Schweißtreibendes Schaulaufen für neue Lions in alter Stärke
BRAUNSCHWEIG. "Ich mag in meinem Team keine Superstars haben, auf die dann alle anderen die Verantwortung abschieben. Ich will, dass alle elf Spieler auf dem Platz sich verantwortlich fühlen." Phil Hickey, der neue Trainer der Braunschweiger Footballer, drischt nicht einfach so für die drei restlichen, relativ unbedeutenden Spiele in der Bundesliga schöne Phrasen.
Hickey dreht die Erfolglosigkeit des deutschen Rekordmeisters in diesem Jahr einfach zu einem positiven Aspekt um. Denn ganz selten besaßen die Lions so viel Zeit, um sich auf die nächste Saison vorzubereiten. Nachdem klar ist, dass die Braunschweiger wie 2009 und erst zum zweiten Mal seit 1995 die Play-off-Runde verpasst haben und auch nicht mehr absteigen können, darf weit vorausgeschaut werden.
So werden die Partien am Samstag um 15 Uhr in Dresden sowie zu Hause gegen Düsseldorf und Stuttgart zu einem Casting für die Saison 2012, zu einem schweißtreibenden Schaulaufen für die neuen Lions in schmerzlich vermisster alter Stärke. "Unser Trainerstab muss feststellen, wo wir Bedarf an Verstärkung haben und wo nicht", bestätigt Hickey. Also ein langsames Auslaufen aus einer völlig verkorksten Saison auf allen Ebenen wird es nicht geben.
Auf der wichtigen Spielmacher-Position wird sich Hickey, der früher selbst ein sehr starker Quarterback war, nach augenblicklichem Leistungsstand wohl nur noch über einen Ersatzmann Gedanken machen müssen. Und zunächst spielt in allen Überlegungen der langjährige Braunschweiger Boss auf dem Platz dabei keine Rolle. "Dennis Zimmermann hat sich aus privaten Gründen für dieses Jahr bei uns verabschiedet. Ob er nächstes Jahr weitermacht, weiß ich nicht", erklärt der Cheftrainer.
Dafür macht ihm Mike Friese richtig Spaß. "Wenn man bedenkt, dass er vier Jahre Football-Pause hinter sich hat und in kürzester Zeit den Sprung zum Stammspieler geschafft hat, kann man vor dieser Leistung nur größten Respekt haben", meint Hickey. Was ihn und die Fans zuletzt besonders beeindruckte: Friese scheinen selbst nach kapitalen Fehlern oder missglückten Pässen nicht die Nerven zu flattern. Im Gegenteil: Nach Patzern zeigt er oft seine besten Spielzüge. Hickey erwartet auch von Friese wie von seinem ganzen Team eine klare Steigerung. "Dresden ist eine Mannschaft, die wir einfach besiegen müssen." Er warnt aber auch: "Wenn wir so spielen wie phasenweise letzte Woche gegen Berlin, haben wir auch in Dresden keine Chance."
Damit spielt Hickey auf die zu zahlreichen Ballverluste an und unerklärliche Blackouts im Abwehrverhalten.

