Berliner erteilen Phantoms Lehrstunde

Im dritten Punktspiel kassierten die Braunschweiger Korbjäger beim 68:87 gegen Alba Berlin die zweite Niederlage der Saison. Die Heimweste der Phantoms, die sauber bleiben sollte, ist schon beschmutzt. Die Gäste spielten am Mittwochabend allerdings sehr überzeugend auf.

So lange wie am Mittwoch hat bei Braunschweigs Basketballern selten eine Kabinen-Ansprache gedauert. Trainer Sebastian Machowski hatte eine Menge auszusetzen. Was für ein ernüchternder Auftritt! Machowskis Team war dem Favoriten nach fünf ordentlichen Anfangsminuten in allen Belangen unterlegen und musste sich zwischenzeitlich sogar Pfiffe des Publikums anhören.

Kein Wunder, dass die Spieler beim anschließenden Dehnen auf dem Parkett noch lautstark miteinander diskutierten. Normalerweise verliert man ein Basketballspiel auf Erstliga-Niveau nicht in der ersten Hälfte. „Aber wir haben es fast geschafft“, sagte Machowski sarkastisch.

Baustellen an allen Ecken und Enden

In der Tat war nach der Pause nichts mehr zu holen gegen die absolut selbstbewusst und souverän auftretenden Hauptstädter, auch wenn die Phantoms nun aggressiver verteidigten und vorne auch mal einfache Würfe in Korbnähe herausspielten.

War nach der knappen Niederlage in München noch relativ klar, dass das Problem in der Verteidigung lag, hinterließ die gestrige Partie Baustellen an allen Ecken. Wie beim Champions-Cup in Bamberg bekamen die Braunschweiger gegen eine ausgezeichnete Verteidigung des Gegners auch offensiv wenig geregelt. Spielmacher Steven Dennis wirkte überfordert, das Mannschaftsspiel kam nicht in Gang.

Allerdings verteidigten die Berliner auch exzellent: schnellfüßig, physisch so hart, wie es ihnen die Schiedsrichter erlaubten – und das war oft härter als es die Braunschweiger durften –, aufmerksam beim Aushelfen und immer mit enormem Überblick. Nahezu jeder der zehn Ballverluste oder der Fehlwürfe der Phantoms wurde mit einem Schnellangriff bestraft. Und das waren viele angesichts der erschreckenden Trefferquote von 35 Prozent vor der Halbzeit.

Immanuel McElroy überzeugte kämpferisch

Als das Braunschweiger Spiel nach dem Seitentausch aggressiver, durchdachter und somit vorne wie hinten erfolgreicher wurde, waren die Gäste mental schon unantastbar. Zwar hatten sich die Phantoms von minus 25 (38:63, 27.) auf minus 15 Punkte (55:70, 33.) herangekämpft, aber Berlin zog sofort wieder auf 55:78 weg, nachdem Nils Mittmann ungerechtfertigt ein Unsportliches Foul angehängt worden war.

Ansonsten prägten neben Berlins Star-Spielmacher DaShaun Wood jene Spieler die einseitige Partie, die gegen ihr ehemaliges Team antraten. Ex-Phantom Heiko Schaffartzik traf all seine fünf Würfe, darunter zwei Dreier und zweimal spektakulär in letzter Sekunde.

Auf Braunschweiger Seite ging Immanuel McElroy kämpferisch und spielerisch mit bestem Beispiel voran, erzielte die ersten sieben Punkte. Er lieferte sich ein tolles Duell mit seinem Ex-Kollegen Bryce Taylor und kämpfte die gesamte Spielzeit über vorne wie hinten um jeden Zentimeter. „Wir brauchen mehr Leute von der Sorte, die sich reinbeißen in die Spiele, sich voll dem Gegner entgegenstemmen und alles versuchen“, sagte Machowski. „Aber teilweise haben wir Berlin spielen lassen wie im Training.“

Auch McElroy war sauer. „Wir haben unseren taktischen Plan nicht eingehalten“, ärgerte er sich. Klar, dass der Trainer da am Ende eine Menge zu meckern hatte.

Phantoms – Berlin 68:87
Viertel: 16:25, 10:22, 20:21, 22:19
Braunschweig: McElroy 13 (44 % Trefferquote, 4 Steals, 3 Assists), Visser 10 (5 Rebounds), Greer 10 (3 Ballverluste, 3 Assists, 2/4 Dreier), Dennis 8, Schneiders 6 (100 %, 5 Rebounds), Williams 6 (17 %), Melzer 6 (29 %), Theis 4, Mittmann 3, Schröder 2, Kulawick.
Berlin: Wood 16 (33 %, 6 Assists), Francis 15, Schaffartzik 12 (100 %, 6 Assists), Allen 11, Taylor 9, Weaver 9, Idbihi 8, Simonovic 5, Staiger 2, Schultze, Ney.
Teamvergleich: 46:57% Trefferquote (26/57 : 33/58), 4/11 : 7/15 Dreier, 12/19 : 14/16 Freiwürfe, 29:32 Rebounds, 7:9 Ballgewinne, 14:9 Ballverluste.
Schiedsrichter: Lottermoser, Kovacevic, Lauprecht.
Zuschauer: 3728

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