Zwangspause für einen Anführer
Braunschweig Lions spielen heute ohne Co-Trainer Engisch im Football-Europapokal
BRAUNSCHWEIG. "Gestatten, Engisch, nicht Englisch!" So begrüßte mich Matthias Engisch vor gut elf Jahren auf dem Trainingsplatz, nachdem ich ihn als Neuzugang der Braunschweig Lions namentlich falsch vorgestellt hatte. Ein ernster, entschlossener Gesichtsausdruck flößte zusammen mit dem 145-Kilo-Körper Respekt ein. Auch wenn sich seine Mundwinkel sehr schnell wieder zum Lächeln formten, habe ich nie wieder Englisch geschrieben, wenn ich Engisch meinte.
Als Spieler war er bis vor gut drei Jahren einer der wichtigsten Beschützer des Spielmachers, ein herausragender Mann der Offenseline. Dann wechselte Engisch in den Trainerstab, coachte jenen Mannschaftsteil, dem die Quarterbacks alles zu verdanken haben – Freiheiten beim Werfen, wenn es gut läuft, genauso wie Schlüsselbeinbrüche, wenn es schlecht läuft.
Matthias Engisch ist kein typischer Trainer, keiner der über den Dingen steht. Auch wenn er schon lange nicht mehr spielt, wirkt er eher wie ein Anführer, nicht wie ein Befehlshaber. Logisch, nicht jeder liebt ihn, aber die meisten aus seiner eingeschworenen Truppe hängen an seinen Lippen, halten es aus, wenn er sauer wird und wie ein Orkan auf sie niederbläst. Und sie genießen es, wenn er sie in die Arme nimmt.
Matthias Engisch ist ein emotionaler Typ. Sein Motto: Auch starke Männer dürfen weinen. Und so flossen Tränen, vor allem bei ihm selbst, als der 39-Jährige der Mannschaft mitteilte: "Dieses Jahr falle ich aus. Aber ich komme wieder."
Bei einem schweren Motorrad-Unfall im Vorjahr, den er nicht verschuldet hatte, verletzte sich Engisch schwer. Immer wieder gab es im Genesungsprozess herbe Rückschläge. Das Immunsystem streikte. Und so erhielt der Computer-Fachmann die rote Karte von den Ärzten.
"Ich muss jetzt erstmal total abschalten. Ich erkundige mich zwar nach den Ergebnissen, aber ich brauche Abstand vom Football. Wenn ich was mache, dann zu hundert Prozent. Ich darf nichts mehr machen. Also null Prozent", sagt er. Und so wird er heute im Eurobowl-Vorrundenspiel der Lions auch nicht einmal auf der Tribüne sitzen, der Herr Engisch, nicht Englisch.
Eurobowl-Vorrunde: Braunschweig Lions – Bolzano Giants, Samstag, 16 Uhr, Stadion am Salzgittersee.



