Ryan Voss fängt den Lions die Sieg-Punkte ein
Braunschweiger gewinnen packendes Football-Duell gegen Essen mit 34:27
BRAUNSCHWEIG. In einer dramatischen Schlussphase rangen die Braunschweig Lions im Bundesliga-Spiel die Assindia Cardinals aus Essen mit 34:27 (0:0, 14:7, 7:7, 13:13) nieder. Die 4600 Fans tobten, jubelten und waren sich einig: So muss Football sein.
Wer am Samstagabend zum ersten Mal beim Football war, muss glauben, Schiedsrichter können hellsehen. Als der Haupt-Referee mit vorbildlicher Körpersprache, stramm stehend und zwei Finger in die Höhe streckend die "Two-Minute-Warning" verkündete, ahnte niemand etwas von der folgenden Dramatik.
Die Zwei-Minuten-Warnung wirkte im Nachhinein wie eine Aufforderung an die Fans: Achtung, schaut genau hin, legt die Hamburger weg, faltet die Popkorn-Tüten zusammen, das Spiel braucht eure ganze Aufmerksamkeit.
Die Zwei-Minuten-Warnung gehört zur Schiedsrichter-Pflicht, da immer wieder die Uhr angehalten wird und bei Spielen ohne Anzeigentafel niemand weiß, wie lange noch zu spielen ist. Diesmal wirkte das Kommando auf beide Teams wie ein Weckruf.
Beim Stand von 21:21 warf Lions-Spielmacher Dennis Zimmermann einen Pass auf Christian Bollmann. Der fing den Ball in der Endzone, Touchdown, 27:21 für die Lions. Der Erhöhungskick ging schief, die Uhr zeigte genau 2:00 Minuten, der Sieg schien sicher.
Mit einem weiten Kick wird der Ball nach einem Touchdown tief in die gegnerische Hälfte geschossen, damit es der Kontrahent möglichst weit hat, um selbst zu punkten.
Die Cardinals hatten es weit. 80 Meter bis in die Endzone. Und so, als ob es die Lions gar nicht gäbe, trug Joshua Lawson das Ei fast unbedrängt über den ganzen Platz bis ins Ziel. 27:27. Ein einfacher Kick hätte den Gästen die Führung und wohl auch den Sieg gebracht. Doch die Lions blockten diesen Schuss ab. Auch ein Spielzug mit Seltenheitswert.
Nur noch 1:43 Minuten standen auf der Spieluhr, und Zimmermann, der an diesem Tag phasenweise unter Form spielte, entfachte ein Pass-Feuerwerk. Plötzlich traumwandlerisch sicher fand er seine Anspielstationen. Schließlich fing Ryan Voss einen 31-Meter-Pass in der Endzone. 34:27. Und diesmal glückte auch der Extrakick.
Bei 1:08 Minuten Restspielzeit erhielten die Gäste wieder den Ball, versuchten alles und blieben hängen – bei Ryan Voss, der wieder fing, diesmal einen Pass des Gegners. Angriffsrecht für die Lions, 59 Sekunden auf der Uhr. Das kann man aussitzen und sich schon mal feiern lassen. Solch ein Arbeitssieg mit Höhen, Tiefen und einem überraschend starken Aufsteiger macht Spaß.
Punkte: 6:0 Johnson, kurzer Lauf; 7:0 Erhöhung Goebel; 13:0 Voss, 50-Meter-Lauf nach 30-Meter-Pass; 14:0 Erhöhung Goebel; 14:6 Marquard, 10-Meter-Lauf; 14:7 Erhöhung Jungblut; 20:7 Voss, 10-Meter-Pass; Erhöhung Goebel; 21:13 Schulz, kurzer Lauf; 21:14 Erhöhung Jungblut; 21:20 Schulz, 29-Meter-Lauf; 21:21 Erhöhung Jungblut; 27:21 Bollmann, Kurzer Pass; 27:27 Lawson, 80 Meter Kick-off-Return; 33:27 Voss, 31-Meter-Pass; 34:27 Erhöhung Goebel.
Beste Spieler: Voss (Ballfänger), Finke (Abwehr) – Curley (Spielmacher)
