Umbruch im Angriff – Schwere Jungs planen ihren Abschied auf Raten
Der Football-Meister aus Braunschweig muss Verjüngungsprozess fortsetzen
BRAUNSCHWEIG. Das Kurz-Trainingslager vor dem Football-Halbfinale haben die sieben Mitglieder der Lions-Angriffs aus der eigenen Tasche bezahlt. "Wir hatten etwas gutzumachen und in Marburg unser bisher bestes Saisonspiel gemacht", erzählt der 29-jährige Christoph Wolk, einer aus diesem Septett.
"Unsere Reihe ist eine der alten Männer", sagt der zwei Jahre ältere Ludger Uckermann und Lars Lupprian (36) stellt fest: "Wir haben halt jedes Jahr den Angriff der nachrückenden Talente abgewehrt." Allerdings haben die erfolgreichen Jahre Spuren hinterlassen. Wolk plagt eine chronische Achillessehnenentzündung, Uckermann kühlt seine lädierten Knie nach den Spielen mit Eis, und Lupprian beklagt unter anderem schmerzende Füße.
Im Gegensatz zu Wolk und Uckermann denkt Lupprian ans Aufhören. Sollte am Samstag in acht Tagen beim German Bowl in Frankfurt der vierte Titelgewinn hintereinander gelingen, wäre wohl der ideale Termin hierfür gefunden. Der Betriebswirt will zudem mit Freundin Jeanett eine Familie gründen und wird den Lions nicht mehr die Zeit einräumen, wie in den vergangenen sieben Jahren.
Im Spätherbst ihrer Laufbahn stehen auch Ulli Gravogl (33) und der Drei-Zentner-Mann Lars Dittmann (38). Wenngleich Steve Tang (32) und die zehn Jahre jüngeren Jan Lanser und Marvin Joppe Talente diese Lücken schließen könnten, befürchtet Lupprian, dass der Generationswechsel nicht nahtlos gelingen könnte.
"Der Verein sollte auf die eigene Jugend setzen, notfalls wird ein, zwei Jahre das Finale nicht erreicht", sagt der 36-Jährige, der seine Ellenbogenprellung bis zum Endspiel gegen die Kiel Hurricanes ausgeheilt haben wird.
Wer ist in Frankfurt Favorit? – Nach dem 14:33 der Lions in Kiel sehen Wolk und Lupprian die Hurricanes in dieser Rolle, sie versichern aber: "Das ist eine Frage des Willens. Wenn wir unserer Potenzial ausschöpfen, schaffen wir’s."
Auch das Lions-Management will das Feld nicht kampflos räumen. Sportdirektor Dirk Miehe: "Wir warten für die neue Saison nur noch auf die Unterschriften von ein paar Verstärkungen."
Diese markigen Worte sind auch eine Kampfansage an die Kieler, die wie Kölns Runningback Luon Spearman viele Asse an die Ostsee gelotst haben.

