Weniger Lions für mehr Erfolg
Braunschweigs neuer Football-Cheftrainer reduziert den Kader und schürt den Konkurrenzkampf im Team
BRAUNSCHWEIG. Die Lions-Footballer sind deutsche Rekordmeister. Im Vorjahr allerdings verpassten die Braunschweiger erstmals seit 1995 die Play-offs. Danach wurde alles überdacht und auf den Prüfstand gestellt. Und kaum etwas bleibt, wie es war.
Mit Matthias Engisch rückte ein Mann auf die Cheftrainer-Position, der als Spieler entscheidenden Anteil am Ruhm der Lions Ende der 1990er Jahre hatte. Ihm geht es also nicht nur darum, Titel zurückzuholen. Engisch will ein Team formen, das wieder in der Lage ist, zu einer Legende zu werden, sich in die Herzen der Fans zu spielen.
Und das, so lautet sein Credo, funktioniert nicht mit wackeren Einzelkämpfern, sondern nur mit einer eingeschworenen Gemeinschaft. Daran arbeitet Engisch seit Monaten akribisch. Wie das auf dem Platz aussieht, darauf sind die Fans gespannt. Am 2. Mai steigt im Eintracht-Stadion der Bundesliga-Auftakt gegen die Dresden Monarchs.
Sicher ist, dass die Lions dann für die Zuschauer rein optisch genauso viele sein werden wie im Vorjahr. Doch der tatsächliche Kader wird geschrumpft sein. "Ich will keine Spieler in der Mannschaft haben, die sich freuen, ein Lions-Trikot zu tragen, die aber nicht in der Lage sind, alles für die Mannschaft zu geben. Was hilft mir ein 70-Mann-Kader, wenn maximal 45 Spieler nur aufgestellt werden dürfen?", fragt der Chefcoach und legt sich fest: "50 Mann reichen mir im Kader."
Mindestens drei davon sind Spielmacher. Alles Deutsche. Das ist ungewöhnlich in der Bundesliga. Schon im Vorjahr trug Dennis Zimmermann die Hauptlast der Angriffsführung. Zimmermann gilt seit Jahren als größtes deutsches Talent. "Aber er hat sich nicht weiterentwickelt", sagt Engisch.
Die Folge: Zimmermann ist nicht automatisch gesetzt. Engisch: "Mir ist völlig egal, wie unser Quarterback heißt. Der beste Mann spielt." Zweifelsohne besitzt Zimmermann die größte Erfahrung. Jedoch bemängelte der Quarterback im vergangenen Jahr, dass viele Mannschaftsteile einen Spezial-Trainer hätten, nur nicht die Spielmacher. "Diese Kritik war berechtigt. Deshalb haben wir mit Harald Völkel nun einen Co-Trainer, der sich ausschließlich um die Quarterbacks kümmert", erklärt Engisch.
Völkel gehörte als vielseitiger Angreifer zu den Urgesteinen der Lions, zur Garde der Legendären, zu den Unvergessenen, so wie Engisch. Nach seiner aktiven Laufbahn arbeitete Völkel in Wolfsburg als Chefcoach und kehrt nun zurück.
Für Zimmermann wird die neue Saison also auch eine der Wahrheit. Wenn er sich nicht durchsetzt, droht er durch die noch Unbekannten Marcus Rodemann oder Fabian Schorn abgelöst zu werden. Setzt er sich durch, spielt er sich in die Herzen der Fans. Dann ist es nicht mehr weit, unvergessen zu bleiben. Als Legende der Braunschweig Lions.


