Wenn Leidenschaft zu Leiden führt
Lions-Footballer kämpfen meisterlich, unterliegen aber Kiel und verspielen fast alle Play-off-Chancen
BRAUNSCHWEIG. In der Luft knisterte es vor Spannung wie vor einem brachialen Gewitter. Auf dem Feld schepperten die Rüstungen zusammen, was das Zeug hält. Kampf und Leidenschaft bis zur völligen Erschöpfung. Trotzdem: Wieder kein Sieg für die Lions.
Knapp 5000 Zuschauer im Eintracht-Stadion sahen im letzten Football-Heimspiel des Jahres ein denkwürdiges Spiel, das letztlich die Gäste von den Kiel Baltic Hurricanes mit 35:28 gewannen. Die deutschen Meister aus Braunschweig müssen weiter um die Teilnahme an der Play-off-Runde bangen, können aus eigener Kraft die K.o.-Runde nicht mehr erreichen.
Spielerisch waren die Kieler mit ihren amerikanischen Ausnahmeathleten vor allem im Angriff überlegen. Unberechenbar, präzise, flexibel und enorm beweglich setzten sie die Lions von Beginn an unter Druck. Wann immer die Braunschweiger die Lösung gefunden zu haben schienen, stellten die Kieler um und die Gastgeber vor neue Probleme.
Als schon zur Pause wegen Verletzungen mit Bernhard Filipiak und Dennis Engelbrecht zwei Lions-Türme in der Abwehr-Schlacht wegbrachen und auch noch US-Star Donald Thomas humpelte, schwante den Braunschweiger Fans Böses.
"Nach der Pause standen bei uns einige Spieler auf dem Platz, die da nicht stehen sollten", sagte hinterher Linienspieler Jens Heinecke. Trotzdem schafften es die Gäste nicht, sich frühzeitig abzusetzen. Ein Verdienst des unbändigen Willens der Lions, nicht zu verlieren.
"Ich bin nicht überrascht, dass die Lions so gut gekämpft haben. Ich zolle ihnen allerhöchsten Respekt für diese Leidenschaft. Sie haben es uns sehr schwer gemacht", urteilte Kiels Coach Kent Anderson, der Ex-Braunschweiger.
Donald Thomas, der wie ein Irrwisch in der zweiten Verteidigungsreihe links, rechts und in der Mitte zu finden war, je nachdem, wo es am meisten brannte, war wie seine meisten Kollegen sehr traurig. "Die Abwehr ist gut, unser Angriff verbessert sich ständig, das Team hat es verdient, die Play-offs zu spielen."
Seit er vor einigen Wochen zum Team kam, läuft es deutlich besser in der Lions-Verteidigung. Und weil die Saison für die Braunschweiger schon nächste Woche in Berlin zu Ende sein könnte, ist auch ein Blick weit voraus gestattet. Eine Zukunft mit Thomas wäre klasse.
Das findet der Amerikaner auch. "Ich liebe Europa, ich liebe Deutschland, Braunschweig und seine Fans. Ich würde sehr gerne wiederkommen."
Was am Samstag allerdings gar nicht gefiel, war die Disziplin einiger Akteure. So kassierten die Lions mehrere Strafen, die den Gästen immer ausgerechnet dann halfen, wenn sie am Boden zu liegen schienen. Aber vielleicht muss man das in Kauf nehmen. Der Grat ist schmal zwischen Leidenschaft und Übermotivation, zwischen Kampfgeist und Foul, zwischen blitzschneller Reaktion und Fehlstart.
