Wir hatten, seit die Verletzungen anfingen, nie mehr die Chance, uns so zu finden wie geplant“, bedauert Sportdirektor Oliver Braun.

Regeneration heißt deshalb die Überschrift für diese Woche. Das Trio Greer, McElroy, Milosevic muss auf die Beine kommen, damit die Braunschweiger im Play-off-Kampf erfolgreich sein können. Wenigstens die Voraussetzung für eine gewisse Erholung ist gegeben: Nachdem die Phantoms von den vergangenen elf Spielen neun auswärts bestreiten mussten, folgen nun drei Heimpartien in Serie – mehr Zeit für die Pflege der geschundenen Körper.

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