Wie Ballträger und Ausnahmespieler Scott zum Quarterback wurde
US-Boy versucht in der Schlussphase alles – Ullrich gewinnt Spielmacher-Duell
MARBURG. Drei Spielmacher stehen nach dem piel an der Würstchenbude und trinken drei Bier, jeder eins. Einer lächelt, Marburgs legendäre Nummer 12, Joachim Ullrich. Einer schaut verschmitzt drein, Braunschweigs kopfschmerzgeplagter Stamm-Quarterback Dennis Zimmermann. Und einer, Fabian Schorn, Braunschweigs Ersatzmann, weiß noch nicht, ob er nett gucken soll. Drei Anführer, aber nur einer wurde zum Helden. Ullrich führte seine Marburger Männer ins Halbfinale der deutschen Meisterschaft.
Und es gab noch einen Boss auf dem Platz. Noch ohne Bier, aber auch wie viele andere mit Schmerzen: Austin Scott. Der US-Amerikaner wurde in seinem ersten Jahr in Deutschland gleich der beste Ballträger der Liga. Und gestern spielte er in der Schlussphase sogar als Spielmacher, nahm sich selbst vom Center den Ball und trug ihn wie eine unwiderstehlich rollende Dampfwalze meterweise nach vorn. Allerdings zu spät, um dem Spiel eine Wende geben zu können.
"Ich bin im Rasen gleich ganz am Anfang hängen geblieben und habe mir das Bein verdreht", berichtete Scott, "aber ich wollte unbedingt noch einmal auf den Platz." Als Spielmacher? "Nein, ich wollte unbedingt nicht verlieren. Und dafür war mir alles recht. Quarterback ist eine coole Position. Ich habe das vorher noch nie gespielt", meinte der 25-Jährige.
Ob die Lions-Fans ihn nächstes Jahr wiedersehen werden? "Ich finde Deutschland toll und ganz besonders Braunschweig und seine Fans. Ich werde versuchen, in den USA in einer Liga unterzukommen. Ich hatte zwei Jahre lang nicht mehr gespielt. Nun habe ich gesehen, dass ich es noch kann. Ich könnte mir schon vorstellen, hier wieder zu spielen."
Derweil dachte Ullrich weniger an nächstes Jahr, er spielt ja nächste Woche in Marburg ersteinmal das Halbfinale gegen Berlin.
Schorn möchte nächstes Jahr unbedingt in Braunschweig daran feilen, sein Spiel zu perfektionieren. Und Zimmermann? "Wenn ich diese Kopfschmerzen los bin, will ich ein paar Wochen nicht mehr an Football denken."
