Schöneres Fernsehen verhinderte das Nahsehen

Nur wenn die Akrobaten und Künstler schön hochgehalten wurden, konnten sie auch von allen Zuschauern gesehen werden.

Foto: Rudolf Flentje 

Nur wenn die Akrobaten und Künstler schön hochgehalten wurden, konnten sie auch von allen Zuschauern gesehen werden. Foto: Rudolf Flentje 

Kamera-Kran des NDR empörte viele Zuschauer beim Feuerwerk der Turnkunst – Auch der Veranstalter ist sauer: "Absprachen wurden nicht eingehalten."

Das Feuerwerk der Turnkunst hat bei den beiden Aufführungen am Sonntag in Braunschweig für Begeisterungsstürme gesorgt. Doch eine ganze Reihe der 13000 Zuschauer in der VW-Halle konnten nur ahnen, wie schön es war. Weil sie schlicht nichts oder nur sehr eingeschränkt etwas sehen konnten. So wie unsere Leserin Marianne Wieland.

"Ich saß in Block A, Reihe fünf. Und was hinten am Boden passierte, habe ich gar nicht gesehen. Nur, wenn die Sportler und Akrobaten Sprünge gemacht haben, waren sie zu sehen." Schuld daran war der Kamera-Kran des NDR. "Auch wir haben Beschwerden bekommen. Und auch wir sind sauer über den NDR", sagte Produktionsleiter Wolfram Wehr-Reinhold und erklärte: "Das Grundproblem war, dass die Veranstaltung schon im Mai ausverkauft war, das Fernsehen aber erst im September entschieden hat, die Show in Braunschweig aufzuzeichnen. So war es uns im Nachhinein nicht möglich, ganze Sitzreihen freizuhalten."

Trotzdem habe der Veranstalter teilweise erfolgreich für Abhilfe sorgen können. Durch zusätzliche Bestuhlung im Innenraum war es möglich, eine ganze Anzahl an Besuchern umzusetzen. Dass es dennoch viele Verärgerte gab wie Marianne Wieland, empört auch Wehr-Reinhold. "Der NDR hat sich an viele Absprachen nicht gehalten. Deshalb ist alles noch schlimmer geworden. Wir werden unsere Lehren daraus ziehen." Und der Produktionsleiter betonte: "In Zukunft werden wir lieber auf das Fernsehen verzichten, als dass so etwas wieder vorkommt. Das war so nicht zumutbar, wie es abgelaufen ist. In jedem Fall wird es bei unseren Produktionen nie wieder einen Kamera-Kran geben."

Hallen-Chef Stefan Lemke kennt die Probleme mit den Kamera-Kränen, die seit einigen Jahren für interessante Perspektiven auf den heimischen Bildschirmen sorgen, zur Genüge. "Uns trifft aber keine Schuld, denn wir stellen ja nur die Halle zur Verfügung. Das ist Sache der Veranstalter. Allerdings ist es schon so, dass die Fernsehsender sehr gern aus der VW-Halle übertragen, weil hier die Bedingungen einfach optimal dafür sind."

Ende November hatte es zuletzt massive Beschwerden wegen Sichtbehinderungen durch einen Kamera-Kran des NDR gegeben, bei der Weltmeisterschaft im Formationstanzen. Da allerdings war die Sachlage anders. Dass das Fernsehen übertragen würde, war von vornherein klar gewesen. Dies beim Kartenverkauf zu berücksichtigen, hatte der Veranstalter schlicht vergessen.

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