"Unsere Amerikaner sind Glücksgriffe"
Interview mit Lions-Cheftrainer Matthias Engisch – Samstag kommt Football-Meister Berlin nach Braunschweig
BRAUNSCHWEIG. Mit zwei Siegen und zwei Niederlagen sind die völlig neu formierten Braunschweig Lions in die Football-Saison gestartet. Nach dreiwöchiger Pause setzen die Lions die Spielzeit am Samstag mit dem Heimspiel gegen Meister Berlin Adler fort. Cheftrainer Matthias Engisch zieht im Interview mit Sportredakteur Frank Rieseberg eine Zwischenbilanz.
Ein Drittel der regulären Saison ist vorbei. Wie sehen Ihre Eindrücke aus?
Man hat gesehen, dass wir mitspielen können. Der Grund für die Niederlage zum Auftakt gegen Dresden war vor allem extreme Nervosität. Aber in Plattling und gegen Essen, die nun überraschend Tabellenführer sind, haben wir gewonnen. Und beim Hinspiel gegen die Adler haben wir bis kurz vor Schluss geführt.
Was muss besser werden?
Wenn wir es schaffen, wie gegen Essen vier Viertel lang kontinuierlich sehr gute Leistungen zu bringen, konzentriert zu bleiben und die Nerven zu behalten, sind wir für jeden Gegner schwer zu schlagen. Die Einstellung aus dem Essen-Spiel müssen wir in jedem Spiel zeigen.
Was hat Sie bisher positiv überrascht?
Es war schon toll zu sehen, wie wir sehr schnell zu einer gewissen Einheit zusammengewachsen sind. Schließlich haben wir viele neue Spieler, die aus Göttingen, Hamburg, Hannover oder sonstwo hergekommen sind. Viele von ihnen aus der 2. Liga. Und ich muss sagen: Wir sind zwar noch nicht ganz die Familie, die wir anstreben zu sein, aber das Team hat sich schon sehr schnell gefunden.
Wie beurteilen Sie die amerikanischen Neuzugänge? Da ist die Gefahr doch groß, Fehlverpflichtungen zu tätigen.
Das stimmt. Aber alle unsere Amerikaner sind echte Glücksgriffe. Sie sind so, wie wir uns das gewünscht haben: keine Egoisten, keine Männer mit Star-Allüren. Alle spielen extrem mannschaftsdienlich und schaffen es darüber hinaus, durch ihr Können Höhepunkte zu setzen. Dass sie nicht den Star raushängen lassen, kommt bei den Mitspielern sehr gut an.
Und ich glaube auch bei den Fans. Und auch wir Trainer haben es einfacher, wenn sich die Importspieler so wie unsere auch mal was sagen lassen.
Was hat den Lions die Mini-Pause gebracht?
Es gab laute Stimmen von Kritikern, die gesagt haben: Wie könnt ihr nur in der dreiwöchigen Spielpause eine Woche gar nicht trainieren. Aber wir Coaches wissen ganz genau, was wir unseren Spielern zumuten können und was nicht.
Wir haben nach Trainingslager und vier Spielen bei einigen festgestellt, vor allem jenen, die aus der 2. Liga gekommen sind, dass sie mit Intensität und Pensum in der 1. Bundesliga zu kämpfen haben. Das spiegelte sich auch in vielen kleinen Verletzungen wider.
Die Pause hat uns mehr gut getan, als dass sie uns aus dem Rhythmus gebracht hätte.
Wie lautet das Ziel für die Restsaison?
Wir wollen auf jeden Fall in die Play-offs und um die deutsche Meisterschaft mitspielen. Das heißt Minimalziel ist Platz vier in der regulären Saison. Es wäre frech zu sagen, hey, wir wollen deutscher Meister werden. Da sind Berlin und Kiel mit 80 und 70 Leuten im Kader einfach ganz anders besetzt als wir mit weniger als 50 Spielern. Aber wir wollen das Rennen so lange wie möglich offen gestalten.
Wie kann man den Meister Berlin Adler am Samstag schlagen?
Wir müssen das zeigen, was sie am wenigsten erwarten, sie möglichst auf dem falschen Fuß erwischen. Die Berliner standen dieses Jahr schon öfter knapp vor einer Niederlage, haben sich dann aber doch noch durchgebissen.
So wie gegen uns. Also müssen wir diesmal kontinuierlich Qualität zeigen, in jedem Viertel punkten. Und vor allem muss der Angriff lange den Ball halten, Zeit von der Uhr nehmen und unserer Defense Pausen zum Verschnaufen geben.
Braunschweig Lions – Berlin Adler, Samstag, 19 Uhr, Eintracht-Stadion



