Die Außenseiter des Volleyballs

Libero Timo Hahn (kniend) ist beim USC zur Zeit noch unersetzlich, weshalb die Braunschweiger diese Position einfach unbesetzt lassen.

Foto: Archiv 

Libero Timo Hahn (kniend) ist beim USC zur Zeit noch unersetzlich, weshalb die Braunschweiger diese Position einfach unbesetzt lassen. Foto: Archiv 

Morgen erwarten die USC-Volleyballer den Rumelner TV. Und wie alle anderen 14 Gegner der zweiten Bundesliga hat dieses Team etwas, das der USC nicht hat: Einen Libero.

Beim Fußball gab es den Libero eigentlich seit Mitte der 1990er Jahre nicht mehr. Ein Relikt einer Zeit ohne Viererkette und perfektionierter Abseitsfalle sei es. Und so düpierte Otto Rehhagel 2004 mit seiner griechischen Nationalmannschaft die Fachwelt mit dem Gewinn der Europameisterschaft. Mit Libero. "Modern ist, wer gewinnt", begründete Rehhagel das Spiel mit dem Abwehrspezialisten.

Beim Volleyball ist es umgekehrt. Wer ohne Libero spielt, ist ein Außenseiter. Und der USC aktuell sogar der Einzige. Fast alle Teams der oberen Ligen vertrauen auf diesen Spezialisten zur Abwehr der gegnerischen Aufschläge. "Ich glaube zwar, dass alle mit einem Libero spielen, weil alle das tun", sagt Trainer René Zornow, gesteht aber ein, dass es im Fall des USC eher aus der Not heraus anders gekommen sei.

USC-Libero Timo Hahn, einer der Besten in der 2. Bundesliga, ging vor der Saison für ein Semester ins Ausland, kehrt also erst Anfang nächsten Jahres zurück. "Das wussten wir natürlich schon frühzeitig, aber haben nicht die Möglichkeiten, einen adäquaten Ersatz zu verpflichten", erklärt Zornow, warum er die Position zunächst intern besetzen wollte.

Verletzungspech verhinderte das aber, und so steht der USC jetzt ohne Libero auf dem Feld. Das Problem daran begründet sich ähnlich, wie das Spiel aller Bundesligisten mit Libero: Volleyballspieler werden früh als Spezialisten für ihre Position ausgebildet. Das machen alle, deswegen machen es alle. "In der Regel kann jeder nur das wirklich gut, was er können soll. Das läuft mir eigentlich zuwider", sagt Zornow und muss gestehen, dass keiner seiner Spieler in der Lage ist, Hahn in der Annahme das Wasser zu reichen.

"Wenn ein Gegner ein gutes Aufschlagsspiel hat, kriegen wir große Probleme", weiß der USC-Trainer. Leverkusen und zuletzt Ammerland hatten einen starken Aufschlag und hätten den USC folglich "in der Annahme zerpflückt."

Er weiß aber auch, dass er viele junge Spieler hat, deren Ausbildung noch nicht abgeschlossen ist. "Deswegen können wir das überhaupt probieren, weil unsere Spieler noch nicht so spezialisiert sind", sagt Zornow. Und dann gibt es da noch einen Vorteil, der sich bezahlt machen kann. Der Libero beim Volleyball darf sich nicht in den Angriff mit einschalten. Spielt man ohne ihn, ist man folglich variabler. Zornow gibt dem System eine Chance. Wenn Hahn zurückkommt, müsse er sich erst neu beweisen, um den Libero wieder zu etablieren.

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