Nicht immer perfekt, aber absolut unberechenbar
Braunschweig setzt auf viele verschiedene Anspielstationen, Stuttgart nicht
BRAUNSCHWEIG. Zum Auftakt der Bundesliga-Saison im American Football besiegten die Braunschweig Lions im Duell des Nord- gegen den Süd-Zweiten aus dem Vorjahr die Stuttgart Scorpions 20:0.
Matthias Mecherlein war tief beeindruckt und auch ein bisschen frustriert: "Da holen die Lions über 30 neue Spieler, die meisten sind jung und aus tieferen Spielklassen, und dann steht eine Mannschaft auf dem Platz, die so spielt wie die alte." Der Cheftrainer der Stuttgart Scorpions hatte sich ernsthaft eine Gewinnchance ausgerechnet. Doch die Braunschweiger ließen das einfach nicht zu.
"Wir haben in den entscheidenden Situationen schlechter gespielt als Braunschweig", befand Mecherlein. Das stimmte zwar, aber der Sieg der Braunschweiger war in erster Linie einer völlig anderen Spiel-Strategie zu verdanken. Während die Gäste fast ausschließlich über zwei, drei Ausnahmespieler angriffen, blieben die Lions durchweg unberechenbar.
Je länger das Spiel dauerte, umso mehr Anspielstationen zauberten die Braunschweiger aus dem Hut. Dass Jabari Johnson die Hauptlast des Laufspiels tragen würde, war klar. Aber wann immer die Stuttgarter glaubten, sie hätten die Lions im Griff, bediente Spielmacher Dennis Zimmermann einen anderen Ballfänger, am häufigsten Christian Bollmann, Simon Haubold, Dominic Hanselmann oder Ryan Voss.
Auch das irritierte die Gäste. Voss, Braunschweigs aus den USA eingeflogener vermeintlicher neuer Superstar, erhielt nur wenige Anspiele. Vor allem deshalb, weil auch die anderen meist sicher fingen und echte Alternativen darstellten.
"Wir machen das eben so", erklärte Lions-Cheftrainer Javier Cook, "wir spielen nicht einfach auf den Amerikaner, sondern immer auf den, der frei ist."
Dass Zimmermann überhaupt soviel werfen konnte, war Verdienst seiner völlig neu zusammengestellten Schutztruppe, die nicht einmal in Bestbesetzung spielen konnte. Und zu allem Überfluss verletzte sich schon im ersten Viertel auch noch Center Patrick Neff.
Der Center-Spieler ist enorm wichtig, muss den Ball aufnehmen und an den Spielmacher weitergeben. Perfekte Abstimmung in Bruchteilen von Sekunden sind da Spiel entscheidend. Marvin Joppe ersetzte Neff überraschend nahtlos.
Auch die Lions-Defensive wurde im Spielverlauf immer besser. Während die zweite Abwehrreihe nicht immer ein Mittel gegen die flinken Stuttgarter Angreifer fand, entpuppte sich die vorderste Abwehrlinie als eine Macht. Vor allem Patrick Finke und Christian Fuchs entfachten einen enormen Druck auf den Gäste-Angriff, ein neues tierisches Duo, das den Lions-Fans noch viel Freude bereiten wird.
Bitter allerdings, dass sich Lions-Urgestein Christian von Einem eine schwere Fingerverletzung zuzog und ersteinmal ausfallen wird.



