Nichts gewonnen, aber auch noch nicht alles verloren
Lions unterliegen Dresden nach packendem Spiel mit 17:21 – Thomas überragend
BRAUNSCHWEIG. Den Braunschweiger Football-Zuschauern stand das Entsetzen in die Gesichter geschrieben. Lions-Spieler waren den Tränen nahe. Und manche muskelstrotzende Männer weinten sogar. Die 17:21-Niederlage gegen Dresden tat enorm weh.
Die deutschen Rekordmeister und Titelverteidiger aus Braunschweig hatten das Duell gestern im Eintracht-Stadion gegen die Monarchs zum Endspiel um einen Play-off-Platz deklariert.
Platz vier ist nötig, um die K.o.-Runde zu schaffen. Die Lions haben die direkten Vergleiche gegen die Assindia Cardinals und Dresden verloren. Um sie zu übertrumpfen, müssen die Braunschweiger mehr Punkte auf dem Konto haben. Kein Kontrahent hat solch ein brutales Restprogramm wie die Lions: zweimal gegen den Tabellenzweiten Kiel und einmal gegen die bisherige Übermannschaft Berlin.
Die Braunschweiger müssen ihrem personellen Umbruch mit radikaler Verjüngungskur Tribut zollen. Es ist zwar nicht unmöglich, so wie in den vergangenen zwölf Jahren ununterbrochen das Endspiel um die Meisterschaft zu erreichen. Aber es ist extrem schwer.
Der plötzliche Rückzug des Erzrivalen Hamburg Blue Devils kurz vor Saisonbeginn wurde von den Braunschweigern auch wegen finanzieller Einbußen zu Recht als Katastrophe empfunden. Doch rein sportlich braucht die Hanseaten kein Football-Fan mehr. Die Liga ist leistungsmäßig extrem zusammengerückt. Vorbei sind die Zeiten, in denen nur das Hamburg-Spiel Spannung versprach.
Und dank des Rückzugs der Devils steht der Absteiger auch schon fest. Den Gau werden die Lions also nicht erleben müssen. Und wie ein Absteiger spielen sie auch keineswegs. Die Partie gegen Dresden bot zahlreiche Football-Leckerbissen. Bis 60 Sekunden vor Schluss besaßen die Gastgeber hervorragende Sieg-Chancen. Doch vier Versuche scheiterten, den alles entscheidenden Pass zu platzieren.
Einen überragenden Einstand feierte Braunschweigs neuer Abwehrspieler Donald Thomas. In der Mitte, links und rechts, überall, wo es brannte, war er als Erster zur Stelle, so schien es. So konnte er den überragenden Angreifer der Gäste, Michael Andrew, eine Halbzeit lang stark bremsen, aber letztlich nicht völlig ausschalten.
Und das sensationelle Field-Goal von Tobias Goebel aus 49 (!) Metern wäre spielentscheidend gewesen – wenn der letzte Angriff geklappt hätte. Reden mochten hinterher fast nur die Sieger. "Braunschweig war viel besser als im Hinspiel. Wir haben ganz schön Probleme gehabt", sagte sogar Andrew.
"Unser Laufspiel hat so gut geklappt wie noch nie dieses Jahr. Jetzt müssen wir eben Kiel besiegen. Und jetzt machen wir das auch", meinte Patrick Neff. Aufstehen und weitermachen. So geht’s.
