Revanche für hohe Niederlage, aber niemand fängt Langston ein
Kritische Zeitungsberichte motivierten die Lions – Söhlke fällt das Zusehen schwer
FRANKFURT/MAIN. Die auf dem hemischen Sportplatz an der Roten Wiese hängenden Zeitungsberichte über die blamable 14:33-Niederlage am 30. August in Kiel haben ihre Wirkung bei den Lions nicht verfehlt. Das Training war konzentriert, und am Samstag im Finale um die deutsche Meisterschaft haben die Spieler ihre Schmach getilgt.
"So muss ein Endspiel sein, spannend bis zum Schluss", freute sich Lions-Sportdirektor Dirk Miehe nach dem 20:14 über die Hanseaten, auch die Vereinsvorsitzende Ute Schmidt war sichtlich stolz auf "ihre Jungs". Die Frage, ob die Lions wie in den jüngsten Jahren auf die wegen der weiten Reisen finanziell riskante Teilnahme am Eurobowl-Wettbewerb verzichten, will der Vorstand erst in den nächsten Monaten beantworten.
Die Lions müssen auch eine Lösung finden, wer künftig den Kieler Passempfänger Brandon Langston an die Kette legen soll. Selbst der schnelle Cornerback Lukas Muganga vermochte den früheren Hamburger nicht zu neutralisieren. War früher Estrus Crayton Empfänger der Anspiele durch Quarterback Adrian Rainbow, so hat sich Langston zum Top-Angreifer der Hurricanes gemausert.
Trotz anfänglicher Schwächen zeigten beide Finalisten, dass sie die Topteams der Bundesliga sind und, keine tiefen Einschnitte im Aufgebot vorausgesetzt, wohl auch in den nächsten zwei, drei Jahren bleiben dürften. Aus dem Klassiker Braunschweig gegen Hamburg dürfte vorerst das Duell Braunschweig – Kiel werden, wenn es um die Vorherrschaft im deutschen Football geht.
Als fairer Verlierer gratulierte der frühere Braunschweiger Coach Kent Anderson den Lions zum Sieg. In der Schlussphase hatte er allerdings lautstark an der Seitenlinie versucht, die Schiedsrichter-Entscheidungen zugunsten seines Team zu beeinflussen. Anderson kassierte bei der neunten Endspiel-Teilnahme erst seine zweite Niederlage.
Nach zwei Titelgewinnen in Italien mit den Bergamo Lions war es für Javier Cook der dritte Finalerfolg. "Ich bin super stolz auf mein Team. Wir haben nach der Pause Wege gefunden, die Kieler Abwehr zu knacken. Als das Laufspiel ins Rollen kam, gab es keinen Grund, davon abzuweichen", sagte Cook.
Ein bisschen melancholisch auf dem Rasen stand der frühere Braunschweiger Angreifer Frank Söhlke, der im Vorjahr in Stuttgart seinen sechsten Titel gefeiert hatte: "Klasse, dass es wieder zum Sieg gereicht hat, aber es fällt schwer, nur zuzusehen."

