Das Werfer-Gen lag bei Branko Jorovic in der Wiege

Es muss nicht immer der Wurf sein: Branko Jorovic (hinten, bei seinem Saisondebüt gegen seinen serbischen Landsmann im Oldenburger Trikot, Milan Majstorovic) gilt auch als exzellenter Passgeber.

Foto: Andreas Burmann 

Es muss nicht immer der Wurf sein: Branko Jorovic (hinten, bei seinem Saisondebüt gegen seinen serbischen Landsmann im Oldenburger Trikot, Milan Majstorovic) gilt auch als exzellenter Passgeber. Foto: Andreas Burmann 

Wer nach einem Monat Verletzungspause und nur zwei Teamtrainings das Feld betritt und gleich mal zwei Dreier versenkt, könnte es tatsächlich haben: das Werfer-Gen von Cacak. "Vielleicht gibt es so was ja wirklich", lacht Branko Jorovic. Er ist in der Basketball-Hochburg geboren.

Seit Jahrzehnten rankt sich eine Legende um das serbische Städtchen, aus dem viele hervorragende Profis, spätere Weltmeister und Olympiasieger, und eben besonders begnadete Werfer kommen. Wie der Neu-Braunschweiger Jorovic, der nach Aussage von Phantoms-Sportdirektor Oliver Braun "dem Gegner auch das Licht ausschießen" könne.

Angeblich waschen sich die Basketballer die Hände in der Morava, dem Fluss, der den 73000-Einwohner-Ort durchzieht und nahe an der Basketball-Halle des Traditionsklubs Borac Cacak vorbeifließt. Denn die Legende besagt, dass man dann nahezu jeden Wurf trifft.

"Diese Geschichte gibt es seit 50 Jahren, und die Leute haben das früher bestimmt gemacht", berichtet Jorovic, der sein Handwerk ebenfalls bei Borac lernte. Er selbst sei dem Ritual allerdings nicht gefolgt. "Und ich kenne auch keinen anderen aus den jüngeren Generationen." Gießens Spielmacher Radenko Pilcevic stammt aus Cacak, auch die letztjährigen Berliner Profis Marko Marinovic und Tadija Dragicevic.

Für Branko Jorovic stand am Sonntag in Oldenburg aber das Dreierwerfen nicht an erster Stelle. Erstmal in den Wettkampf-Rhythmus kommen und seine Rolle wiederfinden, hießen die Aufgaben für den 29-Jährigen, dem ein verhärteter Bluterguss aus dem Oberschenkel operiert worden war. "Das ist mir ganz gut gelungen, ich habe dem Team geholfen, diesen wichtigen Sieg zu holen", meinte er zufrieden.

Froh ist Jorovic auch, dass die langweilige Zeit vorbei ist, in der er meist zu Hause allein in seinem Appartment saß. Seine Frau und sein Töchterchen sind vor einiger Zeit zurück nach Serbien geflogen – Visa-Angelegenheiten mussten geklärt werden – und kehren erst in einigen Wochen zurück. "Zum Glück kann man in Braunschweig überall lecker Essen gehen, da muss ich mir nichts kochen", sagt er.

Mittlerweile bestimmen Training und Spiele wieder seinen Alltag und die Gedanken. Sonntag, beim Meister Bamberg, will sich Jorovic um den Baskets-Star und Landsmann Predrag Suput kümmern. "Ich kenne ihn gut, wir haben in der serbischen Liga und vielen Pokalfinals direkt gegeneinander gespielt", erzählt er. "Ich werde versuchen, ihn zu stoppen – aber versprechen kann ich nichts." Denn so erschöpft er sich nach dem gestrigen Training die Treppen der Tunicahalle hoch bemühte, räumte er gleich ein: "Zehn Tage oder zwei Wochen werde ich wohl noch brauchen, um wieder richtig in Form zu kommen."

Spätestens dann will er seine ganze Vielseitigkeit auf mehreren Positionen, seinen Spielwitz und natürlich seine Wurfstärke für die Phantoms einbringen. "Mal sehen, wie mein Wurf fällt diese Saison", scherzt er. "Vielleicht hole ich das mit dem Händewaschen in der Morava ja doch noch nach."

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